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Fahrscheine der
HHA bis Anfang 1932

Hochbahntarife ab 1918
und „Fahrmarken” ab 1920

Nach der Hyperinflation:
1924 bis Anfang 1932

Die Hamburger U-Bahn:
Die Hyperinflation ab 1922

Im Jahre 1922 mussten die Fahrpreise zunächst etwa monatlich wegen der Inflation erhöht werden. Zum Ende des Jahres wurden die Abstände immer kleiner. Der Abendzuschlag von 1 Mark wurde in der Mitte des Jahres aufgehoben. Sonntags wurden verbilligte Einzelkarten ausgegeben. Die Fahrkarten der U-Bahn wurden nun auch nicht immer neu gedruckt, sondern mit einem Stempelaufdruck für den neuen höheren Preis gekennzeichnet. Die Fahrmarken wurden eingezogen.

Der Preis einer Monatsnetzkarte für die Ringlinie betrug am 9.01.1922 bereits 120 Mark. Am 15.01.1923 stand er auf 5000 Mark. Auch die anderen Kartenpreise waren deutlich höher geworden:

Einzelfahrkarten der HHA
ab dembis zur 5. Haltestellebis zur 10. Haltestellebeliebig weit
17.12.19200,70 Mark0,90 Mark1,10 Mark
09.01.19221,50 Mark2,00 Mark2,50 Mark
15.01.192360 Mark80 Mark100 Mark

Die Inflation beschleunigte sich. Die Abstände der Preiserhöhungen schrumpften auf etwa 14 Tage zusammen. Da die Monatskarten ja am Anfang des Monats bezahlt wurden, musste in der Regel in der 2. Hälfte des Monats ein „Nachschlag” gezahlt werden. Bei Zahlung des Nachschlags wurden die Karten am Fahrkartenschalter oder im Hochbahnhaus umgetauscht. Der Preis einer Monatskarte für den Ring belief sich am 15.7.1923 auf 210000 Mark:

Einzelfahrkarten der HHA
ab dembis zur 5. Haltestellebis zur 10. Haltestellebeliebig weit
17.12.19200,70 Mark0,90 Mark1,10 Mark
09.01.19221,50 Mark2,00 Mark2,50 Mark
15.01.192360 Mark80 Mark100 Mark
15.07.19232500 Mark3000 Mark3500 Mark

Ab dem 9.08.1923 wurden auch Lehrlingskarten für 12 Fahrten in 4 Wochen für den Schulbesuch zum Preis von 120 Tausend Mark eingeführt und ausgegeben. Die Schaffnerlöhne pro Stunde lagen am 15.6.1923 bei 2500 Mark, am 1.7.1923 waren es 8500 Mark, am 8.7.1923 bereits 10500 Mark.

Die Abstände zwischen den Preiserhöhungen schrumpften weiter auf 4 bis 6 Tage zusammen. Die Kurzstreckenkarte hatte Mitte September 1923 die Millionmarksgrenze geknackt:

Einzelfahrkarten der HHA
ab dembis zur 5. Haltestellebis zur 10. Haltestellebeliebig weit
17.12.19200,70 Mark0,90 Mark1,10 Mark
09.01.19221,50 Mark2,00 Mark2,50 Mark
15.01.192360 Mark80 Mark100 Mark
15.07.19232500 Mark3000 Mark3500 Mark
16.08.19231 Mio Mark1,5 Mio Mark2 Mio Mark

Ein lebensmittelmarkenfreies Brötchen kostete am 14. und 15. Oktober 1923 mal eben 30 Millionen Mark. Der Preis für ein markenpflichtiges war mit 16 Millionen Mark ein wahres Schnäppchen, denn die lebensmittemarkenfreie Preisvariante belief sich auf 450 Millionen Mark.

Auch die Fahrpreise der Fahrkarten stiegen weiter:

Einzelfahrkarten der HHA
ab dembis zur 5. Haltestellebis zur 10. Haltestellebeliebig weit
15.01.192360 Mark80 Mark100 Mark
15.07.19232500 Mark3000 Mark3500 Mark
16.08.19231 Mio Mark1,5 Mio Mark2 Mio Mark
24.10.19230,7 Mrd Mark0,9 Mrd Mark1,1 Mrd Mark

Die HHA wollte Goldpreise festsetzen und diese mit einem Multiplikator, die jeden Tag nach dem Dollarstand errechnet wurde, vervielfachen.

