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Die Ringbahn um die innere Stadt (1911)

Sambawagen-
Straßenbahnen in Hamburg

Historische Postkarten mit Hamburger Straßenbahnen:
Mittelweglinie 1897-1900, Georgsplatz 1898, Trambahn in Bahrenfeld 1899,
Hamburg Altonaer Centralbahn 1898, Endhaltestelle Mühlenkamp 1910,
Graskeller etwa 1900

Mittelweglinie 1897 - 1900
Bild: Wagen 540 der Mittelweglinie zum Rathhausmarkt
Dies Bild ist ein Teil einer Postkarte vom Verlag & Lichtdruck v. Knackstadt & Näther aus Hamburg. Das Aufnahmedatum lässt sich relativ genau datieren. Der Wagen 540 wurde 1896 gebaut, aber erst 1897 begann man, die Richtungsschilder auf dem Plattformdach mit Laternen zu beleuchten. Die Mittelweglinie mit ihrem charakteristischen Dachzeichen „M” wurde am 2.9.1900 eingestellt. Sie wurde am 3.9.1900 mit einer anderen Linie zur Linie 19 „Kleiner Alsterring” mit einem ganz anderen Dachzeichen vereint.
Einige Hinweise zu dem Bild:
  • Die Dachlaternen waren etwas vor dem Richtungsschild auf dem Dach angebracht worden, um das Schild bei Dunkelheit zu beleuchten. Einige Scheiben waren auswechselbar. Hier wurden nach vorne und zur Seite hin farbige Scheiben eingesetzt. So konnten die wartenden Fahrgäste auch bei Dunkelheit aus größerer Entfernung erkennen, um welche Linie es sich bei der näherkommenden Straßenbahn handelt.

  • Das Fahrwerk des Triebwagens 540 wurde von der Firma Bergische Stahlindustrie zugekauft. Der Wagenaufbau wurde von Falkenried gefertigt. Diese Triebwagen wurden nach dem ersten Buchstaben des Fahrwerkherstellers „B-Wagen” genannt. Das Fahrwerk war aus Stahlprofilen zusammengenietet.

  • Der Beiwagen ist ein ehemaliger Pferdebahnwagen. Das helle Schild an seiner Seite weist ihn als „Raucher” aus.

  • Das Zielschild vorne und hinten auf dem Dach ist umklappbar. Wenn keine Fahrgäste mitgenommen werden sollten, wurde es waagerecht gestellt. Zusätzlich ist ein kleineres Zielschild an der Plattform befestigt. Man beachte die historische Schreibweise von „Rathhausmarkt”.

  • Die beiden seitlichen Dachtafeln mit dem Linienverlauf sind unterschiedlich beschriftet gewesen.
    • Rathhausmarkt / Mittelweg / Dorotheen=Str
    • Dorotheen=Str / Mittelweg / Rathhausmarkt
    Da es damals noch keine Kehrschleifen gab, wurde durch diese Art der Beschriftung auf der Einstiegseite der richtige Streckenverlauf angegeben. Auf der Nicht-Einstiegseite war der Streckenverlauf genau verkehrt herum. Das Bild zeigt den Zug von der Nicht-Einstiegseite.

Georgsplatz 1898
Bild: Der Georgsplatz in Hamburg St. Georg, Postkarte gelaufen 11.11.1898
Der Georgsplatz in Hamburg St. Georg, Postkarte gelaufen 11.11.1898
Der Verlag und Lichtdruck von Knackstedt & Näther hat diese Karte produziert. Auf ihrer Rückseite besagt ein Stempelabdruck „Sammlung Werner Oppermann”.

Das Dachzeichen des Straßenbahnmotorwagens verrät seine Linienführung: Es ist die der späteren Linie 10. Seine Fahrzielangabe nennt den „Pferdemarkt”, also den jetzigen Gerhart-Hauptmann-Platz. Auf der Originalkarte ist die Wagennummer zu entziffern: Es ist 869.

Horst Buchholz schreibt zu dieser Karte: ...im Hintergrund überquert ein Wagen der Ringbahn [26] die Kreuzung; ein weiterer Zug kommt aus der Ernst-Merck-Straße.[74, Seite 39] Wagen 869 wurde also kurz vor seiner Endstation in der Lilienstraße fotografiert.


