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Das Kriegerdenkmal am Dammtor


Bahndirektion Altona (1934-36)

Der Altstädter Hof im Kontorhausviertel (1937)
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Kriegerdenkmal Dammtor
Das Denkmal am Stephansplatz ist 8,90 m lang, 4,30 m breit und 7 m Meter hoch. 88 Infanteriesoldaten marschieren in Viererreihen um den Block des Denkmals.
Kriegerdenkmal Dammtor Der nationalsozialistische Senat in Hamburg benötigte ein Heldendenkmal. 1934 wurde ein Wettbewerb für ein Denkmal für das Hamburger Infanterieregiment 76 ausgeschrieben, an denen sich reichsdeutsche arische Architekten und Bildhauer, die der Reichskammer der bildenden Künste angehören, beteiligen konnten[1].
Kriegerdenkmal Dammtor

Richard Kuöhls Konzept gewann die Ausschreibung über die „Großtaten der Vergangenheit“ mit einem „Brückenpfeiler der Zukunft“[2]. Bauherr des Denkmals waren die Traditionsvereine des Infanterieregiments 76.

Am 15.März 1936 war die Einweihung mit einer Militärparade. General Wilhelm Knochenhauer sagte (Quelle: Die Welt, 29.10.1999) bei der Einweihung: „Wir werden den jungen Hamburger Soldaten dahin bilden und formen, dass er mit weit geöffnetem Herzen und im Innern mit Augen rechts an diesem wundervollen Denkmal des stolzen Regiments vorüberschreitet, um aus den unvergesslichen Heldentaten der 76er und aus dem große Heldentum deren Gefallener Kraft und Stärke für das eigene Tun zu erringen“. Seitdem steht dieser „Kriegsklotz“, das „76er Denkmal“ aus Muschelkalk, vor einem Eingang zum „Alten Botanischen Garten“ am Dammtordamm. Wie alle Denkmäler versucht es, einen Zeitgeist auszudrücken: Soldaten in Uniform, im Gleichschritt, von einem Gedanken besessen: „Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen“.

Noch ein weiteres Mal wurde Richard Kuöhl für dies Denkmal beauftragt. Am 11.November 1958 wurde die von ihm gestaltete Gruftplatte für die 6000 im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten des Regiments 76 im Ehrenhof des Denkmals eingeweiht. „Zur Ehre der Gefallenen und Vermißten des Zweiten Weltkrieges“ steht auf der 2½ Tonnen schweren Gruftplatte aus Muschelkalkstein[3].

Meine Mutter hat es einmal richtig formuliert: „Wahnsinn“, und mir dies Heldendenkmal als Antikiegsdenkmal interpretiert. So kann es den Helden von damals gehen!

Genau wie meine Mutter damals, wenn auch nicht so prägnant formuliert, sieht es der „Verein zur Erhaltung des 76er Denkmals“ (seit dem 11.1.1995 „Bund für Denkmal-Erhaltung e.V., nicht mehr begrenzt auf das 76er-Denkmal). Der Verein interpretiert das Denkmal als Mahnmal gegen den Krieg. Er hat es jedoch nicht leicht, denn das Denkmal wird häufig mit Farbe beschmiert.

Nach Ende des 2. Weltkrieges gab es Bestrebungen, dies Denkmal zu entfernen. Unmittelbar nach dem Kriege wurde es nicht gesprengt, da der kommissarische Nachkriegs-Denkmalpfleger Hopp den britischen Besatzungsbehörden versicherte, es handelte sich nur um ein Mahnmal für die getöteten Soldaten einer Hamburger Ehrenkompanie. Viel später kam man auf die Idee, das Denkmal endgültig stehen zu lassen und ein Gegendenkmal daneben zu errichten.

1982 fand ein Künstlerwettbewerb statt, der 107 Entwürfe erbrachte. Es galt, den Platz so umzugestalten, dass aus einer Kriegsverherrlichung ein Mahnmal gegen den Krieg wird.

Die Entscheidung der Jury ist wegen der Vorgehensweise umstritten, denn die Juroren befanden keinen Entwurf als zur Ausführung geeignet. Die Kunstkommission empfahl, den Juroren Alfred Hrdlicka (*27.2.1928 in Wien; † 5.12.2009 in Wien) zu beauftragen- und so geschah es.

