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Straßenbahnfahrscheine

Der TIM-Drucker
(Teil 1)

Sambawagen - Straßenbahnen
in Hamburg

Rund um die Fahrscheine der Hamburger Straßenbahnen:
Der TIM-Drucker (Ticket Issuing Machine, TIM), Teil 2

In Teil 1 wurden einige Aspekte des mit dem TIM-Drucker gedruckten Fahrscheins betrachtet. Auf dieser Seite geht es um den Drucker.
Bild: TIM-Drucker 2835, Frontseite
TIM-Fahrscheindrucker, Modell 12, mit vierstelligen Sortenzählwerken und einem sechsstelligen Gesamtzählwerk
Der Aufkleber im Stern der Wählscheibe des TIM-Druckers 2835 zeigt - auf dem Foto nicht lesbar - die Preise des HVV-Tarifs ab dem 1.1.1997 bis zum 23.5.1998. Demnach wurde der Drucker 1997/1998 außer Betrieb genommen.

Das Lieferantenetikett ist nicht mehr vollständig erhalten. Es verweist auf
Erich Neumann
Hamburg 1
Chilehaus C, Tel. 33 27 39

Die Firma Erich Neumann hatte im Bundesgebiet und West-Berlin die Generalvertretung für TIM-Fahrscheindrucker.

Die Handkurbel und die Wählscheibe lassen erkennen, dass der Drucker für Rechtshänder ausgelegt ist.

Bild: TIM-Drucker 2835, Rückseite
Die Rückseite des Druckers ist auffallend glatt gestaltet. Die Kanten sind abgerundet. Der Drucker konnte an einem über Schulter und Nacken geführten Tragegurt seitlich direkt unterhalb der Rippen über der Geldtasche getragen und bedient werden. Die glatte und kantenfreie Gestaltung des Gehäuses und ein Lederschutz sorgten für einen festen Sitz des Druckers und schützten die Kleidung des Schaffners.
Bild: TIM-Drucker 2835, Rückseite
Der Drucker in der von der HHA genutzten Ausführung konnte 12 Fahrkartenarten drucken. Deshalb hatte die Wählscheibe 12 Positionen.

Für jede Fahrscheinart ist ein eigenes Zählwerk vorhanden. Das Foto zeigt die Zählwerke für die mit den Anwahlen 5, 6, 11 und 12 gedruckten Fahrscheine sowie das Zählwerk über alle gedruckten Fahrscheine. Zum täglichen Dienstbeginn und täglichen Dienstende schrieb der Schaffner alle Zählerstände in einen Erfassungsbogen. Anschließend musste er multiplizieren und addieren, um den richtigen Geldbetrag für den täglich abzugebenden Geldbeutel zu ermitteln. Dazu steht in der entsprechenden Dienstanweisung der HHA (Ausgabe Mai 1963, Kapitel Fahrtausweisdrucker u.a.: Die Addition der in den einzelnen Preisstufen verkauften Fahrtausweise muß mit der Differenz zwischen Endzählerstand der Gesamtkarten und Anfangszählerstand der Gesamtkarten übereinstimmen, sonst liegt ein Rechenfehler vor. Es muß noch einmal nachgerechnet werden. Bei jedem Linienwechsel sind die Preisstufenzählerstände und der Gesamtzählerstand einzutragen.[154, Seite 53, unter: Abrechnung]

Das auf dem Foto rot erscheinende Teil links auf dem Foto ist der sogenannte Beinstift. Auch er wird in der Dienstanweisung genannt: Der Deckel auf der Unterseite des Druckers wird geöffnet. Die entsprechenden Druckräder sind mit dem Beinstift neu einzustellen. Die Verwendung von eisernen und metallenen Gegenständen sowie von Bleistiften und Kugelschreibern ist strengstens untersagt.[154, Seite 50, unter: Linie und Tag]

Der Beinstift sieht aus wie ein Bleistift ohne Mine. Er besteht aus Holz und ist 8 cm lang. Aus der Preisliste des Lieferanten vom 1.7.1969 geht hervor, dass er bei Einzelabnahme 0,60 DM pro Stück kostete. Aber es gab Mengenrabatt, z.B. ab 121 Stück waren es nur noch 0,47 DM pro Beinstift.

