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Zeittafel 2008

Alsterschiffe ab 1931

Die Alsterschifffahrt in Hamburg:
Das Zemship „FSC Alsterwasser” und die Wasserstofftankstelle

Bild: Zemtship in der Spezialschiffsbauwerft SSB Oortkaten
Fast fertig: Das Zemship in der Werft am 10.8.2008
Am 29.8.2008 stellte die Alstertouristik GmbH ihr „Zemship” in Dienst. Die seltsame Schiffsbezeichnung „Zemship” soll andeuten, dass dies Schiff emissionsfrei angetrieben wird - Zero Emisson Ship. Dies wird durch einen Brennstoffzellenhybridantrieb der Proton Motor Fuel Cell GmbH in 82178 Puchheim erreicht. Diese Art des Antriebs erleichtert auch die Finanzierung des Schiffes, denn so konnte die Europäische Union das 5,2 Millionen € schwere Projekt fördern. Die Projektpartner planen, lediglich 2,4 Millionen € selber zu investieren.

Für die Antriebsbezeichung hat man sich die Abkürzung FCS wie Fuel Cell Ship (Brennstoffzellenschiff) einfallen lassen: „FCS Alsterwasser”.

Das auf der Spezialschiffsbauwerft SSB Oortkaten gebaute Alsterschiff kann bis zu 100 Fahrgäste mitnehmen. Sogar ein barrierefreier Zugang ist möglich, denn das Schiff verfügt über eine Rampe für Rollstühle.

Pro Jahr soll es gegenüber einem vergleichbaren Dieselschiff 1000 kg Stickoxide, 220 kg Schwefeloxide, 40 kg Partikel und 70 t Kohlenstoffdioxid einsparen. Da fragt sich der kritische Chronist, wieviel Schadstoffe bei der Erzeugung und Lagerung der benötigten verflüssigten Antriebsgase zusätzlich anfallen - und ob das bei den genannten Emissionseinsparungen wohl wirklich mit berücksichtigt ist?

Das Zemship wurde auf den Namen „Alsterwasser” getauft. Ich empfinde den Namen als ausgesprochen unpassend. Zumindest hätte ich dann einen hellbraunen Schiffsrumpf und weiße Aufbauten erwartet. Ein absenkbares weißes Dach über einen hellbraunen Rumpf hätten besser zu dem gleichnamigen Getränk gepasst.

Das neue Alsterschiff war Bestandteil eines Projektes unter Federführung der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Die übrigen weiteren Projektpartner waren:
  1. ATG Alster-Touristik GmbH,
  2. Germanischer Lloyd AG,
  3. Hamburger Hochbahn AG,
  4. Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW),
  5. hySOLUTIONS GmbH,
  6. Linde AG,
  7. Proton Motor Fuel Cell GmbH (Puchheim bei München),
  8. Ústav jaderného výzkumu Rez a.s. (UJV). Anderer Name: UJV Nuclear Research Institute PLC (Tschechische Republik).

Die ATG Alster-Touristik war für den Entwurf des Schiffskörpers zuständig.

Das Dach des Schiffes ragt 2,65 m aus dem Wasser. Das Dach lässt sich um 35 cm absenken, damit auch die niedrigen Fleetbrücken passiert werden können. Die Fahrgäste können dabei an Bord bleiben.

Der Schiffsantrieb besteht aus den Hauptkomponenten:

  • 2 Stück PM Basic A 50 Brennstoffzellensysteme mit je 50 kW (oder 48 kW, leicht unterschiedliche Angaben) Spitzenleistung,

  • einem Steuerungssystem zur Energieverwaltung und für die Brennstoffzellen,

  • Wasserstofftanks ausgelegt für 50 kg gasförmigen Wasserstoff bei 350 bar Druck, und

  • Akkumulatoren zur Pufferung der überschüssige elektrischen Energie aus den Brennstoffzellen. Diese entsteht beispielsweise bei Zwischenstopps. Wenn beim An- und Ablegen höhere Leistung benötigt wird, liefern die Akkumulatoren zusätzlichen Strom. Die Kombination aus Brennstoffzellen und Akkumulatoren wird hier als „Brennstoffzellenhybridantrieb” bezeichnet.
Technische Daten des Zemships „Alsterwasser”
Einsatz als:Brennstoffzellenfahrgastschiff für Alsterschifffahrt
mit Zulassung als Hafenfahrzeug
Bauweise:Einrumpfboot aus Stahl und Aluminium
Motorleistung:100 kW Antrieb, 20 kW Bugstrahlruder
Akkumulatoren:Blei-Gel, 7 * 80 V, 360 Ah bei 560 V
Gastank:350 bar bei 15° C
Kapazität:100 Fahrgäste
Länge/ Breite über alles:25,56 m / 5,20 m
Höhe über der Wasserlinie:2,65 m, (2,30 m bei abgesenktem Hubdach)
Wasserverdrängung / Tiefgang:72 Tonnen / 1,31 m (wenn besetzt)
Max. Fahrgeschwindigkeit:14 km/h

