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Zeittafel
(1842)

Hamburger
Personennahverkehr

Bahngeschichtliches aus Hamburg und Altona:
Die Hamburg - Bergedorfer Eisenbahn

Quellen für diesen Teil u.a.:
Anne Frühauf: Die Bauwerke des Schienenverkehrs in Hamburg, Hamburg 1994
Elsner/Heimann/Oetzmann: Verkehrsgeschichtliches aus Bergedorf, Hamburg 2003, VVM

1838 wurde in Hamburg das „provisorische Commitee der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn” gegründet. Es ist die Keimzelle der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn AG. Im gleichen Jahr erhöhte Dänemark die Zollabgaben für Waren auf dem Transitwege zwischen Hamburg und Lübeck. Wenn man jedoch den Umweg über Bergedorf nahm, konnte man Waren zwischen beiden Städten zollfrei befördern, denn dänisches Gebiet wurde dabei nicht berührt.

Mit der Projektplanung wurde der englische Ingenieur William Lindley (1808-1900) beauftragt. Er führte die Vermessungsarbeiten im August und September 1838 durch. Danach stellte er den Streckenplan und einen Kostenvoranschlag auf. So erhielt er den Auftrag, den Bau der Eisenbahn als leitender Ingenieur zu betreuen. Die Entwürfe für alle Bahnhofsgebäude übernahm Alexis de Chateauneuf (1799-1853).

1839 wurde das Enteignungsgesetz verabschiedet. Es kam zu 85 Enteignungen. Davon wurden 60 gerichtlich ausgetragen: 51 wurden durch Vergleich beendet, 9 durch rechtskräftige Entscheidungen.

Der Bergedorfer Bahnhof in Hamburg wurde auf dem Platz der Bastion Bartholdus, am jetzigen Deichtorplatz, gebaut. Die dabei abgetragene Erde wurde für den Bahndamm in Hammerbrook verwendet. Dies war der Beginn der Eindämmung und der städtebauliche Erschließung von Hammerbrook.

Der Bergedorfer Bahnhof in Hamburg wurde repräsentativ gestaltet. Die nach allen vier Seiten hin offene Schirmdachhalle von 80 Fuß Breite und 120 Fuß Länge erhielt ein Portal mit zwei Torbögen und zwei großen Türmen. Das Publikum konnte durch die Bögen von außen den Zugverkehr beobachten. Das wird besonders interessant gewesen sein, denn unmittelbar hinter den offenen Torbögen befanden sich die beiden Drehscheiben für die Lokomotiven.

Unmittelbar hinter dem Bahnhof, bis zum Mittelkanal reichend, wurde das Bahnbetriebswerk eingerichtet.

Bild: Alter Bahnhof Bergedorf
Bild: Alter Bahnhof Bergedorf Das „Cassen-Haus” in Bergedorf war erheblich bescheidener gestaltet. Es handelte sich um ein Haus aus Holz mit einem Glockenturm und der Bahnvorsteherwohnung. Die Glocke verkündete die Ankunft des Zuges. Die Reisenden konnten hier ihr Billett erwerben und Gepäck aufgeben. Das kleine Gebäude wurde 1990/92 erneuert. Es befindet sich in der Straße Neuer Weg 54 in Bergedorf.

Beim „Cassen-Haus” wurde ein zweigleisiger Wagenschuppen für zweimal zwei Wagen und ein über das Gleisdreieck erreichbarer Lokschuppen eingerichtet.

Weiterhin erbaute man beim „Cassen-Haus” das sogenannte italienische Viertel mit den Ausflugslokalen Frascati, Collosseum und Portici, denn man hoffte auf Ausflugsverkehr.

Die nur 14 km lange Strecke Hamburg - Bergedorf war zweigleisig trassiert, jedoch eingleisig verlegt. Die vier Lokomotiven der Anfangsausstattung wurden von Robert Stephenson & Co erworben. Sie hatten die Achsfolge 1A1-Lokomotiven und hießen: Berlin, Hannover, Hansa und Magdeburg. Später kam als fünfte Lokomotive die „Boizenburg” hinzu. Die 19 Personenwagen waren dreiachsig. Lindley hatte sie entworfen. Es gab zwei Wagenklassen. Wagen erster Klasse waren geschlossen, hatten Glasfenster und Polstersitze. Die Wagen zweiter Klasse hatten Gardinen vor den glaslosen Fenstern. Auch die beiden Raucherwagen gehörten zur zweiten Klasse. Sie waren vollständig offen.

Zur Erstausstattung gehörten 10 Güterwagen.

Die Bahnstrecke sollte am 7.Mai 1842 feierlich eröffnet werden. Jedoch bemerkte ein Nachtwächter am Himmelfahrtstag, den 5.Mai 1842 um 1 Uhr morgens, dass aus dem Haus Deichstraße 44 Rauch und Feuer aus Fenstern und Luken drang. Er schlug sofort Alarm, aber das Feuer war erheblich schneller und vernichtete bis zum 8.Mai ein Viertel Hamburgs. Die feierliche Eröffnung der neuen Eisenbahn fiel zunächst aus. Statt dessen evakuierte die noch nicht eröffnete Bahn Flüchtlinge aus Hamburg nach Bergedorf und brachte Hilfsmannschaften von Bergedorf nach Hamburg.

