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Stettiner Straßenbahn (2008)

1879 ging die Pferdebahn der Stettiner Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft in Betrieb. Elektrifiziert wurde sie 1897/1898 durch die AEG. 1924 wurde der Straßenbahnbetrieb von der Stadt übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb fortgesetzt. 1951 kamen 16 LOWA-Beiwagen nach Stettin. Es waren die ersten Neubaufahrzeuge für die Stettiner Straßenbahn nach dem Krieg. Ab 1955 wurden zweiachsige Fahrzeuge des Typs N beschafft. Es handelt sich um die polnische Version des Kriegsstraßenbahnwagens (KSW).

Ab 1970 wurden sechsachsige Gelenkwagen 102N der Waggonfabrik Konstal in Chorzow beschafft. Ab 1975 wurden vierachsige Großraumwagen des Typs 105N vom gleichen Hersteller beschafft. Die Waggonfabrik Konstal gehört zu Alstom (Stand 2008).

Momentan (Mai 2008) betreibt die Straßenbahn die beiden Betriebshöfe Golecin und Pogodno. Das 1907 gebaute Depot Niemierzyn wurde am 1.10.2004 geschlossen. Laut „Blickpunkt Straßenbahn” Heft 1/2005 wollen die in einem Verein organisierten Nahverkehrsfreunde und das Stettiner Nationalmuseum die 1929/1930 modernisierte Betriebshofanlage für ein Verkehrs- und Technikmuseum nutzen.

Bild: Stettin, Straßenbahnwagen 670, 10.5.2008
Das Stettiner Straßenbahnnetz ist etwa 50 km lang und normalspurig. Die meisten der rund 200 Fahrzeuge sind in den Jahren 1975 bis 1979 gelieferte vierachsige polnische Standardmotorwagen des Typs 105N von Konstal und ähnliche Wagen 105Na aus den Jahren 1981 bis 1992. Alle Wagen dieser Art, die ich in Stettin gesehen hatte, sahen aus wie 105Na. Vielleicht wurden die 105N-Wagen äußerlich modernisiert?

Von der Düsseldorfer Straßenbahn (vermutlich Rheinische Bahngesellschaft AG) konnten einige gebrauchte DÜWAG-Gelenktriebwagen GT6 der Baujahre 1958/1959 übernommen werden. 2002 waren davon in Stettin 19 in Betrieb, im Herbst 2005 waren es nur noch 15.

Das aktuelle Farbschema der Wagen ist weiß mit rot-blau gestreifter Schürze. Rote und blaue Streifen finden sich in der Stettiner Flagge wieder.

Informationen über die Straßenbahn in Stettin auf deutsch liefert die private Internetsite http://berlin.bahninfo.de/strab_polen.htm. Tipp für Stettinbesucher: Den dort veröffentlichten Linienplan ausdrucken und mitnehmen! In Stettin ist so ein Plan nicht leicht zu finden.


Der Besuch in Stettin

Bild: Stettiner Straßenbahn, Haltestellenschild LudowaAm Wochenende kann man mit dem „Schönen Wochenend Ticket” (SWT) der Deutschen Bahn preiswert verreisen. In Stettin beinhaltet das SWT neben der Bahnstrecke von Deutschland nach Stettin auch die Benutzung der öffentlichen Stadtbusse und der Straßenbahn.

Bei der Visite am 10.Mai 2008 konnten wir fleißig Straßenbahn fahren. Die Straßenbahnhaltestelle liegt unmittelbar am Stettiner Hauptbahnhof. Zweimal erwischten wir DÜWAG-Gelenkwagen GT6. Meistens fuhren wir mit Zügen aus 105N-Wagen in verschiedenen Modernisierungsvarianten. Vielleicht waren es auch 105Na-Wagen - ich kann die Fahrzeuge nicht unterscheiden. Die GT6 fuhren solo, die 105N-Züge bestanden aus zwei Motorwagen in Doppeltraktion. Der zweite Wagen fuhr mit abgesenktem Stromabnehmer. So wie es sich anhörte und anfühlte trug auch er zum Antrieb bei!

Die Gleise schienen recht ausgefahren zu sein, denn die Wagen schlingerten ziemlich. Auffallend viele Strecken verlaufen auf eigenem Gleiskörper.

Der Tagesausflug begann um 7 morgens ab Hamburg Hauptbahnhof. Zurück kamen wir gegen 23:00 wieder dort an. In Stettin waren wir 4½ Stunden in Sachen Straßenbahn unterwegs. Die Fotos sind in zeitlicher Abfolge dargestellt.

Bild: Straßenbahn Stettin, 105N-Wagen 1005 und 1060
Bild: StraßenbahnStettin, zwischen 105N-Wagen 1005 und 1060Der Doppeltraktionszug aus den 105N-Triebwagen 1005 und 1060(?) wartete an der Schleife Ludowa auf seine nächste Tour. Das bot Zeit zur Begutachtung der Verbindung beider Wagen.

Mechanisch gekuppelt sind sie mit Albertkupplungen. Strom und Luft werden mit Kabeln und Schläuchen oberhalb der Kupplung angeschlossen.

Die eingehängte Überstiegsperre soll verhindern, dass Fahrgäste über die Kupplung steigen, um auf die andere Zugseite zu gelangen.

