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DT1


DT2

Zeittafel 1958

Inhaltsverzeichnis
Hamburger U-Bahn

Das erste Neubaumodell der Hamburger U-Bahn nach dem Zweiten Weltkrieg war der Doppeltriebwagen DT1. Gebaut wurden die Fahrzeuge von der Waggonfabrik Uerdingen, die elektrische Ausrüstung lieferten AEG und Siemens. Die 50 Doppeltriebwagen dieser Serie wurden von Ende Februar 1958 bis Juni 1959 ausgeliefert. Sie hatten eine für damalige Zeiten beträchtliche Anfahrbeschleunigung von über 1 m/s² und eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Die bisherigen Züge erreichten lediglich 60 km/h. Einige Haltestellenwärter machten sich einen Spaß daraus, die Züge etwas länger warten zu lassen, denn sie wussten: Die Fahrer fuhren dann etwas forscher, und an der nächsten Haltestelle war die längere Wartezeit bereits wieder aufgeholt.

Dem Fahrer wurde die Arbeit erleichtert, denn das Nockenschaltwerk wurde beim Anfahren und beim Bremsen automatisch betätigt. Der Fahrer konnte mit einem Hebel sämtliche Fahr- und Bremsvorgänge einleiten.

Die Sitzplätze waren gepolstert. Jeder Wagen hatte drei druckluftbetätigte Türen auf jeder Seite. Ein Druckknopf ermöglichte den Fahrgästen, die Tür von innen zum Aussteigen mit Druckluft zu öffnen. Diese Einrichtung wurde jedoch bald außer Betrieb genommen.

Gebremst wurde mit einer fremderregten elektrischen Widerstandsbremse. Die Widerstände erwärmten sich beim Bremsen- diese Wärme wurde für die Wagenheizung genutzt.

Die DT1-Wagen basierten auf einer soliden Eisenbahnkonstruktion. Die leere Garnitur aus zwei Wagen wog 50,5 t. Deshalb durften die Wagen auf den Viadukten nicht bremsen. Außerdem war der Stromverbrauch und somit die Betriebskosten unerfreulich hoch. Die DT1-Serie wurde nach nur 50 gelieferten Doppeltriebwagen eingestellt. Nachfolger war der Doppeltriebwagen DT2 mit nur 34 t Gewicht und nur 70 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Die DT1-Garnituren wurden bis Sommer 1991 aus dem normalen Fahrgastbetrieb ausgemustert. Einige Fahrzeuge wurden zu Arbeitswagen umgebaut. Eine Garnitur (9030/9031) wurde in einen „Partywagen“ für Ausflugszwecke verwandelt. Diese Garnitur trägt den Namen „Hanseat“ und kann seit dem Frühjahr 2001 von Privatpersonen gemietet werden. An Bord sind vorhanden: Sitzplätze, Tresen, Tanzfläche und WC. Beide Wagen dieser Garnitur sind für die Verwendung als Partywagen mit einem Durchgang verbunden - so können alle Partygäste während der Fahrt zum WC gelangen. Die Einrichtung eines der beiden Wagen wurde so gestaltet, dass sie 28 Sitzplätze und kleine Tische besitzt. Der andere Wagen beherbergt den Tresen und eine 10 m² große Tanzfläche. Zur Beschallung ist eine entsprechende Einrichtung vorhanden. Bei der kleinen Tanzfläche und der geringen Wagenhöhe wird man wohl kaum einen ordentlichen Rock hinlegen können!

Zum Zeitpunkt des Umbaus zum Partyzug hatte die DT1-Garnitur rund 1,5 Millionen Kilometer zurückgelegt.

Eine kleine Nachlese zum DT1

Der erste neue DT1-Doppeltriebwagen traf am 24.2.1958 auf dem Güterbahnhof an der Hellbrookstraße ein. So steht es im Hamburger Abendblatt vom 24.2.1958 auf Seite 3 unter der Überschrift „Die ersten neuen Wagen / Mehr Komfort für U-Bahn / Experimente mit den Sitzen“. Der Zeitungsartikel führt aus, dass die betrieblich günstigste Sitzanordnung in der Praxis gefunden werden soll: Deshalb sollen einige Wagen nur quergestellte Bänke mit 44 Sitzen und einige weitere Wagen Längs- und Quersitze mit 40 Plätzen bekommen.

