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Straßenbahn in Dessau und Fahrt nach Ferropolis (2008)

Bild: Dessau, NGT6D am Hauptbahnhof
Die Bilder auf dieser Seite stammen von einem Tagesausflug nach Dessau und Ferropolis am 3.8.2008. In Dessau sind wir die Strecke der Straßenbahnlinien 1 und 3 abgefahren.

Der Straßenbahnbetrieb in Dessau verwendet (Stand 2008)

  • drei von der Düsseldorfer Straßenbahn übernommene Gelenktriebwagen GT8 und
  • 10 in den Jahren 2001 und 2002 von Bombardier Bauzen gelieferte Niederflurwagen NGT6D in einer 6-achsigen Version bestehend aus dem Triebteil mit zwei Drehgestellen und einem zweiachsigen Nachläufer.
Der in Dessau eingesetzte NGT6D gehört zur von Bombardier gebauten Straßenbahnfamilie Flexity Classic. Die Flexity Classic ist eine Familie von Niederflur-Straßenbahnwagen. Fahrzeuge dieser Familie werden vorwiegend in Deutschland eingesetzt. Die Verkehrsbetriebe in Kassel, Essen, Frankfurt am Main und Dortmund sind die größere Abnehmer. Die folgende Tabelle enthält zum Vergleich die Daten des zur gleichen Familie gehörenden Straßenbahnfahrzeugs aus Schwerin.
Standort (Betrieb)TypeBaujahrAnzahlBetriebsnummernLängeBreite
Schwerin (NVS)SN20012001 - 200330801 - 83029,70 m2,65 m
Dessau (DVV)LF2000 - NGT6D2001 - 200210301 - 31021,07 m2,30 m
Die Fahrgäste können das Fahrzeug über zwei Doppeltüren im Niederflurbereich und eine Einzeltür am Wagenende betreten oder verlassen. Die Einstieghöhe beträgt 29 cm über Schienenoberkante. Die Fahrerkabine hat einen eigenen Eingang.
Bild: Dessau, NGT6D am HauptbahnhofFahrzeuge dieser Klasse basieren auf einer gemeinsamen Konstruktion, werden jedoch an die jeweiligen Einsatzorte angepasst. Im Falle Dessau sind es normalspurige Einrichtungsfahrzeuge von 230 cm Breite und rund 21 m Länge. Der Niederfluranteil beträgt 70%.

Der NGT6D hat eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Er kann Krümmungen ab 30 m Krümmungsradius durchfahren.

Bild: Dessau, NGT6D InnenansichtIm Nachläufer des zweiteiligen Gelenktriebwagens sind 20 Sitze und der Fahrkartenautomat untergebracht. Im Hauptteil können außer dem Fahrer 32 Fahrgäste Platz nehmen. Es ist reichlich Platz für Kinderwagen, Fahrräder und bis zu 67 stehende Fahrgäste vorgesehen. Die Sitze in der Dessauer Straßenbahn sind ähnlich unbequem wie in den Hamburger Nahverkehrsbussen. Die Fahrt in der Straßenbahn ist jedoch erheblich angenehmer, da man deutlich weniger Quer- und Längskräfte ertragen muss.
In Dessau ging die Straßenbahn der Dessauer Straßenbahn-Gesellschaft AG am 15.11.1894 in Betrieb - und zwar normalspurig mit Gasmotorwagen für 12 sitzende und 14 stehende Fahrgäste. Konstruiert hatte sie die Ingenieure Carl Lührig und Oskar Schwab. Jeder Motorwagen führte einen Vorrat an Stadtgas unter dem Fahrgastraum mit. Damit wurde ein Verbrennungsmotor betrieben. Er befand sich unter einer der beiden Sitzbänke. 1897 war die Streckenlänge der Dessauer Gasstraßenbahn auf 6,2 km angewachsen. Der Fahrzeugpark[49,Seite 14] bestand 1897 aus
  • 13 Gasmotorwagen,
  • 4 Gaslokomotiven und
  • 8 Beiwagen.

Am 24.3.1901 war für die Dessauer Gasstraßenbahn Schluss. Zwei Tage später, ab dem 26.3.1901 fuhr in Dessau die Straßenbahn elektrisch. Der Grund für die Umstellung wird in dem als Quelle angegebenen Buch nicht genannt. In Dresden war der Grund für die Abschaffung der Gasmotorwagen die Geruchs- und Geräuschbelästigung.[42,Seite 15] Das verwundert bei der Einbaulage des Motors unterhalb einer Sitzbank überhaupt nicht!