Die offizielle Eröffnung wurde am 16.5.1842 nachgeholt.

Das Bergedorfer Wochenblatt schrieb in der Ausgabe vom 29.5.1842 über die für den 7.Mai geplante Eröffnungsfahrt:

...bei Hamburg, wie bei Bergedorf, sollten Kanonen den Umwohnenden donnernd verkünden, dass die "Hansa" und die "Berlin" ihre gewaltige Triebkraft in Bewegung setzeten, dass sie damfbrausend gen "Frascati" und "Portici" rauscheten, mit all' den geschmückten Herren, den Sängern und Musikern in den eleganten Wagen hinter sich ...

Hamburg - Berlin

Mit der kurzen Bahnstrecke von Hamburg nach Bergedorf sollten die Vorzüge der Eisenbahn demonstriert und ein Anstoß zum Ausbau weiterer Strecken gegeben werden. Bereits 1840 äußerte man, dass diese Strecke ins Innere Deutschlands verlängert werden solle. Wohl deshalb war das Bahngebäude in Bergedorf kostensparend gebaut worden. Am 8.11.1842 wurde ein Staatsvertrag zwischen Dänemark, Hamburg, Lübeck, Mecklenburg-Schwerin und Preußen ratifiziert, der die Verlängerung nach Berlin vorsah. Im Juli 1843 wurde die Berlin-Hamburger Eisenbahngesellschaft gegründet, 1844 begann der Ausbau.

Das Kassenhaus in Bergedorf wurde nicht mehr für seine ursprünglichen Zweck benötigt, denn in Bergedorf wurde ein neues größeres Bahnhofsgebäude aus Stein an anderer Stelle errichtet. Die Streckenführung wurde entsprechend geändert.

Die Bergedorfer Eisenbahn verlegte auf ihrer Strecke ein zweites Gleis.

Die Strecke Hamburg-Berlin wurde am 15.12.1846 eröffnet. Zwei Monate vorher, am 15.Oktober, hatte man den erweiterten Bergedorfer Bahnhof in Hamburg feierlich als Berliner Bahnhof neu eröffnet.

Der Bergedorfer Bahnhof in Hamburg wurde 1844/1846 erweitert. Er erhielt er eine neue und größere Halle. Die neue freitragende Holzkonstruktion war -wie die alte Halle- 23,5 m breit aber beeindruckende 148 m lang. Die beiden Türme neben dem Portal wurden in ihrer Höhe mehr als verdoppelt. Vorher hatte der Bahnhof nur auf der Abfahrtseite ein Empfangsgebäude. Nach der Erweiterung hatte er entsprechende Baulichkeiten auch auf der Ankunftsseite: Gepäckausgabe, Warteraum und Büroräume. Auch die Betriebsanlagen in Hamburg wurden erweitert. Parallel zur Banksstraße wurden Anlagen für den Güterverkehr und ein Güterkanal gebaut. Die Erweiterungsarbeiten dauerten bis 1857.

Zwischen Hamburg und Bergedorf waren beschrankte Bahnübergänge mit dazugehörigen Bahnwärterhäuschen eingerichtet. Bei der Beschrankung handelte es sich um Pforten, die je nach Verkehrslage entweder die Straße oder die Bahnlinie sperrten. Bei Bedarf hielten hier die Züge. Daraus haben sich die Stationen der jetzigen S-Bahn zwischen Berliner Tor und Bergedorf entwickelt.


Der große finanziellen Erfolg blieb der Hamburg Bergedorfer Eisenbahn verwehrt. An Werktagen reichte ein einziger Personenzug, der vier- bis fünfmal hin- und herfuhr. An Sonntagen mit gutem Wetter kam etwas Ausflugsverkehr hinzu. Der Güterverkehr blieb bescheiden, denn die Bauern nutzten weiterhin den Wasserweg, um ihre Produkte nach Hamburg zu schaffen.

Am liebsten wäre es der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn-Gesellschaft gewesen, wenn die Hamburg-Berliner Bahn sie übernommen hätte. Dazu kam es jedoch nicht. Die Berliner Bahn pachtete die Infrastruktur der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn. Die praktische Abwicklung der Pacht führte häufig zu Reibereien zwischen beiden Bahngesellschaften. 1855 begann die Stadt Hamburg mit der Verstaatlichung der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn-Gesellschaft. Erst 1870 war diese Verstaatlichung abgeschlossen. 1883 übernahm der Staat Preußen beide Bahngesellschaften. Ab 1886 gehörte die Strecke Berlin - Hamburg zur Königlich Preußischen Eisenbahn-Verwaltung.


Letztes Upload: 15.04.2017 um 14:40:42