Trambahn in Bahrenfeld 1899
Bild: Trambahn Bahrenfeld 1899
Dies Bild ist unterschrieben mit „Fig. 183. Hamburg-Altonaer Trambahn, Endstation der Linie Bahrenfeld”.

Ich konnte einen Abzug des Fotos über Ebay erwerben. Den Urheber des 1899 fotografierten Bildes habe ich nicht ermitteln können. In der mir bekannten Straßenbahnliteratur taucht das Bild dreimal auf. In einem Fall wird als Quelle ein verstorbener Sammler angegeben, im zweiten Fall fehlt eine Quellenangabe und im dritten Fall ermöglicht der abgedruckte Bildnachweis keinen eindeutigen Rückschluss auf den Besitzer. In allen Fällen wird der Urheber nicht angegeben. Falls jemand den Urheber oder die Stelle der ersten Veröffentlichung bezeichnen kann, wäre ich für eine Information dankbar!

1899 übernahm die SEG die Hamburg-Altonaer Trambahn mitsamt deren 82 Triebwagen. 80 der Triebwagen waren 1897 gefertigt worden, zwei weitere folgten 1899. Hergestellt hatte sie die Waggonfabrik W.C.F. Busch in Hamburg-Eimsbüttel.

Die Wagen waren über Puffer 8,48 m lang. Für damalige Verhältnisse waren sie mit zwei Motoren zu je 14,7 kW recht kräftig motorisiert. Die Wagen wurden Anfang der 1930er aus dem Liniendienst herausgenommen und überwiegend bis 1936 verschrottet. Einige wurden zu Arbeitswagen umgebaut und als Schleifwagen bis in die 1950er genutzt.


Hamburg Altonaer Centralbahn 1898
Bild: Hamburg-Altonaer Centrabahn Ges. (1898)
1978 verwendete die HHA das gleiche Foto für eine Postkarte. Es zeigt einen Straßenbahnzug der Hamburg Altonaer Centralbahn Gesellschaft (HAC). Der Zug besteht aus dem Triebwagen 78 und dem Beiwagen 123. Am Triebwagen wird auf den Fahrpreis von 10 Pfg. hingewiesen. Bei der Konkurrenz - gemeint ist die Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) hätte die Fahrt Zwischen Hamburg und Altona 15 Pfg. gekostet.

Viele der Bücher, die die Geschichte der Straßenbahn in Hamburg behandeln, zeigen dies Foto. Vermutlich wurde es 1896 fotografiert. Allerdings ist der Fotograf nicht bekannt. Möglicherweise hatte damals eine Firma den Fotografen beauftragt. Aber auch hier ist nicht bekannt, welche Firma es gewesen sein könnte. In Frage käme die Betreiberfirma (HAC) oder der Hersteller des Triebwagens. Aber auch hier ist nicht klar, ob der Triebwagen von Busch, von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A.G. (MAN) oder von der SEG (Falkenried) gebaut wurde. Die Angaben in den verschiedenen Büchern zum Hersteller sind widersprüchlich.

Das Foto bereichert u.a.:
[16, Seite 75] - [29, Seite 105] - [44, Seite 90] - [52, Seite 33] - [74, Seite 48]


Endhaltestelle Mühlenkamp etwa 1910
Bild: Endhaltestelle Mühlenkamp etwa 1910 (14.6.2013)

Die neue Straßenbahnlinie 35 nahm am 1.10.1909 den Betrieb zwischen dem Mühlenkamp in Hamburg-Winterhude und der Veddel auf. Die Linie vermied die Innenstadt: Sie verlief über Kuhmühle und Heidenkampsweg. Ab dem 18.12.1909 ging es über Veddel hinaus zur Schleife Klütjenfelder Straße und somit zum Freihafen.

An der Endstation Mühlenkamp hatte ein Fotograf etliche Fotos gefertigt. Sie alle zeigen Straßenbahnpersonal der Straßen Eisenbahn Gesellschaft (SEG) vor ihren Fahrzeugen. Alle diese Fotos sind offenbar aus der gleichen Perspektive aufgenommern worden. Sicher hatte der Fotograf ein Stativ verwendet!

