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Inhaltsverzeichnis Hamburger U-Bahn

Die Linie U1 der Hamburger Hochbahn:
Ihre Haltestellen und Verzeichnis der Architekten

Die U1 in Hamburg So funktioniert es:

Den schwarzen, roten oder grünen Punkt bei der entsprechenden Station anklicken!

Bild: SymbolArchitekten
Bild: Historische Zuglaufschilder der U1 (4.12.2011)Foto links: Zuglaufschilder für T-Wagen der 1. bis 13. Lieferung aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis zur Ausmusterung der T-Wagen. Die letzten T-Wagen gingen 1970 außer Betrieb. Die Wagen trugen außen vor dem Fahrerstand einen Schildersteckkasten mit einem Vorrat an Zuglaufschildern. (Foto aufgenommen im Nahverkehrsmuseum Kleinbahnhof Wohldorf am 4.12.2011).

Die Hamburger Hochbahn benutzt überwiegend Mittelbahnsteige, d.h. die Bahnsteige liegen zwischen den beiden Richtungsgleisen.

Zur U1 gehören die beiden Streckenteile „Langenhorner Bahn” und „Walddörfer Bahn”. Beide wurden gebaut, um der Abwanderung von Steuerzahlern in das preußische Umland entgegenzuwirken. Mit der 1907 erfolgten Elektrifizierung der „Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn” setzte eine spürbare Abwanderung steuerstarker Hamburger Einwohner in das nun besser per Stadtbahn erreichbare preußische Gebiet zwischen Altona und Blankenese ein.



Stichstrecke nach Ohlsdorf und Langenhorner Bahn

Die Stationen Alsterdorf und Lattenkamp der Ohlsdorfer Stichstrecke von Kellinghusenstraße nach Ohlsdorf wurden schlichter gebaut als die Stationen der Ringstrecke aus der gleichen Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Ein wenig aufwändiger wurde damals die Haltestelle Hudtwalckerstraße und der damalige Endbahnhof Ohlsdorf errichtet.

Die Stichstrecke nach Ohlsdorf wurde im Dezember 1914 eröffnet. Seit 1913 wurde an der Strecke von Ohlsdorf nach Ochsenzoll gebaut. 1916 wurden wegen des Krieges die Bauarbeiten unterbrochen.

Am 5.Januar 1918 begann ein provisorischer Betrieb zwischen Ohlsdorf und Ochsenzoll. Die Berliner Tiefbaufirma Julius Berger AG (sie hatte u.a. für die Strecke die Erdarbeiten ausgeführt) erhielt den Auftrag, mit ihrer Dampflok die Strecke zu befahren. Eine Dampflok bewegte zwei alte Personenwagen 4-mal täglich auf dem Gütergleis zwischen Ohlsdorf und Ochsenzoll. Einen Monat später wurde eine zweite Dampflok ergattert, so dass die Zugfrequenz verdoppelt werden konnte. Für diesen provisorischen Betrieb hielten die Züge nur in Ohlsdorf, Fuhlsbüttel, Langenhorn (jetziger Name: Langenhorn Markt) und Ochsenzoll. Die bereits fertiggestellten sonstigen Haltestellen Langenhorn Süd (jetziger Name: Fuhlsbüttel Nord) und Langenhorn Nord blieben geschlossen, denn dort wohnte kaum jemand. Auch die Haltestelle Klein Borstel blieb geschlossen. Ihr Bau wurde im August 1920 abgeschlossen.[50, Seite 44]

Für die ursprünglichen Stationen der Langenhorner Bahn zeichnete der damalige Baudirektor Sperber verantwortlich.[50, Seite 42]

Der elektrische Betrieb nach Ochsenzoll wurde am 1.Juli 1921 aufgenommen.



Kellinghusenstraße - Jungfernstieg

Die Streckenerweiterung von der Kellinghusenstraße zum Jungfernstieg ging in drei Etappen in Betrieb: 1929 bis zum Stephansplatz, ab März 1931 zur provisorischen Endstation Jungfernstieg und ab Ende 1934 zur endgültigen Endstation Jungfernstieg. Vergleiche:  i Die Entstehung der Kelljunglinie.



Nach Wandsbek
Der Streckenverlauf durch Wandsbek

Erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verlängerung der Strecke von Jungfernstieg aus über die Innenstadt und Wandsbek nach Wandsbek-Gartenstadt in Etappen erbaut. Ab Wandsbek-Gartenstadt wurde die Linienführung der Walddörferbahn nach Ohlstedt und Großhansdorf über Volksdorf übernommen.

