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Bildhauer Richard Kuöhl
Der Bauschmuck am Rappolthaus in der Hamburger Mönckebergstraße

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(Richard Kuöhl)
Das Rappolthaus steht in der Hamburger Mönckebergstraße gegenüber dem Mönckebergbrunnen. Das Gebäude (Höger, 1911/1912) besteht aus Haus I (Mönckebergstraße 11) und Haus II (Mönckebergstraße 13). Das Rappolthaus II wurde zuletzt im Sommer 2005 umfassend renoviert.
Der Bauschmuck enthält Werke von Georg Wrba und von Richard Kuöhl.

Georg Wrba war tätig bei Haus I am Erker, den Portalen und dem Brunnen im Hof.

Richard Kuöhl war an Haus II tätig, und zwar am Portal, der Laube und der Giebelfigur. Außerdem stammen von Kuöhl Teile der Innengestaltung - Heizungsgitter, geschnitzte Treppenwangen und Türen.

Die Zusammenarbeit beider Künstler bei diesem Gebäude ist detailliert in
http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-1584/11_Bauplastik.PDF
nachzulesen (Stand März 2009). Aus dieser Quelle stammt auch die Zuordnung des Bauschmucks auf die beiden Künstler.

http://www.traegerverbund-innenstadt.de/wettbew_moe/020724_grundeigentuemer_moe.pdf
(Stand März 2009) enthält eine Übersicht über bedeutende Bauten an der Mönckebergstraße. Besonders reizvoll sind die Aufrisszeichnungen der Häuser in guter Auflösung (Ansicht vergrößern!).

Der Bauherr des Gebäudes war das 1897 gegründete Textilunternehmen Rappolt & Söhne. Die Firma stellte Bekleidung her. Sie war während der Weimarer Republik eines der größten jüdischen Industrieunternehmen in Hamburg. Ihre Belegschaft umfasste über 600 Mitarbeiter. Hinzu kamen rund 200 Heimarbeiter. Nach dem Kaufmann Franz Max Rappolt (*3.7.1870 Hamburg; †25.11.1943 Theresienstadt) wurde 1965 der Rappoltweg in Hamburg-Lohbrügge benannt. Für seinen Bruder Dr. Ernst Moritz Rappolt (*1868; †1942) wurde in der Rissener Landstraße 24 ein „Stolperstein” gelegt. Informationen sind in
www.patriotische-gesellschaft.de/download/2007-08-30_Grolle_Lorenz_Ausschluss_j%FCdischer_Mitglieder.pdf
zu finden. Bitte die Adressangabe auf die im Web abgelegte Datei einzeilig und ohne Zwischenraum verwenden! (März 2009 - leider enthält die URL ein Umlautzeichen. Deshalb wird sie hier nicht unmittelbar verlinkt).

Detail am Portal Rappolthaus 1 (30.3.2009

Das Foto vom historische Schild oben am Portal ist all den vielen Webautoren, Maklerbüros und Zeitungsschreibern gewidmet, die Rappoldhaus schreiben.

Außen am jetzigen Rappolthaus II ist von Kuöhls Bauschmuck nichts mehr zu finden. Auch mit historischen Bildern scheint es eher mager auszusehen. Mir sind nur zwei Fotos vom Portal am Rappolthaus II bekannt:

  • [18, Seite 120] Der Fotograf, Herr Bellingroth, hatte jedoch die Straßenbahn fotografiert und das Portal ist leider nur im Bildhintergrund. Immerhin ist links ein Teil des Namens „TEXTA” am Rappolthaus II zu erkennen.
  • [29, Seite 137] Auf diesem Foto (vermutlich eine reproduzierte Postkarte) aus der zweiten Hälfte der 1920er Jahre ist das Portal vollständig zu sehen. Die beiden Statuen oben am Portal sind auf dem Foto jedoch nur 3 mm groß.

Ganz anders sieht es bei Rappolthaus I aus. Die folgenden Bilder vom 30.3.2009 zeigen den Bauschmuck an Rappolthaus I von Georg Wrba.

Rappoldhaus 1, Ecke der Endbalustrade (30.3.2009
Rappoldhaus 1, Endbalustrade (30.3.2009 Die Balustrade (Brüstung auf Säulen) an der Ecke Mönckebergstraße mit Barkhof wird von zwei Freifiguren geschmückt.

Auch wenn die Machart der Statue mit dem runden Hut an Werke Kuöhls erinnert, stammen die beiden Figuren von Wrba. Die oben an der Statuen angebrachten Spitzen sollen verhindern, dass sich Tauben auf die Statuen setzen.

Wrba hat in verblüffend ähnlicher Art die „Allegorie der Bürgertugenden” auf dem Alten Stadthaus in Berlin am Molkenmarkt dargestellt. Ein Foto ist bei Wikipedia beim Eintrag zu Georg Wrba zu finden (Stand 30.3.2009).

Rappoldhaus 1, Portal (30.3.2009
Auf dem Portal des Rappoldhauses I zur Mönckebergstraße ruhen zwei wenig bekleidete Statuen - ein Herr mit Bart und eine Dame.
Rappoldhaus 1, Portal (30.3.2009
Der bärtige Herr hat einen Wasserkrug als Armlehne zweckentfremdet. In der oben genannten Quelle (... Bauplastik.PDF) wird die Vermutung geäußert, dass ein Flussgott die Hansestadt symbolisieren soll.
Rappoldhaus 1, Portal (30.3.2009
Die gutgenährte Frau ruht vielleicht auf einem Füllhorn - ob es Abundantia ist, die sich hier ausruht? Abundantia, die römische Göttin des Überflusses, schüttet aus ihrem Füllhorn normalerweise Goldmünzen aus!
Auf jeden Fall sind die beiden Figuren ungenügend bekleidet - und das am prächtigen Eingangsportal des Kontorhauses eines Bekleidungsherstellers!
Rappoldhaus 1, Portal (30.3.2009
Das Eingangsportal hat die Form eines kleinen Hauses (Ädikula) mit Flachdach.

Betritt man das Eingangsportal, erblickt man einen kleine Brunnen in einem prächtig geschmückten Vorraum. Hier dürfte Richard Kuöhl am Werk gewesen sein. Im Treppenhaus sind einige Großfotos des Gebäudes ausgestellt (Stand Ende März 2009).


Seite zuletzt geändert am 29.11.2011