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London Passenger
Transport Board - 1933

Die Victoria Line
(1960er)

Auswahl London's
Underground

London's Underground:
Der Zweite Weltkrieg - 1939

Der Zweite Weltkrieg beendete den Ausbau der Londoner Untergrundbahn schlagartig. Auch wurde in den ersten Kriegsmonaten die 1.Wagenklasse bei der Londoner U-Bahn und den Londoner Vorortzügen abgeschafft.

London erlebte während des Krieges Bombenangriffe. Die erste Periode dauerte vom 7.9.1940 bis zum 11.5.1941 und wird als „Blitz” bezeichnet (in anderen Quellen stehen geringfügig längere Zeiten). So wie ich es verstanden habe, war der erste Bombenangriff auf London am 24.8.1940 ein Versehen - es sollten eigentlich Ziele in der Themsemündung angegriffen werden.

Zur Vorbereitung der geplante Invasion Englands begannen am 13.8.1940 Angriffe der deutschen Luftwaffe auf britische Flottenverbände, Rüstungsindustrien, Luftabwehrstellungen und Stützpunkte der Royal Air Force in Südengland. Es sollte innerhalb weniger Wochen die südenglische Verteidigung zerschlagen werden.

Das gelang nicht. Im Gegenteil, nach schweren deutschen Verlusten wurden die deutschen Großangriffe Mitte September 1940 eingestellt. Fortgesetzt wurden jedoch die Nachtangriffe auf London und weitere englische Industriestädte. London wurde erstmals am 5./6.9.1940 als Angriffsziel freigegeben.

Am 7.9.1940 luden 348 Bomber unter dem Schutz von 617 Kampfflugzeugen ihre Bomben über London ab. Anschließend wurde London bis zum 2. November täglich bombardiert.

Besonders schwerwiegende Bombentreffer in U-Bahn-Stationen waren

  • am 14.10.1940 in der Station Balham mit 68 Opfern,
  • am 12.11.1940 in der Station Sloane Square mit 79 Todesopfern,
  • und am 11.1.1941 in der Station Bank mit 56 Opfern.

Der letzte Bombenangriff auf London, in der Nacht des 10.5.1941. war der mit den meisten Opfern: 3000 Tote! Danach wurden die Bombenangriffe auf London eingestellt.

Das schlimmste Unglück im Zusammenhang mit Schutzsuchenden in der Londoner Untergrundbahn passierte am 3.3.1943 ohne deutsches Zutun. Um 20:17 ertönte die Luftschutzsirene. Etwa 7000 Einwohner eilten zur Station Bethnal Green. Dann hörten sie eine laute Explosion. Was sie nicht wussten: Es war der Testabschuss einer eigenen Luftabwehrraketensalve. Die Explosion löste eine Panik unter den Menschen aus. Die Menschen drängten sich die enge Treppe zur Station hinab. Auf der Treppe stolperte eine Frau, die ein Kind trug. Ein Mann, der ihr helfen wollte, stürzte ebenfalls. Die Nachfolgenden ahnten nichts von dem Unglück und schoben weiter. Es wurde ein Dominoeffekt ausgelöst. Innerhalb von weniger als 20 Sekunden wurden 84 Frauen, 62 Kinder und 27 Männer zu Tode getrampelt. 92 weitere Personen wurden verletzt.

Gegen Ende des Krieges (1944-45) wurde London mit den „Vergeltungswaffen” V1 und V2 beschossen. Insgesamt wurden im Zweiten Weltkrieg fast 30000 Londoner durch die Bombenangriffe getötet und etwa 50000 wurden verletzt.

Bild: Verhalten bei Luftangriffen, Metropolitan Railway, Museum of Rail Travel, Ingrow Railway Centre, 2002
Verhalten bei Luftangriffen
1. Schließen Sie die Fenster und die Lüftungen, ziehen Sie die Fensterrollos herab und stellen Sie das Rauchen ein.
2. Sie dürfen den Zug an jeder Station verlassen. Steigen Sie jedoch nur dann auf freier Strecke zwischen den Stationen aus, wenn ein Bahnbeamter Sie dazu anweist.
3. Vergewissern Sie sich vor dem Verlassen des Zuges, dass sie sich auf der Bahnsteigseite des Zuges befinden!
4. Berühren Sie keinen Teil außen am Wagen, sofern ein Gasangriff vermutet wird.
Die Londoner Bürger kamen rasch auf die Idee, sich U-Bahn-Fahrkarten zu kaufen und die Dauer der Bombenangriffe in den U-Bahnen zu verbringen. Die Statistik besagt, dass etwa 63 Millionen Einwohner die U-Bahn Stationen als Bunker benutzten. Die Londoner gewöhnten sich daran - es wurden Platzkarten ausgegeben, es fanden Aufführungen in den Stationen statt, es wurden Kantinen und Sanitärräume eingerichtet, die Heilsarmee und der „Women's Voluntary Service” belieferten die schutzsuchenden Menschen mit Lebensmitteln. Etwa 24 km Bahnsteig- und Tunnellänge wurden als Bunkerraum genutzt. Bis zu 177000 Menschen fanden gleichzeitig Schutz - das sind unter 4% der Londoner Einwohner. Die meisten Londoner verbrachten die Bombennächte in den Wohnungen, denn die Enge und die sanitären Verhältnisse in den überfüllten Stationen waren sehr unerfreulich. Peter Ackroyd drückt es in seiner im Jahre 2000 erschienen großen London Biographie so aus:

