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Die Alsterschifffahrt:
Der Zeitraum von 1865 bis in die 1920er

Etwa ab 1860 bis 1890 wurden viele Schraubendampfer für den Dampfschiffverkehr auf der Alster gebaut.
Bild: Modell der Uhlenhorster Alsterfähre, Baujahr 1873, Museum für Hamburgische Geschichte (25.4.2003)
Das Modell der Alsterfähre im Maßstab 1:24 steht im Museum für Hamburgische Geschichte. Es wurde 1970 nach Unterlagen von Pascal Horst Lehne gebaut.[17, Seite 76]

Herr Lehne hatte sich insbesondere um die Erhaltung der  i Elektrischen Kleinbahn Altrahlstedt-Volksdorf-Ohlstedt bemüht.

1953 wurde die Fähre zur Verschrottung verkauft. Horst Pascal Lehne erfuhr davon. Er wurde aktiv und führte Vermessungen an dem ausgemusterten Schiff durch. Daraus entstanden die Unterlagen, die den Bau des Modells ermöglichten.

Die im Modell gezeigte Alsterfähre wurde 1873 von der Reiherstiegwerft als „Eisernes Doppel-Enden-Doppel-Schrauben-Dampfschiff mit Holzaufbauten” gebaut. Man beachte die Schrauben an beiden Enden!

Alles war mindestens doppelt- die Fähre hatte sogar zwei Besitzer, denen jeweils eine Hälfte gehörte: die beiden Alsterschiffs-Unternehmer Wichmann und Justus. Die Dampfmaschine leistete 45 PS. Die Fähre bot Platz für 104 Personen. 1907 wurde sie -als erstes Alsterschiff- zum Glattdecker umgebaut. Bei dieser Gelegenheit wurde sie um 1,46 auf 18,99 m verlängert, erhielt eine stärkere Maschine mit 75 PS und konnte nun 162 Personen befördern. Erst bei diesem Umbau erhielt sie Ruderstände an beiden Enden. Vorher befand sich der Ruderstand etwa bei einem Drittel der Schiffslänge.

Die Fähre war bis 1947 fahrfähig. Sie wurde allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in Fahrt gesetzt, sondern lag bis zu ihrer Abwrackung 1953 als Büroschiff am Jungfernstieg.

Das älteste betriebsfähig erhaltene Fahrzeug des Hamburger Nahverkehrs ist der 1876 gebaute Alsterdampfer „Falke”. Er wird jetzt als Museumsalsterdampfer „St. Georg” betrieben. Die Alsterdampfer leisteten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrserschließung der damaligen Alstervororte und waren ein Träger des Personennahverkehrs. Zwei Reedereien bedienten drei Radial-, zwei Rund- und eine Fährlinie nach einem gemeinsamen Fahrplan.

Bild: Alsterdampferannonce 1885
Gegen 1880 nahm die Konkurrenz der Pferdebahnen den Alsterdampfern Fahrgäste fort. Otto Wichmann (*25.6.1839; †24.6.1918), seit 1880 in der Alsterschifffahrt im Geschäft (und ab 1887 Alleinbesitzer der gesamten Alsterdampferflotte), senkte notgedrungen die Fahrpreise:
1880 den Höchstpreis von 30 auf 20 Pfennige,
1881 den Höchstpreis auf 15 Pfennige.
Danach galt ein neuer Einheitspreis von 10 Pfennigen für alle Strecken. Zum Vergleich: Ein halber Liter Bier kostete damals im Lokal 15 Pfennige. Eine Pferdebahnfahrt kostete ebenfalls 15 Pfennige, so dass die Alsterdampferwerbung mit Recht im „Neuen Hamburger Reform-Kalender auf das Jahr 1885” behaupten konnte: „Hamburgs billigste Passagier-Beförderung”. 1895 wurde für die Berufstätigen ein besonderer Frühtarif von 4:00 bis 7:00 Uhr eingeführt. Er betrug 5 Pfennige.

1887 fügte der Kaufmann Otto Wichmann die Reederei von Herrn Justus und seine Reederei zur Alsterdampfschiffahrtsgesellschaft m.b.H. zusammen.