Die Strecke ab Hauptbahnhof-Süd bis Wandsbek-Gartenstadt ist 7,5 km lang und mit 8 Haltestellen ausgestattet. Somit liegen die Haltestellen im Durchschnitt 780 m auseinander. Fast die gesamte Strecke verläuft in Tunneln unterhalb von Straßen.

Ab der Haltestelle Hauptbahnhof-Süd folgt der Tunnel für etwa 300 m der Konrad-Adenauer-Allee und biegt dann nach Nordosten ab, um kurz vor der Haltestelle Lohmühlenstraße in den Verlauf des Steindamms einzuschwenken.

Der Tunnel folgt weiter den Verläufen von Lübeckertordamm, Lübecker Straße, Wandsbeker Chaussee und Wandsbeker Marktstraße. Am Wandsbeker Markt biegt die Tunnelstrecke in die Wandsbeker Allee Richtung Nordwesten ein. Sie folgt dem Straßenverlauf weiter durch die Nordschleswiger Straße. Hinter der Haltestelle Alter Teichweg biegt sie nach Nordwesten ins Tal des Flüsschens Osterbek, steigt an die Oberfläche bis auf Dammhöhe und mündet bei der Haltestelle Wandsbek-Gartenstadt in die Walddörferbahn ein.

Der Bau der Strecke durch Wandsbek

Der Bau der Strecke ging von Hauptbahnhof-Süd aus. Er begann bereits vor Inbetriebnahme der Haltestelle Hauptbahnhof-Süd (eröffnet für diese Linie am 2.10.1960) am 1.8.1959.

Tatsächlich erfolgte bereits im August 1957 eine Bauvorleistung. Eine Senatsvorlage vom 22.5.1957 sah vor, im Bereich Lübeckertordamm versuchsweise 160 m Tunnel aus vorgefertigten Stahlbetonröhrensegmenten zu bauen. Ab August 1957 wurden die 36 t schweren Segmente mit Straßenrollern angeliefert und per Kran in die Baugrube eingesetzt. Dies Verfahren ermöglichte ein schnellere Bauweise. Es wurde aber nicht weiter angewendet, da es mit zu hohen Kosten verbunden war.[123,Seite 68f]

Kurioserweise war 1957 noch nicht entschieden, ob die Strecke nach Wandsbek oder nach Billstedt führen sollte. Erst im Dezember 1958 entschied man sich für Wandsbek.[5,Seite 49] Somit konnte der versuchsweise gebaute Tunnel aus Fertigteilen tatsächlich genutzt werden!

Die Straßenbahnlinien 3, 5 und 16 wurden wegen des Baus aus der Wandsbeker Chaussee verbannt. Der Wandsbeker Zweig der Linie 5 wurde mit dem 2.9.1959 komplett eingestellt. Die Linien 3 und 16 wurden ab dem 2.9.1959 auf teilweise neu gebauten Gleisen über Angerstraße/Conventstraße umgeleitet.

Die Tunnelbaustellen fraßen sich entlang der Wandsbeker Chaussee weiter in Richtung Norden vor. Das hatte zur Folge, dass ab dem 2.10.1960 keine Straßenbahn mehr über die Wandsbeker Chaussee nach Wandsbek fuhr. Die Fahrgäste nach Wandsbek stiegen nun am Hauptbahnhof in Busse um.[5,Seite 50]

Statt der Straßenbahnlinie 3 fuhren ab jetzt die neuen Buslinien 64 und 164 vom Hauptbahnhof nach Tonndorf. Statt der Straßenbahnlinie 16 fuhren nun die Busse der Linien 63 und 163 vom Hauptbahnhof nach Jenfeld.

Die Straßenbahnlinie 16 steuerte ab dem 2.10.1960 mit Farmsen (Trabrennbahn) ein neues Ziel auf ihrem östlichen Zweig an. Gleichzeitig erhielt die Straßenbahnlinie 3 mit Lattenkamp ein weiter westlich gelegenes neues Ziel (vergl.  i Straßenbahnlinienchronik) bei Linie 3 und Linie 16).

Der letzte Teil der neuen U-Bahn-Strecke bis Wandsbek-Gartenstadt wurde am 4.8.1963 in Betrieb genommen.