Im Brockhaus (Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896) steht dazu unter dem Stichwort „Straßenbahnen”: Eigentliche Bedeutung gewann die Gasbahn erst durch Lührig in Dresden, der 1892 seine Konstruktion veröffentlichte und einen Probebetrieb mit 5 Motorwagen in Dresden einrichtete. Die Lührigschen Patente sind von der im März 1895 gegründeten Deutschen Gasbahngesellschaft in Dessau übernommen worden, nachdem 1894 die Gasbahn in Dessau eröffnet worden war. 1897 wurde die erste größere Gasbahn in Deutschland, die Hirschberger Thalbahn (15,2 km) von Hirschberg über Warmbrunn nach Hermsdorf, eröffnet.

Der Lührigsche Gasmotorwagen hat folgende Einrichtung. Unter den Sitzbänken ist auf jeder Seite ein zweicylindriger Deutzer Gasmotor montiert, dessen Bewegung durch Zahnräder und Gelenkketten auf die Wagenachsen übertragen wird. Die 8 Gasbehälter, in denen das Gas auf 6 bis 7 Atmosphären komprimiert ist, befinden sich unter den Plattformen. Für das Kühlwasser ist ein Bassin auf dem Dach aufgestellt. [...] Die jetzigen Motorwagen der Dessauer Gasbahn brauchen durchschnittlich etwa einen halben Kubikmeter Gas pro Wagenkilometer. In der Komprimierstation wird das Gas auf 8 bis 10 Atmosphären komprimiert. Mit einer Gasladung werden 12 bis 16 km und mehr durchfahren. Eine Ladung dauert 2 - 3 Minuten.

Bild: Oranienbaum, V22-Zug und Doppelstockschienenbus 670 Alfred
Weiter ging es mit dem doppelstöckigen 670er-Schienenbus „Alfred” der Anhaltischen Bahngesellschaft nach Oranienbaum.

Die kleine Serie der 670er Doppelstockschienenbusse hatte sich nicht als der große Erfolg erwiesen. Jede Bahngesellschaft, die solche Fahrzeuge erhalten hatte, bemühte sich, sie rasch wieder loszuwerden.

Vorteil für den Fahrgast: Man hat von oben einen prima Überblick, insbesondere wenn man den Platz über dem Fahrer ergattert.

Bild: Dessau, Schienendoppeklstockbus 670, Bilick nach vorne

Einige technische Daten:

  • Herstellern: Waggonbau Dessau und DWA Halle Ammendorf.
  • 16332 mm Länge über Stoßelemente
  • Achsfolge A'1'
  • 27,5 t Gesamtgewicht
  • 255 kW Motorleistung, mechanische Kraftübertragung
  • 100 km/h Höchstgeschwindigkeit
Bild: V22-Zug in Ferropolis
In Oranienbaum stiegen wir in einen recht merkwürdigen Zug zur Weiterfahrt nach Ferropolis auf der ehemaligen Kohlebahnstrecke. Gezogen wurde der Zug von der 1970 gebauten Kleindiesellok V22 219 des Herstellers VEB Lokomotivbau „Karl Marx” Babelsberg. Der einzige Beiwagen war der 1937 gebaute ehemalige schienenbusartige Beiwagen VB 140 250 des Herstellers Talbot. Möglicherweise befindet sich dieser Zug in der Obhut des Eisenbahnclubs Aschersleben e.V.
Bild: Ferropolis, Raupensäulenschwenkbagger auf Raupenfahrwerk
Die knapp 30-minütige Aufenthaltsdauer in Ferropolis empfanden wir als reichlich.

Für Technikfreaks und für Fotografielichtkünstler sind die in Ferropolis versammelten stillgelegten Braunkohlefördergeräte faszinierend. Es werden geführte Besichtigungen angeboten. Die Anfahrt mit dem historischen Talbotkleinbahnzug ist nur an einigen wenigen Tagen im Sommerhalbjahr möglich.

Das Foto zeigt einen der museal abgestellten Raupensäulenschwenkbagger auf Raupenfahrwerk. Die Informationstafel besagt, dass der 1941 gebaute Bagger 792 t wiegt und von 3 bis 5 Personen bedient wurde. Der Bagger ist 67,1 m hoch und 27,2 m breit. Über die Länge der Ausleger macht die Informationstafel keine Aussage. Die Bergleute nannten ihn „Das Rennpferd” denn er wurde verhältnismäßig häufig von einem Tagebaubegtrieb zum anderen gefahren. Dabei legte er insgesamt 221 km zurück. Seine Einsatzorte waren die Tagebaue Golpa II, Muldenstein, Golpa Nord und Gröbern.

Bild: Ferropolis, abgestellte Eisenbahnfahrzeuge
Mit dem gleichen Zug fuhren wir über Oranienbaum zurück und weiter nach Wörlitz. Bei der Ausfahrt des Zuges vom Ferropolisgelände konnte ich einige Fotos von den dort herumstehenden alten Eisenbahnfahrzeugen machen. Der Versuch, in Ferropolis ein Eisenbahnmuseum aufzubauen, ist wohl fehlgeschlagen.

Letztes Upload: 24.08.2017 um 13:29:42