Vorne am Wagen befindet sich der Taster für die Fangeinrichtung. Sie soll verhindern, dass Hindernisse unter die Räder kommen. Am Wagenende - auf dem Foto links - ist kein solcher Taster angebracht, denn es handelt sich um Einrichtungsfahrzeuge.

Bild: Stettiner Straßenbahn, 105N-Wagen 1029
Ebenfalls an der Schleife Ludowa: 105N mit Wagennummer 1029 ist das Führungsfahrzeug der Doppeltraktion.
Bild: Stettiner Straßenbahn, GT6 Wagen 509
In Düsseldorf war früher der sechsachsige Gelenktriebwagen DÜWAG GT6 beheimatet. Laut meiner Straßenbahnliteratur wurden über 1000 Fahrzeuge dieses Grundtyps gebaut. Die Fahrzeuge dieses Grundtyps konnten mit mehr als einem Jakobsdrehgestell geliefert werden. Die längste Version bestand aus bis zu fünf Teilen und somit 12 Achsen.

Die Düsseldorfer Straßenbahn hatte ab 1957 101 Sechsachser beschafft. Ab 1996 wurden in Düsseldorf neue Niederflurwagen beschafft und man konnte die Gelenktriebwagen abgeben.

Technische Daten DÜWAG GT6
Hersteller: DUEWAG Baujahre: 1956 bis 1965
Achsformel: B'2'B' Spurweite: 1435 mm
Länge über Puffer: 19100 mm Breite: 2350 mm
Dienstmasse: 20,2-20,7 t Höchstgeschwindigkeit: 67 km/h
Stundenleistung: 2 * 95/100 kW Stromart: 600 Volt Gleichstrom aus Oberleitung
Sitzplätze/Stehplätze: 44 / 68 Fußbodenhöhe: 880 mm
Bild: Straßenbahn Stettin, 105N-Wagen 698
Der 105N-Wagen 698 war auf Linie 6 das Führungsfahrzeug dieser Doppeltraktion. Hier wendet der Zug im Gleisdreieck neben dem Betriebshof Golecin. Die Trillerpfeife in der Hand der Einweiserin - es handelt sich um die Dame links im Bild - ist auf dem Foto nicht zu erkennen.

Die vordere Flügeltür des Triebwagens ist geöffnet. So kann die Fahrerin die Trillerpfeifsignale der Einweiserin besser hören. Die offene Tür ist die Privattür der Fahrerin / des Fahrers. Fahrgäste gelangen über die unmittelbar benachbarte Flügeltür, über die großzügig bemessenen Türen der beiden Mitteleinstiege oder über die doppelte Flügeltür am Fahrzeugheck zu ihren Plätzen.

Bild: Stettiner Straßenbahn, Betriebshof Golecin
Ob der Architekt abergläubisch war? Ein Gleis mehr, und es wären 13 Gleise geworden. Die maximale zulässige Höchstgeschwindigkeit von 5 km/h dürfte von einige Fußgängern leicht überschritten werden können. Die Schranke ist ausgesprochener Leichtbau.
Bild: Stettiner Straßenbahn, Betriebshof Golecin
Auf Gleis 5 parkt der 105N-Wagen 1007, Gleis 6 ist leer, auf Gleis 7 steht der GT6 mit der Betriebsnummer 918. Beide Fahrzeuge sind in den aktuellen Farben angestrichen: oben weiß, die Schürzen blau und rot gestreift.

Beim 105N fällt auf, dass die vordere Kupplung keinen Kupplungskopf trägt. Das war bei allen 105N-Zugenden, die ich in Stettin gesehen hatte, so.

Bild: Stettiner Straßenbahn, Betriebshof Golecin, Arbeitswagen
Die erste Stelle des ersten Gleises wurde von Arbeitswagen 021 belegt. Es handelt sich um einen „N-Wagen”, einen Nachbau des  i Kriegsstraßenbahnwagens (KSW). Die Stettiner Straßenbahnen beschafften solche Fahrzeuge ab 1955. Es ist kaum zu glauben, dass dieser Wagen nur wenig älter als der DÜWAG-Gelenktriebwagen ist!

Hinter Wagen 021 steht Wagen 203 mit der Fahrtzielangabe KASIA. Vielleicht handelt es sich um einen selbstfahrenden Kassenwagen?

Bild: Strttiner Straßenbahn, 105N-Wagen 1007, innenWeiter ging es mit Linie 6 in Wagen 1007 ab dem Betriebshof. Bis zur nächsten Haltestelle war der Wagen ziemlich leer. Das Foto zeigt die Sitzanordnung und das sehr reichliche Stehplatzangebot. Jeder Sitzplatz ist auch ein Fensterplatz!
Hinweis zu den Wagentypen:
Heft 3/2002 der Zeitschrift „Blickpunkt Straßenbahn” gibt den Wagen 698 als 105N an. Wagen 1005 ist als 2001/2002 gebauter 105Ng/S angegeben. Bei den Wagen 1007 und 1029 lautet die Angabe 105N mit dem Vermerk „Typzuordnung unklar”.

Letztes Upload: 08.01.2017 um 21:25:10