Experimente im Zusammenhang mit der Strecke durch Wandsbek

Zwischen Ritterstraße und Wandsbeker Chaussee wurde versuchsweise auf etwa 400 m Länge das stadteinwärtige Gleis ohne Schotterbettung verlegt. Es sollte der schotterlose Oberbau untersucht werden. Er ist für Tunnelstrecken besonders interessant, denn ohne Schotter und ohne Schwellen könnte man 30 cm Tunnelhöhe einsparen. Die Schienen waren in Gummi gelagert und somit gedämpft über eine Stahlplatte mit der Betonsohle des Tunnels verbunden. Es zeigte sich, dass die Vibrationen nicht ausreichend gedämpft wurden.[28,Seite 88]

Beim Bau der sonstigen Tunnelstrecke wurden hinsichtlich der Betonverarbeitung damals neue Verfahren angewendet:

  • Der Beton wurde nicht mehr auf der Baustelle zubereitet, sondern verarbeitungsfertig angeliefert (Transportbeton).
  • Statt der Verschalung mit Holzbrettern wurden große Schaltafeln verwendet. Wenn möglich, waren sie so konstruiert, dass sie nach Aushärten des Betons zum nächsten Bauabschnitt verfahren werden konnten. Gemeint sich Schalwagen, transportable Einheiten beim Gleitbauverfahren zur Herstellung einer Stahlbeton-Schalung.


Walddörferbahn

Mit dem Bau der Walddörferbahn wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg begonnen. Die Inbetriebnahme erfolgte kriegsbedingt erst am 12.9.1918 nach Ohlstedt und am 5.11.1921 nach Großhansdorf. Alle Haltestellen der Walddörferbahn wurden von dem Architekten Eugen Göbel entworfen. Alle Zugangsgebäude mit Ausnahme von Volksdorf und Kiekut sind im Heimatstil zweigeschossig gestaltet und aufwändig ausgeführt, da man eine gehobene Wohnbebauung erwartete.

Bei den Stationen der Walddörferbahn habe ich unterschiedliche Angaben über die ehemaligen Stationsnamen und die Eröffungstermine gefunden. Ich habe mich deshalb entschlossen, die Eröffungstermine aus der Broschüre Achilles/Elsner/Oetzmann: Die elektrische Kleinbahn Altrahlstedt - Volksdorf - Wohldorf und ihre Nachfolger, Hamburg 2004, zu übernehmen.

Ein wenig abseits steht die Station Beimoor.

Die gesamte Walddörferbahn war schon einmal zweigleisig schrieb Egbert A. Hoffmann in seinem Artikel „Zweigleisig nach Ohlstedt” (Hamburger Abendblatt vom 3.8.1954, Seite 3). Auf den beiden Streckenästen nördlich von Volksdorf wurde jedoch anfänglich nur ein Gleis in Betrieb genommen. Laut dem Zeitungsartikel ließ Mitte der 1920er die Stadt Hamburg die bereits verlegten zweiten Gleise nördlich von Volksdorf wieder abbauen und verkaufte die Schienen.

Nachfolgend die Streckeninbetriebnahme der Walddörferbahn in Tabellenform:

StreckeDatum der Eröffnung oder Stilllegung
Barmbek-Ohlstedt12.9.1918 Dampfbetrieb eingleisig
28.7.1919 Betrieb eingestellt
Barmbek-Volksdorf6.9.1920 eingleisig elektrisch
Volksdorf-Großhansdorf5.11.1921 eingleisig elektrisch
Barmbek-Volksdorf20.5.1923 zweigleisig elektrisch
Volksdorf-Ohlstedt1.2.1925 eingleisig elektrisch
Hoisbüttel-Ohlstedt10.5.1927 zweigleisig elektrisch
Volksdorf-Buchenkamp15.7.1935 zweigleisig elektrisch
Volksdorf-Hoisbüttel26.10.1954 zweigleisig elektrisch. Laut einem Artikel im „Hamburger Abendblatt” vom 18.10.1954 erfolgte die Inbetriebnahme des zweiten Gleises bereits am 17.10.1954.

Architekten (Liste nicht vollständig)