Das Konzept von Alfred Hrdlicka sah eine offene Anlage vor, deren Teile die Form eines zerbrochenen Hakenkreuzes bilden würden. Deren Themen sollten die Folgen des Krieges darstellen:

  • Hamburger Feuersturm (Übergabe 8.Mai 1985)
  • Verfolgung und Widerstand („Untergang von KZ-Häftlingen“ bzw. „Untergang der Cap Arcona“, Übergabe am 29. September 1986)
  • Soldatentod
  • Frauenbild im Faschismus
Das Gegendenkmal des Wieners Alfred Hrdlicka wurde nur zur Hälfte fertiggestellt - einige Leute sind froh, dass es nicht weiter gebaut wurde, denn seine abstrakte Darstellung ist nur schwer verständlich.
Kriegerdenkmal Dammtor
Die Schriftart erinnert an Frakturschrift. Es ist jedoch keine Frakturschrift, sondern irgend etwas anderes.

Soldatenabschied von Heinrich Lersch

Die Zeile „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!“ stammt aus dem Gedicht „Soldatenabschied“ von Heinrich Lersch. Heinrich Lersch wurde Anfang August 1914 einberufen. Unter dem Eindruck seiner Einberufung schrieb er das Gedicht in das Gebetbuch seiner Mutter[4].

Es gibt viele Seiten im Internet, die sich mit dem gelernten Kesselschmied und späteren „Arbeiterdichter“ Heinrich Lersch (1889-1936) und gerade mit diesem Gedicht beschäftigen. Meine Empfehlung zu diesem Thema: mit einer Internet-Suchmaschine danach suchen und sich eine eigene Meinung bilden!


Soldatenabschied von Heinrich Lersch

Lass mich gehen, Mutter lass mich gehen!
All das Weinen kann uns nichts mehr nützen,
denn wir gehen, das Vaterland zu schützen!
Lass mich gehen, Mutter lass mich gehen!
Deinen letzten Gruß will ich vom Mund dir küssen:
Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!

Wir sind frei, Vater, wir sind frei!
Tief im Herzen brennt das heiße Leben,
frei wären wir nicht, könnten wir`s nicht geben.
Wir sind frei, Vater, wir sind frei!
Selber riefst du einst in Kugelgüssen:
Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!

Uns ruft Gott, mein Weib, uns ruft Gott!
Der uns Heimat, Brot und Vaterland geschaffen,
Recht und Mut und Liebe, das sind seine Waffen,
uns ruft Gott, mein Weib, uns ruft Gott!
Wenn wir unser Glück mit Trauern büßen:
Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!

Tröste dich, Liebste, tröste dich!
Jetzt will ich mich zu den andern reihen,
du sollst keinen feigen Knechten freien!
Tröste dich, Liebste, tröste dich!
Wie zum ersten Male wollen wir uns küssen:
Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!

Nun lebt wohl, Menschen, lebt wohl!
Und wenn wir für euch und unsere Zukunft fallen,
soll als letzter Gruß zu euch hinüber hallen:
Nun lebt wohl, ihr Menschen, lebt wohl!
Ein freier Deutscher kennt kein kaltes Müssen:
Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!

Der Text ist an die aktuelle Rechtschreibung angepasst.

Fußnoten
Das Anklicken der Fußnotennummer führt in den Text zurück.
  • [↑1] Die hier genannte Jahreszahl 1934 für die Ausschreibung des Wettbewerbs ist der am Denkmal aufgestellten Informationstafel (Stand 14.3.2003) entnommen. Leider nicht eindeutig steht dazu in dem Artikel von Michael Kluth: Umstritten, beschädigt, immer wieder beschmiert im Hamburger Abendblatt vom 22.08.1987 auf Seite 3 wortwörtlich: „Der Senat aus Sozialdemokraten und Bürgerlichen akzeptierte es 1932. Erst 1936, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde es enthüllt.“. Aus dem Kontext des Artikels geht nicht zweifelsfrei hervor, ob sich die beiden Worte „es“ des Artikels auf ein 76er-Denkmal überhaupt oder auf das 76er-Denkmal in der ausgeführten Form beziehen.

  • [↑2] zitiert aus: Volkwin Marg und Reiner Schröder: Architektur in Hamburg seit 1900, Hamburg 1993

  • [↑3] Den Gefallenen zum Gedenken, Hamburger Abendblatt, 13.10.1958, Seite 5

  • [↑4] Günter Niemeier: 76er eng mit Hamburg verbunden. „Mookt wi“ war der geheime Regimentsname, Hamburger Abendblatt, 22.1.1972, Seite 3

Seite zuletzt geändert am 19.4.2012