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George Stephenson
Umgebungskarte Newcastle um 1850,
Jugendzeit und erste Heirat


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George
Stephenson

Zum Thema
George
Stephenson

1804:
Killingworth
Umgebungskarte von Newcastle, etwa 1850
Die modifizierte Karte[111] zeigt einige der unten erwähnten Lokationen:

W (links): Wylam
D Dewley Burn
B Black Callerton Colliery
N Jolly's Close und Newburn
K Killingworth Colliery
W (rechts) Willington. Willington Quay liegt am nördlichen Flussufer.
Hinweis zur damaligen britischen Währung
12 pence (12d.) = 1 shilling (1s.)
2 shillings = 1 florin
2 shillings and 6 pence = 1 half crown
20 shillings = 1 pound (£ 1)
21 shillings = 1 guinea (deutsch: Guinee)

Grober Anhaltspunkt zur Kaufkraft: 1 £ entsprach zur Jugendzeit George Stephensons etwa der Kaufkraft von 400 € (Deutschland, 2006). Damals befand sich Britannien im Krieg gegen Frankreich, so dass das £ rasch an Wert verlor.


1781: Kindheit und Jugendzeit

George Stephenson wird am 9.6.1781 in Wylam-on-Tyne als zweites Kind des Ehepaares Mabel und Robert Stephenson geboren. Der Ort liegt etwa 13 km flussaufwärts westlich von Newcastle-upon-Tyne in der Kohlenkammer Englands.

Insgesamt kommt die Familie auf 6 Kinder. Sie lebt in einem kleinen steinerne Arbeiterhaus eine halbe Meile östlich des Bergwerksdorfes Wylam. Das Haus liegt unmittelbar an der Landstraße zwischen Newcastle und Hexham. Es ist zweistöckig und beinhaltet 4 Räume. Die Familie Stephenson bewohnt einen Raum im Erdgeschoss. Das Haus ist zu besichtigen.

George ist der zweite Sohn der Familie. In den nächsten Jahren kommen zwei weitere Söhne und eine Tochter hinzu.

Die Mutter Mabel ist die Tochter einer Färbers aus dem Nachbardorf Ovingham. Der Vater Robert Stephenson ist ein Schotte. Er arbeitet als Heizer an den Pumpen des Bergwerkes zu Wylam. Sein geringer Verdienst von 12 Schilling pro Woche hatte es nicht zugelassen, den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

Der Vater Robert wird als sanft und liebevoll geschildert. Er hatte eine Gabe zum Erzählen und Erdichten von Geschichten, die er den Kindern im Dorf erzählte. Noch im hohen Alter erinnerte sich George Stephenson daran, dass ihn sein Vater auf den Armen hochgehoben hatte, damit der kleine George in ein Amselnest blicken konnte.

Es ist auffallend, dass einige der frühen Eisenbahnpioniere Berührungspunkte mit dem kleinen Dorf Wylam hatten. Unter www.tynedaleheritage.org/Resources/Wylam.htm wird die PDF-Datei 'Where Railways Were Born' zum Herabladen angeboten. Philip R.B. Brooks schildert darin das Leben und die Arbeit der Eisenbahnpioniere.
1784: Stahlerzeugung
Der kleine George und seine Eltern werden von diesem Ereignis nichts bemerkt haben.

1784 erhält der Londoner Schiffsagent Henry Cort ein Patent. Hätte es dies Patent nicht gegeben, so wäre nicht nur das Leben von George Stephenson ganz anders verlaufen. Das Patent betrifft das "Puddelverfahren". Mit ihm ist es erstmals möglich, Stahl (damals als Schmiedeeisen bezeichnet) in größeren Chargen herzustellen. Ohne den in größeren Mengen hergestellten Stahl wäre die Entwicklung der Hochdruckdampfmaschine und die sich daraus ergebende Entwicklung der Lokomotive nicht möglich gewesen.

Kohlengruben werden geschlossen, wenn sie ausgebeutet sind. Die Bergleute mit ihren Familien ziehen zur neuen Grube weiter - so geschieht es, als George 8 und erneut als er 14 Jahre alt ist.