Im Dezember 2007 beschäftigte sich ein Thread im Hamburger Nahverkehrsforum mit den Farben der Postersitzbezüge der DT1-Fahrzeuge. Demnach hatten die ersten 9 Einheiten ausschließlich Quersitze: Wagennummern von 9431/32 bis 9447/48. Die Sitze der restlichen 41 Einheiten von 9449/50 an aufwärts hatten eine gemischte Quer- und Längsanordnung.

Die zuletzt gelieferten Einheiten hatten graublau/rote Sitzbezüge und andere Farben an den inneren Stirnwänden. Zusammengefasst:

  • 9431/32 - 9447/48: Nur Quersitze in grün mit braunen Stirnwänden.
  • 9449/50 - 9509/10: Quer- und Längssitze in grün mit braunen Stirnwänden, davon 9451/52 abweichend mit versuchsweise graublau/roten Sitzen und braunen Stirnwänden.
  • 9511/12 - 9529/30: Quer- und Längssitze mit den zuvor bei 9451/52 erprobten graublau/roten Sitzbezügen, mit grauen Stirnwänden und roten Führerstandstüren.

Das „Hamburger Abendblatt“ schrieb dazu am 27.6.1959 auf Seite 3 unter der Überschrift „Die U-Bahn wird bunt/ Blau und rot gepolstert / Ab Montag die ersten Wagen“, dass zwanzig neue und rund 100 alte U-Bahn-Wagen bis zum Jahresende eine bunte Inneneinrichtung erhalten sollen. Die ersten vier Wagen mit roten und blauen Kunstledersitzen seien in Hamburg eingetroffen und sollen am Montag (wohl der 29.6.) vorgestellt werden.

Interne Wagennr. ab 1960 Wagennr. bei Auslieferung Anzahl und für
9000-9043 9431-9474 44, Hamburg
9044-9051 9491-9498 6, Hamburg
9052-9055 9511-9514 4, Hamburg
9056-9063 9523-9530 8, Hamburg
9064-9079 9475-9490 16, HHA
9080-9099 9499-9522 20, HHA
Die ab 1960 neu vergebenen Wagennummern waren intern. Sie wurden nicht an den Fahrzeugen angebracht.
DT1 und DT2 der Hamburger Hochbahn AG, einige technische Daten zum Vergleich
  DT1 DT2
Garnitur besteht aus 2 Triebkopfwagen 2 Triebkopfwagen
Gewicht Garnitur leer 50,5 t Garnitur 34 t leer, 50 t besetzt
Wagenlänge über Blech Garnitur 27,90 m Garnitur 27,14 m
Wagenbreite 2550 mm 2508 mm
Fahrgestelle je Garnitur 4 Triebgestelle je Garnitur 2 Triebgestelle,
1 Laufgestell
Motoren je Garnitur 8 Motoren
zu je 74 kW
je Garnitur 4 Motoren
zu je 80 kW
Stromaufnahme je Garnitur maximal 1200 A bei 750 V je Garnitur maximal 700 A bei 750 V
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h 70 km/h
Besonderheiten Steuerung kompatibel mit DT3. Der DT1 kann mit dem DT3 einen vollwertigen Zug bilden. Die Steuerung des DT2 ist zum DT1 und DT3 nicht kompatibel. Die Betriebsbremse des DT2 wird elektrisch betätigt. Um mit dem DT1 und DT3 wenigstens bremstechnisch kuppelbar zu sein, hat der DT2 eine durchgehende Bremsdruckluftleitung und ein zusätzliches Ventil zum Betätigen der Luftdruckbremse des DT1 oder DT3.

Der Fahrer betätigt Brems- und Fahrgeber mit Fußpedalen.

Türen je Wagen 6 4
Sitzplätze/Stehplätze

Stehplätze bei 0,15 m² pro Person

gepolstert
9 Garnituren mit je:
82 Quersitzen,
6 Klappsitzen,
178 Stehplätzen
41 Garnituren mit je:
24 Längssitzen,
50 Quersitzen,
6 Klappsitzen,
178 Stehplätzen
harte Kunststoffschale
je Garnitur:
82 Quersitze,
174 Stehplätze
Seite zuletzt geändert am 8.11.2008