Bis 1901 waren die Alsterdampfer je nach Linie rot, gelb oder grün gestrichen. Ab 1901 erhielten sie einen weißen Anstrich- die „Weiße Alsterflotte” war entstanden. Ebenfalls 1901: Der neue Alsterdampfer „Elisa” ist der erste mit elektrischer Beleuchtung anstelle von Petroleumlampen.

Bild: Alsterdampfer 1912Für die Alsterschifffahrt war 1911 das Rekordjahr überhaupt. Die 38 oder 39 Alsterdampfer verzeichneten 10969155 Beförderungsfälle.

Bild links: Aus einer Postkarte (Kunstverlag A.N.H.) von 1912.

Durch die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs wurde die Kohle knapp. Deshalb wurde 1917 die Alsterlinienschifffahrt mit Ausnahme der Fähre eingestellt. Die Schiffe begannen zu verrotten, die Alsterdampfschiffahrtsgesellschaft verlor ihre finanzielle Kraft. Später erreichte sie aufgrund der Entwicklung des schnelleren öffentlichen Personennahverkehrs (wie U- und Straßenbahnen) nie mehr die Bedeutung, die sie vor dem 1.Weltkrieg und somit vor Inbetriebnahme der U-Bahn-Ringlinie hatte.



Nach dem Ersten Weltkrieg
Die HHA übernahm 1919 die Alsterschifffahrt.

Man machte sich bei der HHA Gedanken über die Alsterschifffahrt. Auch HHA-Vorstand Wilhelm Stein war kreativ.[47, Seite 38] Er hatte Vorschläge für einen Schwungradspeicher (Gyro-Betrieb) auf einem Alsterschiff gemacht. Daraus hatte die Firma Krupp den Entwurf für einen solchen Antrieb erstellt. Auf der Aufsichtsratsitzung der HHA vom 15.5.1922 wurden für einen solchen Versuch 1 Million Mark bewilligt. Die schnell fortschreitenden Inflation verhinderte die Ausführung des Vorhabens.

Im nächsten Jahr, mit Wirkung vom 15.9.1923, trat ein Vertrag mit der Ewerführerfirma Lütgens & Reimers in Kraft. Demnach wurde der Alsterpersonenschifffahrtsbetrieb der HHA für Rechnung von Lütgens & Reimers durchgeführt. Die HHA blieb Eigentümer ihres Inventars für die Alsterschifffahrt. Das Alsterschifffahrtsspersonal blieb bei der HHA. Die HHA wurde am Betriebsgewinn aus der Alsterschifffahrt von Lütgens & Reimers beteiligt.[47, Seite 42] Anders formuliert: Lütgens & Reimers pachtete den Alsterschifffahrtsbetrieb.

Linien der Alsterdampfschifffahrt bis zum 1. Weltkrieg
LinieHäufigkeit (Minuten)Fahrdauer (Minuten)
Jungfernstieg-Barmbeck1027
Jungfernstieg-Mühlenkamp10direkt 19,
über Uhlenhorster Fährhaus und Sierichstraße 21
Jungfernstieg-Winterhude2031
Jungfernstieg-Auguststraße
und Walhalla
2014,
über Rabenstraße 16
Rundfähre
Rabenstraße/ Lohmühlenstraße
abwechselnd über Schwanenwik
oder Gurlittstraße
1017
Rundfähre
Rabenstraße/Schwanenwik
abwechselnd über Auguststraße
oder Walhalla
108
Fähre Harvestehude (Fährdamm)
-Uhlenhorster Fährhaus
10, bei Bedarf öfter3
Bild: Anlegestellen der Alsterdampfer gegen 1910
Die Kartenskizze zeigt die Lage der Anleger der Alsterschifffahrt gegen 1910. Die Anleger Auguststraße und Schwanenwik wurden bis zum Zweiten Weltkrieg bedient. Der Anleger Walhalla befand sich Schöne Aussicht Höhe Uhlenhorster Weg. Von dort aus war es nicht weit zum beliebten Ausflugslokal „Walhalla” am Hofweg. Der Anleger wurde ab 1917 nicht mehr angelaufen.