The reality, however, was both more stark and more prosaic. Only 4 per cent of the city's population ever used the London Underground for night shelter, largely on account of the overcrowded and often unsanitary conditions which they would have found there. [...] most citizens elected to stay in their own houses.

Frei übersetzt:

Jedoch war die Wirklichkeit sowohl nüchterner als auch prosaischer. Nur 4 Prozent der Londoner Bevölkerung haben jemals die Londoner U-Bahn als nächtlichen Zufluchtsort benutzt, häuptsächlich wegen der Überfüllung und der schlechten sanitären Verhältnisse, die sie dort vorgefunden hätten. [...] die meisten Einwohner zogen es vor, in ihren eigenen Wohnungen zu bleiben.

Howson berichtet in sein Buch, dass im September 1940, als die Luftangriffe auf London intensiver wurden, die Station Highgate als offizieller Bunker freigegeben wurde. Damals hielten die Züge nicht in Highgate, da die Aufzüge noch nicht eingebaut waren. Aber die U-Bahn-Stationen in der Londoner Innenstadt waren voll besetzt. Es fuhren Sonderzüge mit Schutzsuchenden nach Highgate. Howson schreibt „It was an unforgettable sight when travelling non-stop through this station, to see it brightly lit and crowded with sleeping people!”

  • Die 1932 geschlossene Station Down Street diente als Bunker für die Eisenbahnverwaltung. Auch Winston Churchills Kriegskabinett hielt in dieser Station Kabinettssitzungen ab.
  • Die Station Brompton Road diente als Kommandozentrum für die Luftabwehr.
  • Der Aldwych-Zweig der Piccadilly Line wurde als geschütztes Lager für Kunstschätze genutzt (die Station Aldwych ist seit 1994 geschlossen).
  • Später benutzte General Eisenhower den Goodge Street Tunnel als Kriegshauptquartier.
  • Eine noch nicht eröffnete Verlängerung der Central Line zwischen Redbrigde und Gants Hill wurde für eine unterirdische Munitionsfabrik genutzt. Bei Wikipedia steht dazu (Stand Januar 2008): Eine neu gebaute, aber noch nicht eröffnete Verlängerung der Central Line zwischen Redbridge und Gants Hill wurde in eine unterirdische Fabrik für Flugzeugteile des Plessey-Konzerns umgewandelt; eine Güterbahn mit einer Spurweite von 457 mm verband die einzelnen Abteilungen miteinander.

Nach dem 2. Weltkrieg plante die Labour-Regierung die Nationalisierung von London Transport und ähnlicher Unternehmungen. Am 1. Januar 1948 wurde die British Transport Commission (BTC) in Leben gerufen. Das London Passenger Transport Board ging als London Transport Executive an die BTC.


Verfolgt man die Geschichte weiter, hat man den Eindruck, als ob London Transport zum Spielball der Politiker wurde. Wir können uns die Details zu den vielen Änderungen in den Machtverhältnissen bezüglich London Transport ab dem Zweiten Weltkrieg getrost ersparen.

In der Nachkriegszeit, im Jahre 1950, war London Transport das größte Nahverkehrsunternehmen der Welt mit 100000 Beschäftigten. 1952 wurde die letzte elektrische Straßenbahn in London eingestellt. Übrigens: seit 2000 gibt es wieder eine elektrische Straßenbahn in London.

Das Fernsehen

Ein großes Problem für Nahverkehrsbetriebe, Theater und Kinos entstand - nicht nur in London - durch die Verbreitung des Fernsehens. Das Fernsehen schuf die Möglichkeit, sich zu Hause zu unterhalten. Dadurch ging der Personennahverkehr in den Abendstunden und am Wochenende zurück, die Fahrzeuge wurden weniger ausgelastet. Die Zahl der Berufspendler nahm jedoch weiterhin zu. Dies bedeutete für die Fahrgäste während des Berufsverkehrs überfüllte Züge. Für die Personennahverkehrsbetriebe bedeutet dies abends und am Wochenende nutzlos herumstehende Fahrzeuge mit schlechter durchschnittlicher Auslastung. So etwas reduziert die Wirtschaftlichkeit.

Letztes Upload: 26.04.2017 um 18:28:34