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Liniengrafik U1

Richtung Norderstedt

Richtung Volksdorf

Die Linie U1 der Hamburger Hochbahn:
Ochsenzoll

Bild: Hochbahn-Station Ochsenzoll
Eine der Straßen in der Nähe der ehemaligen Endstation Ochsenzoll hat den passenden Namen der Gegenpartei: Schmuggelstieg. Man gelangt zum Schmuggelstieg, indem man vom Bahnsteig aus durch den Straßentunnel zur anderen Seite der Langenhorner Chaussee geht. Schaut man sich um und blickt zum Bahnsteig zurück, hat man den Anblick, den das Bild vermittelt: Steriler geht es nicht!
Die Station Ochsenzoll wurde am 5.1.1918 für den provisorischen Dampfbetrieb eröffnet. Die Eröffnung für den elektrischen Betrieb erfolgte am 1.7.1921.

Das ursprüngliche Zugangsgebäude wurde 1963 abgerissen. Die Haltestelle wurde tiefergelegt, damit die Gleise die Langenhorner Chaussee unterqueren konnten. Auf der anderen Straßenseite wurde eine Kehranlage mit drei Abstellgleisen eingerichtet.

Bild: Hochbahn-Station Ochsenzoll, Zugang Weststeite Langenhorner Chaussee
Ein neues Haltestellengebäude - eher ein Pavillon - wurde am 18.9.1964 in Betrieb genommen.[99,Heft 3/1964] Wohl aus der gleichen Zeit stammt die Fußgängerunterquerung der Langenhorner Chaussee. Das Foto oberhalb zeigt den anderen Zugangspavillon auf der Westseite der Langenhorner Chaussee am 4.4.2011.
Bild: Ochsenzoll, Gleisunterführung unter der Langenhorner Chaussee
Vom Bahnsteig aus fotografiert: In der Unterführung ist das Gleis nach unten gewölbt. Rechts im Bild ist noch ein alter Prellbock und ein stillgelegtes Gleis des ehemaligen Güterbahnhofs Ochsenzoll zu sehen.
Bild: Abstellanlage Ochsenzoll
Der Bahnhof Ochsenzoll besitzt zwei Abstellanlagen - eine große vom Bahnhof aus in Richtung Innenstadt, die andere kleinere in Richtung Norderstedt. Das Foto zeigt die kleinere Kehr- und Abstellanlage (in Richtung Norderstedt) am 26.5.2017. Der fahrende Zug links im Foto fährt in Richtung Garstedt/Norderstedt. Die beiden abgestellten DT4-Züge sind jeweils 2 Garnituren lang und haben somit jeweils 120 m Länge. Die Perspektive lässt sie auf dem Foto kürzer erscheinen. Im Hintergrund des Fotos ist die Überbrückung der Langenhorner Chaussee über die beiden Hochbahngleise und über die Fußgängerunterquerung sichtbar.

Am 15.10.1948 war Baubeginn der Alsternordbahn (ANB) zwischen Ochsenzoll und Ulzburg Süd. Man hat sehr lange daran gebaut, denn erst am 17.5.1953 erfolgte die Eröffnung der Strecke.

Die Hochbahn verlängerte sich dann immer mehr entlang der Strecke der ANB nach Norden- gleichzeitig verkürzte sich das südliche Ende der ANB. Am 1.6.1969 wurde die Verlängerung der Hochbahnstrecke von Ochsenzoll bis Garstedt in Betrieb genommen. Vorher war, wie Gert Hagemann in der Juli-August-Ausgabe 1967 der Zeitschrift 'moderne eisenbahn' schrieb, der Endbahnhof Ochsenzoll eine Kuriosität sondergleichen. Hier bestand damals eine Gleisverbindung zwischen der Hochbahn und der Bundesbahn mit ihrem Ochsenzoller Güterbahnhof. Auf der gegenüberliegenden Seite der Langenhorner Chaussee befand sich die Endstation der von der AKN (Eisenbahngesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster) betriebenen Alsternordbahn. Zwischen der AKN und den Anlagen auf der anderen Straßenseite gab es keinerlei Gleisverbindung.

Güterstrecke Ohlsdorf - Ochsenzoll

Mit dem ersten Personenverkehr auf der Strecke Ohlsdorf - Ochsenzoll am 5.Januar 1918 begann auch der erste Güterverkehr auf dieser Strecke. Er wurde ebenfalls zunächst von der Tiefbaufirma Julius Berger AG mit Dampf durchgeführt. Im Mai 1925 übernahm die HHA den Güterverkehr. Sie elektrifizierte 1926 die Strecke mit einer Fahrleitung. Die Fahrleitung wurde mit 750 Volt Gleichspannung versorgt. Es handelte sich um die Stromversorgung, die ebenfalls die Stromschiene der U-Bahn speiste. Normale Güterwagons können jedoch nicht auf den Hamburger U-Bahn-Gleisen fahren, da die Stromschiene mit dem Wagonprofil ins Gehege kommt.

Die HHA verwendete in Ochsenzoll und für die Güterstrecke zwischen Ohlsdorf und Ochsenzoll zwei 1926 und 1927 gebaute 172 kW starke Speziallokomotiven. Sie besaßen für den Rangierdienst Puffer, Schraubenkupplungen und zusätzlich Scharfenbergkupplungen. Auf dem Dach hatten sie einen versenkt angeordneten Scherenstromabnehmer und konnte somit auch die U-Bahn-Tunnel befahren. Auf U-Bahn-Gleisen benutzte sie normale Stromabnehmer.

Die 9,07 m langen Lokomotiven sahen anfänglich mit ihrem Mittelfahrerhaus ähnlich aus wie die  i Lokomotive Bo-Bo No1 der North Eastern Railway. Später (wann genau?) wurden die beiden Lokomotiven der HHA umgebaut. Das sich in der Mitte befindliche Fahrerhaus verlor seine Funktion, die beiden Lokomotiven erhielten bis an die Enden durchgezogenen Aufbauten und Fahrerstände an beiden Enden.

Zusätzlich beschaffte die HHA zwei Güterwagen. Die beiden Güterwagen wurden nachträglich mit Fahrerständen ausgerüstet.

Der Betrieb dieser Güterstrecke ging am 1.Mai 1938 auf die Reichsbahn über. Diese baute auf der Strecke bis fast vor den Ochsenzoller Güterbahnhof die Oberleitung ab. Die HHA durfte auf dem Güterbahnhof unter Oberleitung ein wenig rangieren- eine kuriose Situation! Der Rangierbetrieb unter Oberleitung endete 1966. Damit wurden auch die beiden Speziallokomotiven ausgemustert.

Noch 1990 wurden etwa 35 Güterwagen monatlich auf der Ochsenzoller Güterstrecke gefahren. Hauptkunde war die Hochbahn selbst, denn ihr Oberbaulager befand sich in Ochsenzoll. 1996 aber verlegte sie ihr Oberbaulager in den ehemaligen Güterbahnhof Ohlsdorf.[213, Seite 72]

Seit Oktober 1997 wird die Güterstrecke nicht mehr befahren. Die Natur erobert sich das Schienenbett mit seinen Gleisen, Schotter und Schwellen zurück! 2008 wurde die Natur hierbei kräftig unterstützt, denn die Gleise und ihre Bettungen wurden größtenteils entfernt. Im nördlichen Teil zwischen Ochsenzoll und Langenhorn-Nord sind noch Reste des Gleises zu sehen (Stand 4.4.2011).

Übrigens: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hat sich die Güterstrecke nie gerechnet.


Letztes Upload: 30.10.2017 um 09:37:51