Der Anleger Holzdammsteg hieß wohl ursprünglich Pantelmanns Steg. Die „Schüten-Vermieter” hatten ihre Stege am Jungfernstieg, d.h. in der Binnenalster. Von hier aus fanden Lustfahren auf der Alster statt. Gewürdigt wurden solche Fahrten besonders durch den von  i Otto Faster alias Oscar Fetrás (*16.2.1854 Hamburg; †10.1.1931 Hamburg) komponierten Konzertwalzer „Mondnacht auf der Alster”. 1844 erhielt der Bootsvermieter Pantelmann die erste Genehmigung für einen Bootssteg in der Außenalster. Der Steg befand sich auf der Höhe des jetzigen Hotels Atlantic.

Auf der Westseite der Außenalster gab es ursprünglich zwei weitere Anleger: Sophienterrasse und Alsterglacis.

Der Anleger Rabenstraße wurde 1909 modernisiert. Noch heute ist er mit seiner alten Zugangsbrücke zum Steg, unter der die Ruderboote hindurchfahren können, besonders reizvoll. Der Anleger Rabenstraße wird seit Beginn der Alsterschifffahrt 1859 angelaufen. Seit 1888 bestand eine hölzerne Steganlage, die der jetzigen Anlage ziemlich ähnlich sah (zumindest scheint es so, wenn man Postkarten aus der damaligen Zeit betrachtet). 1909 entstand der jetzige weit vom Ufer entfernte Anlegesteg mit der Zugangsbrücke aus Beton.

Eine Fähre an der „Alten Rabe” bestand bereits im 18.Jahrhundert. Schon damals stand hier das Wirtshaus „Die Rabe” mit einem Raben im Schild. Es wurde nach Eröffnung der benachbarten Gartenwirtschaft „Die neue Rabe” in „Alte Rabe” umbenannt. Ende 1813 wurde das Wirtshaus auf Befehl der französischen Besatzungsarmee niedergebrannt. Dies war eine militärische Notwendigkeit: Zur Vorbereitung der zur Festung erklärten Stadt Hamburg auf eine Belagerung wurde alles, was einem Belagerer vor den Stadtbefestigungen als Deckung dienen könnte, eingeebnet.

Sehenswert ist auch der eiserne Rabe am alsterseitigen Ende der Straße „Alte Rabenstraße”. Der eiserne Rabe gilt als Schöpfung von  i Franz-Andreas Meyer.[Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg, Köln 1996]

 i Einige Bilder vom Anleger Rabenstraße
 i Dampfboot-Wartezimmer an der Lombardsbrücke

Aus einem Linienverzeichnis der „Alster-Dampfböte” aus der Zeit um 1910
Jungfernstieg - Auguststraße direkt 20-Minuten-Verkehr, mit Mühlenkampböten mit Umsteigen an Rabenstraße 10-Minuten-Verkehr
Jungfernstieg - Eilbeck - Barmbeck bis Von-Essen-Straße durch den Eilbecker Kanal über Richardstraße, Lessingstraße, Kuhmühlenbrücke und Mundsburger Brücke (10-Minuten-Verkehr)
Jungfernstieg - Uhlenhorster Fährhaus stündlich 9-mal. An Auguststraße Anschluss nach Lohmühlenstraße resp. Gurlittstraße 3-mal stündlich
Jungfernstieg - Leinpfad und Frauenthal via Bellevue und Fernsicht (20-Minuten-Verkehr)
Jungfernstieg - Mühlenkamp via Rabenstraße und Sierichstraße (10-Minuten-Verkehr)
Jungfernstieg - Rabenstraße (6-7-Minuten-Verkehr)
Jungfernstieg - Schwanenwik (10-Minuten-Verkehr)
Jungfernstieg-Walhalla via Rabenstraße mit Mühlenkampböten (10-Minuten-Verkehr)
Jungfernstieg - Winterhude - Eppendorf via Bellevue, Fernsicht und Frauenthal (20-Minuten-, an Sonntagen 10-Minuten-Verkehr)
Rabenstraße - Auguststraße - Walhalla (10-Minuten-Verkehr)
Rabenstraße - Barmbeck - Eilbeck (Von-Essen-Straße) via Schwanenwik, Kuhmühlenbrücke, Lessingstraße und Richardstraße (10-Minuten-Verkehr)
Rabenstraße - Lohmühlenstraße (St. Georg) (10-Minuten-Verkehr)
Rabenstraße - Gurlittstraße (St. Georg) (20-Minuten-Verkehr)
Rabenstraße - Schwanenwik (10-Minuten-Verkehr)

Letztes Upload: 15.05.2017 um 17:05:32