Home

Inhaltsverzeichnis Hamburger U-Bahn

Hamburger Hochbahn:
Architektonische Strömungen (Beispiele von Stationen der Hamburger U-Bahn)

Die Anregung zu dieser Webseite war ein Poster der Ausstellung „Hochbahn-Bauten im Wandel der Zeit”.

Die Ausstellung wurde von Studenten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Hochbahn vom 1. bis zum 16. September 2004 in der Diele des Rathauses zu Hamburg gezeigt.

Ich habe die Beispielsammlung um einige zusätzliche Beispiele und Erklärungstexte erweitert. Weiterhin habe ich den Heimatstil hinzugefügt, da er bei den Stationen der Walddörferbahn vorherrscht - viele Haltestellen der Hochbahn entstanden kurz vor dem Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit trafen die Stilrichtungen Historismus, Jugendstil und Heimatstil aufeinander. Auch wenn der Jugendstil in der Tabelle nicht enthalten ist, sind seine Elemente an einigen Haltestellen der Ringlinie noch heute (2009) zu entdecken.

Ich habe mit den Definitionen der Strömungen Konstruktivismus, Technisches Bauen und Funktionalismus Schwierigkeiten. Technisches Bauen ist immer funktionsgerecht, Konstruktivismus ist ebenfalls immer funktionsgerecht. Die Unterschiede scheinen mir der Zeitraum und somit die verwendeten Materialien und deren Gestaltungsmöglichkeiten zu sein.

Folgende Erkenntnis hat sich bei mir eingeprägt:

  • Eine wirklich exakte Wissenschaft scheint die Stilkunde in der Architektur nicht zu sein.
  • Die Übergänge zwischen den Stilen sind fließend.
  • Zumindest als Laie sollte man die Zuordnung von Baustilen zu ausgeführten Gebäuden nicht allzu streng sehen!
Architek-
tonische
Strömung
Zeitraum Hinweise Beispiele
Historismus Bis zum
1.Weltkrieg
Historismus ist ein Sammelbegriff für Architekturformen aus der Zeit von etwa 1860 bis 1910. Sie basieren auf älteren klassischen Stilformen wie Klassizismus, Neogotik, Neorenaissance, Neobarock, Neoromanik und Neoklassizismus. Die Vorsilbe „Neo...” ist griechisch und bedeutet „Neu...”

Klassische Stilformen und edle Materialien: Zunächst kopierte man historische Kunstformen. Später wurden die alten Kunstformen kombiniert, variiert und mit neuen Inhalten gefüllt.

 i Kelling-
husenstraße
Reform-
architektur
Wiederaufnahme norddeutscher Bauformen in Stil und Material. Damit sollte Historismus und Jugendstil überwunden werden, um ein modernes und repräsentatives Erscheinungsbild zu schaffen. Die so errichteten Gebäude waren in der Regel aus Naturstein gebaut und verfügten über keramische Wandgestaltungen und schmiedeeiserne Treppengeländer.  i Mundsburg
Technisches
Bauen
Vom Industriebau übernommen. Sichtbar belassene Stahlkonstruktion  i Baumwall,
 i Rödingsmarkt
Heimatstil Einfach, eher behäbig, hohe Walm- und Satteldächer, materialgerechte Konstruktion, nur wenig Verzierungen, waagerecht gegliederte Sprossenfenster.  i Ahrensburg Ost,
 i Buckhorn
Neues Bauen Zwischen
dem 1. und
2.Weltkrieg
Teil eines sich entwickelnden internationalen Stils (Bauhaus) nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland. Durch ihn wurde der Funktionalismus zum vorherrschenden Prinzip in der Architektur.

Schmucklose Flachbauten, kompromisslos modern

 i Zugangspavillon
Stephansplatz
,
 i Unterwerk
Stephansplatz
Fünfziger
Jahre
Nach dem
2.Weltkrieg
Leicht scheinend, hell und luftig  i Borgweg,
 i Feldstraße
Funktiona-
lismus
Im Funktionalismus bestimmt die Idee der Funktion das Gebäude: Die Form folgt der Funktion. Dadurch soll eine maximale Wirtschaftlichkeit erreicht werden. In dieser sachlichen Architektur wurde auf überflüssige Repräsentationsräume und Dekoration verzichtet. Die Gegenströmungen zum Funktionalismus sind Postmoderne und Dekonstruktivismus.  i Schlump
Post-
moderne
bis heute Postmoderne ist eine ab den 1960ern einsetzende Gegenbewegung zum strengen Funktionalismus zugunsten einer spielerischen Wiederaufnahme traditioneller bzw. historisierender Architekturformen wie Erker, Säulen und Bögen. So werden die Formen der modernen Architektur mit den Formen der früheren Architektur verbunden. Der Begriff Postmoderne für diese Art der Architektur wurde 1975 eingeführt.

Laut dem Duden in der 23.Auflage ist dieser aus dem Englischen übernommene Begriff umstritten. Der Duden beschreibt ihn als Bezeichnung verschiedener Strömungen der gegenwärtigen Architektur, der Kunst und der Kultur.

 i Norderstedt
Mitte
Konstruk-
tivismus
Der Konstruktivismus kam in den 1920ern aus der Sowjetunion nach Westeuropa. Die Architektur soll sich auf die unbedingt notwendigen funktionalen Elemente reduzieren und ausschließlich durch die Konstruktion dominiert werden.

Funktionsbestimmtes Bauen, sichtbare Konstruktion bestimmt die Architektur.

 i Südeingang
Hallerstraße
Dekonstruk-
tivismus
Dekonstruktive Architektur ist durch sich überschneidende, unterbrochene und abgeschrägte Formen gekennzeichnet. Dadurch entsteht ein Eindruck von Destabilisierung und scheinbarer technischer Unmöglichkeit. Eine überraschende Materialverwendung und die ungewohnten Formen lassen den Betrachter erstaunen.

Auflösung starrer Konstruktionen durch überraschende Effekte.

 i St. Pauli

Letztes Upload: 12.10.2016 um 19:10:58