Es ist verständlich, dass das Personal sorgsam mit den TIM-Druckern umgehen sollte. Immerhin kostete jeder Drucker rund 785.- DM.[Willy Rieckhoff: Blick in die organisatorischen Einzelheiten und Investitionen, Zeitschrift Verkehr und Technik 1962, Heft 6, Seite 151]


Das Klischee (Druckplatte)
Bild: Klischee für den TIM-Drucker
Das Klischee hat rechteckige Aussparungen. In den Aussparungen werden die einstellbaren Teile des Druckbildes eingefügt
Zur Orientierung: Links auf dem Foto ist das Umsteigefeld mit seinem Hinweis auf die Beförderungsbedingungen. Es folgen Fahrpreisfeld, der Bereich mit Druckernummer, Tag, Liniennummer, laufender Fahrscheinnummer und „HHA”. Ganz rechts im Foto ist das Einstiegsfeld.

Zwei einmalige Besonderheiten weist das fotografierte Klischee auf: Statt „HHA” ist „Peter Martin” angegeben. Die Druckernummer ist hier eine 1.

Das Klischee ist 33 mm breit und abgwickelt nur 85 m lang. Der Fahrschein ist 100 mm lang. Das abgewickelte Klischee sollte genauso lang sein. Es ist jedoch 15 mm kürzer. Der Grund: Das Uhrzeitfeld wird nicht vom Klischee, sondern von der Druckwalze gedruckt.

Bild: Klischee für den TIM-Drucker Bild: Klischee für den TIM-Drucker
Umsteigefeld in normale AnsichtUmnsteigefeld in Spiegelschrift
In Spiegelschrift ist die Schrift auf dem Klischee besser zu lesen! Im Umsteigefeld lautet sie:

AUSGEGEBEN NACH DEN BEFÖRDERUNGSBEDINGUNGEN
(freier Raum für Stempelabdruck)
UHRZEIT


Beim Druck eines neuen Fahrscheins wird der Reihe nach gedruckt:
  • Das Fahrpreisfeld vom Klischee,
  • der Bereich mit Druckernummer, Tag, Liniennummer, laufender Fahrscheinnummer und „HHA” vom Klischee,
  • das Einstiegsfeld vom Klischee,
  • das Uhrzeitfeld von der Druckwalze,
  • das Umsteigefeld vom Klischee für den nächsten Fahrschein.
Nach dem Druck ist der Papierstreifen so weit vorgeschoben, dass die Abrisskante genau zwischen Uhrzeitfeld dieses Fahrscheins und Umsteigefeld des nächsten Fahrscheins steht.

Der erste Fahrschein einer jeden neuen Papierrolle wurde deshalb ohne Umsteigefeld ausgegeben! Und dieser Fahrschein war nur 85 mm lang.


Die Lizenz zum Fahrscheindruck ?
Mit dem TIM-Drucker konnte jedermann Fahrscheine drucken. Damit kein TIM-Drucker in falsche Hände gerät, wurden dem HHA-Personal besondere Verhaltensweisen auferlegt. Beispielsweise musste der Schaffner bzw. Fahrer beim Verlassen des Wagens den Drucker (umgehängt) mitnehmen, damit nicht Unbefugte Fahrtausweise anfertigen und so den Schaffner schädigen können. An Tagen, an denen der Drucker nicht benutzt wurde, war er mit dokumentierten Zählerständen im Schaffnerschrank aufzubewahren.[154, Seite 50, unter: „Verlassen des Wagens” und „Aufbewahrung der Drucker”]

Trotz solcher Verhaltensmaßnahmen sind einzelne Drucker im Laufe der Zeit verschwunden. Die betroffenen Druckernummern wurden in Sperrlisten dem HHA-Personal zur Kenntnis gegeben. Bei „Fahrgästen”, die Fahrscheine mit gesperrten Druckernummern verwendeten, sollte - ggf. mit polizeilicher Hilfe - die Personalien festgestellt werden. Außerdem sollte die Leitstelle benachrichtigt werden.


Letztes Upload: 23.09.2017 um 07:28:16