Abzüge dieser Fotos gelangten in den Umlauf. Sie schlummern bei Sammlern und schmücken die Literatur über die Straßenbahn in Hamburg.

Zwei dieser Abzüge haben den Weg zu mir gefunden. Nun schmückt einer davon diese Webseite.

Das Straßenbahnpersonal ist anhand der Dienstnummern an den Mützen zu identifizieren. Von links nach rechts stehen neben dem Triebwagen die Träger der Mützen mit den Nummern 64, 1587, 1561 und 1695. Der auf dem Rammeisen sitzende Pendelschaffner trägt die Mütze mit der Nummer 710. Die Nummer des Fahrers fällt aus dem Rahmen: 4083.

Der Triebwagen hat Veddel - Freihafen geschildert. Am seitliche Laufschild auf dem Dach steht Freihafen - Veddel - Heidenkampsweg - Winterhude Mühlenkamp. Die Aufschrift „Mühlenkamp” ist in etwas kleinerer Schrift ausgeführt.

Der Fahrschalter des Triebwagens ragt zur Hälfte aus der Wagenplattform hinaus. Die Streckenlaterne vorne an der Plattform ist nicht angebracht, denn das Foto entstand zur Tageszeit.

Der Fotograf wird damals wirklich geschickt gewesen sein: Die Züge der Linie 35 fuhren alle 10 Minuten. Zur Hauptverkehrszeit fuhren sie sogar alle 5 Minuten. Innerhalb weniger Minuten musste er das Straßenbahnpersonal passend aufgestellt bekommen, das Foto oder die Fotos schießen und seine Gerätschaften für die nächste Straßenbahnbesatzung bereitmachen. Vermutlich verwendet er eine Kamera mit lichtempfindlichen Platten und ein Stativ. Eine dieser neumodischen leichten Rollfilmkameras für Personenaufnahmen zu verwenden - so etwas machte seinerzeit ein seriöser Photograph (noch) nicht!


Graskeller
Bild: Graskeller in Hamburg, etwa 1900
Graskeller in Hamburg, etwa 1900
Auch diese Bildpostkarte hat der Verlag und Lichtdruck von Knackstedt & Näther herausgeben. Sie zeigt einen Straßenbahnzug der Linie 16 auf seinem Linienweg. Von der Straße Heiligengeistbrücke kommend biegt er in die Straße Graskeller ein. Rechts unten auf der Karte ist ein Triebwagen der Linie 21 angeschnitten. Er kommt aus der Straße Großer Burstah.

Interessant ist die kreisrunde Verkehrsinsel. Der Zug der Linie 16 fährt links dran vorbei!

An dem Eckhaus Graskeller mit Alter Wall ist der Firmenname Haasenstein & Vogler A.G. zu erkennen. Es handelte sich um eine „Annoncen-Expedition”. Der Buchhändler Carl Ferdinand Eduard Haasenstein (*13. 2.1828 Gräfentonna (Thüringen); † 22.5.1901 in Birkenwerder bei Berlin) hatte im Februar 1855 in Altona die „Annoncen-Expedition Ferdinand Haasenstein“ gegründet. Es war erste Annoncen-Expedition in Europa. Annoncen-Expeditionen vermittelten im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Schaltung von Annoncen zwischen Zeitungen und Werbetreibenden. Sie gelten als Vorläufer der Werbeagenturen.

Die Bildpostkarte trägt auf der Rückseite den Stempel „Sammlung Lachmund”. Herr Fritz Lachmund (* 23.2.1911 Hamburg; † 1.11.1997 Hamburg) hatte eine umfangreiche Sammlung aujfgebaut. Sie wurde nach seinem Tode verkauft.[Deutsche Wikipedia, Suchbegriff Fritz Lachmund, Abruf 7.10.2017']

Leider ist die Rückseite der Postkarte so beschädigt, dass kein Hinweis auf eine Jahreszahl auszumachen ist. Aufgrund des Schriftfelds auf der Vorderseite ist zu vermuten, dass die Karte am Anfang des 20. Jahrhunderts produziert wurde. Dafür spricht auch, dass von der U-Bahn-Haltestelle Rödingsmarkt nichts auf der Karte zu sehen ist. Die umfangreichen Bauarbeiten begannen dort vor 1910.


Letztes Upload: 10.10.2017 um 19:10:10