Das Vorhaben wurde von der Kommission zur Festsetzung von Gebühren und Tarifen am 3.11.1923 genehmigt. Die „Goldpreise” brachten eine erhebliche Mehrbelastung für denjenigen Teil der Bevölkerung, der noch nicht in wertbeständigem Zahlungsmitteln entlohnt wurde.

Die Kommission setze fest, das vom Sonntag den 4.11. bis Dienstag den 6.11.1923 der Multiplikator 100 Mrd. beträgt:

Einzelfahrkarten der HHA, Multiplikator 100 Mrd
von - bisbis zur 5. Haltestellebis zur 10. Haltestellebeliebig weit
4.11 - 6.11.19230,10 Goldmark
=10 Mrd. Mark
0,15 Goldmark
=15M Mrd. Mark
0,20 Goldmark
=20 Mrd. Mark

Die Markpreise konnten auf volle Zehnmilliarden gerundet werden.

Diese Grundtarife hielten bis zum 29.11.1923. Allerdings stiegen die Preise dennoch durch den sich etwa alle 6 Tage erhöhenden Multiplikator. So lag der Multiplikator am 12.11.1923 bei 150 Mrd Mark; am 19.11.1923 bei 600 Mrd; am 26.11.1923 bei 1000 Mrd. Mark bzw. 1 Billion Mark.

In diesem Zusammenhang teilte die HHA am 6.11.1923 mit:

Die Hochbahngesellschaft wird, da es an wertbeständigem Wechselgeld noch völlig fehlt, wertbeständige Fahrmarken ausgeben, ähnlich wie sie schon früher im Verkehr gewesen sind. Die Fahrmarken lauten auf die Ziffern 10, 15 und 20 und berechtigen zur Entnahme eines Fahrscheines (Fahrkarte) im Wert von 10, 15 und 20 Goldpfennigen. Die Fahrkarten zu 10 und 15 sehen vorläufig wie Eisenbahnfahrkarten (braun und grün/weiß) mit entsprechendem Aufdruck aus, als Fahrmarken zu 20 werden die früheren viereckigen eisernen Marken mit der Zahl 20 wieder ausgegeben.

Da die Zahl der vorhandenen Fahrmarken vorläufig noch beschränkt ist, so wird das Publikum dringend gebeten, die Marken möglichst im Verkehr der Hochbahn, Straßenbahn und Alsterschiffahrt zu belassen und die anderweitige Benutzung tunlichst zu vermeiden.

Die Schaffner und Kassen sind angewiesen, auf wertbeständiges Geld wertbeständige Fahrmarken herauszugeben, wenn es gewünscht wird
.

Ernst Kipnase schrieb zur Einführung der Goldmark als Rechnungseinheit:[22]

Als Anfang Oktober 1923 der Handel dazu überging, für die Waren einen unveränderlichen Grundpreis zu setzen, der alsdann mit einem amtlichen festgesetzten, dem Dollarwechselkurs der Reichsmark entsprechenden Multiplikator vervielfacht wurde, war auch für die HHA die Rückkehr zum Friedensfahrpreis gegeben. Vom 1.November 1923 ab galten wieder die Einzelfahrpreise von 10, 15 und 20 Pf., die alsdann mit dem amtlich herausgegebenen Multiplikator vervielfacht wurden.

Inzwischen kamen die „wertbeständige” Mark, Dollarschatzanweisungen, Verrechnungsanweisungen der Hamburgischen Bank von 1923 und die Rentenmark in den Verkehr.
Bild: Die wertbeständige Wertmerke der HHA für 1 GoldpfennigFoto links: Die Hochbahn benötigte wertbeständige Wertmarken, um bei den Fahrkarteneinkäufen ihrer Fahrgäste mit wertbeständigen Zahlungsmitteln auch wertbeständiges Wechselgeld herausgeben zu können.

Nur etwa 3 Wochen lang, vom 17.10.1923 bis zum 8.11.1923, war laut Herrn Klaus Britsche die wertbeständige Wechselmarke für einen Goldpfennig der HHA gültig.[40] Der Hersteller der im Foto gezeigten Beschriftung setzte die Gültigkeit mit 1923/1924 an.


Beim Hochbahnbetrieb erfolgte am 23.11.1923 eine besondere Änderung. Vor diesem Tag waren die beiden Haltestellen Landungsbrücken und Baumwall für durchfahrende Fahrgäste keine für den Tarif gültigen Stationen. Nun galten sie als Tarifhaltestellen.

Letztes Upload: 26.10.2017 um 18:37:47