Die Wasserstofftankstelle

Bild: Wasserstofftankstelle am Anleger Hellbrookstraße
Bild: Wasserstofftankstelle am Anleger Hellbrookstraße Oberes Bild: Links ist ein Teil des Anleger erkennbar. Auf ihm befindet sich die Zapfsäule. Der hohe weiße Turm mit dem blauen Oberteil rechts im Bild hinter dem Baum und der ganz rechts erkennbare graue Turm mit den vertikalen Rippen gehören mit zur Tankanlage.
Überraschend viel Technologie steckte in der Wasserstofftankstelle. Sie befand sich am Anleger Hellbrookstraße am Barmbeker Stichkanal, also auf dem Gelände der Hamburger Hochbahn AG. Wie man an den schemenhaft erkennbaren Verbotszeichen erahnt, soll man in 5 m Abstand von der Zapfsäule einige Dinge unterlassen. Wasserstoffgas brennt ausgezeichnet!

Hinweis: Linde hat den Betrieb dieser Wasserstofftankstelle Ende 2013 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.[Schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE) vom 09.01.15 und Antwort des Senats] Im Frühjahr 2014 wurde die Wasserstofftankstelle abgebaut.


Der tiefkalt verflüssigte Wasserstoff wurde mit dem Tankwagen geliefert und in einem wärmeisolierten Tank bei einer Temperatur von minus 253 °C gespeichert. Bei einer Betankung des Schiffes wurde der Wasserstoff durch einen Verdampfer vom flüssigen in den gasförmigen Zustand überführt und mittels zweier hintereinander geschalteter Verdichter auf einen Druck von maximal 450 bar komprimiert. Das Zemship sollte in rund 12 Minuten mit 50 kg komprimiertem Wasserstoffgas betankt werden. Diese Treibstoffmenge sollte für drei Tage Schiffsbetrieb reichen.

Bei dieser Sache gibt es einen bitteren Beigeschmack: Leider hat der angelieferte verflüssigte Wasserstoff eine lange Autofahrt hinter sich. Er wird aus Erdgas gewonnen. Das erfolgt weit entfernt in Leuna bei Merseburg an der Saale. Von dort aus wird er bei minus 253 °C per Tankwagen auf der Straße zur Tankstelle nach Hamburg gefahren. Die extrem niedrige Temperatur bei Transport und Lagerung ist erforderlich, da der Siedepunkt von flüssigem Wasserstoff bei minus 252,6 °C liegt.


Fotos vom 1. Betriebstag (29.8.2008)
Bild: Alsterschiff Alsterwasser am Jungfernstieg
Bild: Alsterschiff Alsterwasser am JungfernstiegOben: Der Schwan schaut sich das neue Schiff genau an. Es hat heute über die Toppen geflaggt und trägt Girlanden am Vorschiff, denn heute war seine Schiffstaufe.

Mitte: Das neue Schiff von vorne. Es liegt an Landestelle 1 des provisorischen Anlegestegs Jungfernstieg.

Unten: Die „Alsterwasser” bei ihrer Jungfernfahrt auf der Außenalster.
Bild: Alsterschiff Alsterwasser auf der Binnenalster
Am 28.4.2010 tauchte die „FSC Alsterwasser” wieder in den Medien auf. Das Schiff war zur Inspektion in der Oortkatener Werft. Die 500 kg schwere Brennstoffzelle und die Batterie waren neu in die „Alsterwasser” eingebaut worden und sollten getestet werden. Auf der Probefahrt explodierte gegen 11°° eine Blei-Gel-Zelle der Batterie. Weitere Blei-Gel-Zellen explodierten danach in rascher Folge. Das Alsterschiff konnte zum Kai zurückkehren, die Besatzung brachte sich in Sicherheit. Weil das Schiff Wasserstoff an Bord hat, wurde Explosionsgefahr vermutet. Die Feuerwehr kam auf dem Landwege mit über 50 Feuerwehrleuten und zwei Wasserwerfern(!) und zusätzlich mit einem Löschboot auf dem Wasserwege.

Glücklicherweise konnte verhindert werden, dass die Flammen auf die sich in einem separaten Raum befindlichen Wasserstofftanks übergriffen. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Erst am 10.5.2011 konnte die „Alsterwasser” wieder ihren Fahrdienst auf der Alster aufnehmen. Als Auslöser für die Batterieexplosionen wurde eine falsch verkabelte Batterie ermittelt.

Die „FSC Alsterwasser” ist das weltweit einzige Fahrgastschiff mit Wasserstoffzellenantrieb (Stand April 2011).


Letztes Upload: 26.09.2017 um 20:24:30