Bei einigen Haltestellen ist mir der Name des bzw. der Architekten nicht bekannt.
  • Richtweg, Gestaltung vom Architektenbüro Rintz, Baas, Schulte (Hamburg)[99, Heft 1/1996]
  • Norderstedt-Mitte: Adelheim und Dittmer (Hamburg)[99, Heft 1/1996]
  • Ochsenzoll, verantwortlich Baudirektor Sperber, 1921
  • Langenhorn Nord, verantwortlich Baudirektor Sperber, 1921
  • Langenhorn Markt, verantwortlich Baudirektor Sperber, 1921
  • Fuhlsbüttel Nord, verantwortlich Baudirektor Sperber, 1921
  • Flughafenstraße, verantwortlich Baudirektor Sperber, 1921
  • Fuhlsbüttel, verantwortlich Baudirektor Sperber, 1921
  • Klein Borstel, verantwortlich Baudirektor Sperber, 1920
  • Ohlsdorf, Architekt 1906: Eugen Göbel (Friedhofsseite), 1914: Henry Grell (Ausgang zur Straße „Im Grünen Grunde”)[50, Seite 42], etwa 2000(?): trapez architektur. Hinweis: Die Zuordnung zwischen Göbel und Grell wird in der Literatur auch umgekehrt angegeben. Die Zuordnung Henry Grell (Friedhofsseite) und Eugen Göbel (Ausgang zur Straße „Im Grünen Grunde”) scheint seltener genannt zu werden.
  • Alsterdorf, Architekten 1914: Volz und Vogel (Siemens- und AEG-Bauverwaltung)
  • Lattenkamp, Architekten 1914: Volz und Vogel (Siemens- und AEG-Bauverwaltung)
  • Hudtwalckerstraße, Architekten 1914: Volz und Vogel (Siemens- und AEG-Bauverwaltung)
  • Kellinghusenstraße, Architekten 1912: Raabe & Wöhlecke, Fußgängerbrücke am Südende der Bahnsteige 1931: Walther Puritz
  • Klosterstern, Architekt Bahnsteighalle 1929-1930: Walther Puritz, Architekt Zugang Rothenbaumchaussee: Karl Schneider, Rückbau und Renovierung 1986: Grundmann und Rehder
  • Hallerstraße, Architekt 1929: Karl Schneider, Umbauten 1995-1996: Grundmann + Hein, südlicher Eingang 2000: Bothe + Richter + Teherani
  • Stephansplatz, Architekten 1929: Distel & Grubitz, Umbauten 1973: Holthey & Körber
  • Jungfernstieg, Architekten 1929: Distel & Grubitz, Architekt 1975: Fritz Trautwein
  • Meßberg, Architekt 1960: Hans Christoph Rübcke
  • Steinstraße, Architekten 1960: Schramm + Elingius
  • Hauptbahnhof Süd, Architekten 1960: Sandtmann & Grundmann
  • Lübecker Straße, Architekten 1912: Raabe & Wöhlecke, 1961: Sandtmann & Grundmann
  • Ritterstraße, Architekten 1961: Sandtmann & Grundmann
  • Wandsbeker Chaussee, Architekt 1960: Fritz Trautwein
  • Wandsbek Markt, Architekten 1960: Schramm + Elingius (Bus-Umsteigeanlage: Heinz Graaf), 2001 bis 2003 Umbau der Umsteigeanlagen: Grundmann + Hein
  • Alter Teichweg, Architekt 1963: Fritz Trautwein
  • Trabrennbahn, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Farmsen, Architekt 1918: Eugen Göbel, 1996: Friedhelm Grundmann
  • Berne, Architekt 1918: Eugen Göbel, 1966: Horst Sandtmann
  • Meiendorfer Weg, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Volksdorf, Architekt 1918: Eugen Göbel, 1998 Renovierung einschießlich Rückbau der Schalterhalle in die ursprünglichen Abmessungen: Arch. Lehmann und Partner, Inh. Gielen und Pein
  • Buckhorn, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Hoisbüttel, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Ohlstedt, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Buchenkamp, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Ahrensburg West, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Ahrensburg Ost, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Schmalenbeck, Architekt 1918: Eugen Göbel
  • Kiekut, Architekt 1918: Eugen Göbel(?)
  • Großhansdorf, Architekt 1918: Eugen Göbel
Eine Web-Darstellung wird anders gelesen als ein Buch. Im Vergleich zu einem Buch enthält sie weniger Informationen und die Darstellung von Bildern leidet unter der geringen Pixeldichte des Bildschirmes. Falls Sie sich für die Architektur der Bahnbauten in Hamburg interessieren, empfehle ich die Anschaffung der folgenden Bücher:

Anne Frühauf: Die Bauwerke des Schienenverkehrs in Hamburg, Hamburg 1994 und
Hamburger Hochbahn AG: Stationen Hamburger Architektur, Hamburg 2008

Über den in Hamburg tätigen Oberbaurat Eugen Göbel (*20.09.1875 Reinbach/Hessen; † 30.01.1937 Hamburg laut http://www.kmkbuecholdt.de/historisches/personen/architekten_go.htm - Stand März 2010) existieren im Internet praktisch keine Informationen.

Für die U-Bahn gilt die Betriebsordnung Straßenbahnen (BOStrab). Diese kennt keine Bahnhöfe, sondern nur Haltestellen. Hiervon abweichend, betrachte ich U-Bahn-Haltestellen mit Weichen als Bahnhöfe. Bei der Eisenbahn ist ein Bahnhof eine Bahnanlage mit mindestens einer Weiche. Hier beginnen, enden, kreuzen, überholen oder wenden Züge.


Letztes Upload: 15.04.2017 um 14:57:18