Für den 8-jährigen George beginnt mit dem ersten Umzug nach Dewley Burn das Berufsleben. Er hütet die Kühe der Witwe Grace Ainslie. „Geordie Steve“ ist stolz auf seinen ersten bezahlten Job - er verdient 2 Pennies täglich. Es ist keine Schwerarbeit, es bleibt Zeit zum Spielen. Bald verdoppelt sich sein Verdienst, denn er hat neue Aufgaben: Er hackt Rüben und führt das Pferd beim Pflügen. Sein beruflicher Aufstieg setzt sich in der Kohlengrube fort. Hier arbeiten George und sein älterer Bruder James als Kohlenausleser, d.h., sie befreien geförderte Kohle von den Verunreinigungen. Das erbringt für jeden Knaben 6 Pennies am Tag.

Bald darauf führt George das Göpelpferd, das das Göpelwerk für den Kohlenaufzug antreibt. Sein Verdienst beträgt jetzt bereits 8 Pennies täglich. Sein Arbeitsweg zur Black Callerton Colliery (Zeche) beträgt zwei Meilen.

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1800: George lernt Lesen und Schreiben

Die Berufskarriere im Bergwerk setzt sich fort. George wird älter. Als 14-Jähriger wird er Hilfsheizer bei den Pumpen und assistiert seinen Vater. So kann er einen ganzen Schilling täglich zum Familieneinkommen beitragen.

Erneut zieht die Familie um. Die freie Unterkunft in der Hütte im Weiler „Jolly's Close“ ist Teil des Arbeitslohns. Die jüngeren Knaben arbeiten als Kohlenausleser. George und sein Vater arbeiten weiterhin als Hilfsheizer und als Heizer. Das karge Familieneinkommen beläuft sich auf wöchentlich 2 £.

Für sein Alter ist George groß und kräftig. Im Hammerwerfen und Gewichtheben kann er gut mithalten. Sein Wesen ist herzlich und freundlich, offen für Spaß und Scherz. Die Tierliebe seines Vaters hat sich auf ihn übertragen - er zähmt Vögel und lässt sie frei in der Wohnung umherfliegen. Einige Jahre lebt eine Amsel in der Hütte. Jeden Frühling verlässt sie die Hütte, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Den Winter verbringt sie in der Hütte.

Ein neuer Schacht wird bei Water-row, etwa eine halbe Meile westlich vom Newburn Church, gegraben. Hier wird der jetzt 17-jährige George „Plugman“ (Maschinenführer bei den Pumpen) - sein Vater ist weiterhin Heizer und stolz darauf, dass sein Sohn ihm vorgesetzt ist. George beaufsichtigt die Maschinen und muss bei Problemen einen Ingenieur herbeirufen. Rasch lernt er, die Probleme ohne Ingenieur selbst zu beseitigen.

Die englische Berufsbezeichnung „Plugman“ hängt mit den Saugpumpen zusammen. Wenn der Wasserstand absinkt, saugt die Pumpe Luft an und die Pumpleistung sinkt entsprechend. Dann muss sich der Plugman zum Boden des Schachtes begeben und das Saugrohr so in die Flüssigkeit stecken, dass die Pumpe wieder Wasser zieht. Das englische Wort für Stecker oder Stöpsel ist „Plug“.

Er erhält eine neue und besser bezahlte Aufgabe als „Brakeman“ (Bremser, auch als „Brakesman“ geschrieben): Es ist die Bedienung des Förderaufzugs. Die Kohlegefäße gehen in Abständen herauf und hinab. George nutzt die Pausen, um sich nebenbei etwas Geld zu verdienen: er flickt die Schuhe der Arbeiter und führte Näharbeiten durch. Von dem Geld finanziert er den Besuch einer Abendschule: Er hat von Maschinen gehört, die in Büchern beschrieben sind! Wie fast alle Bergleute in jener Zeit kann er nicht lesen und schreiben. Er muss lesen und schreiben lernen, damit er diese Bücher lesen kann!

Erst mit 19 kann er seinen Namen schreiben! Der Schotte Andrew Robertson eröffnet eine neue Abendschule. Hier lernt George Rechnen.

In guten Wochen verdient George Stephenson als „Brakeman“ bei der Water-row-Grube bereits 1 ganzes £. Diesen Lohn bessert er auf. Aus seiner Vogelzucht verkauft er gelegentlich einen Raben. Außerdem betätigt er sich als Schuhmacher.

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1802: George heiratet

Anfang 1801 zieht George Stephenson und sein Freund Bill Coe nach Black Callerton um. George arbeitet nun in der „Dolly Pit“ als Aufseher der „Brakemen“. Er hat sich in einer kleinen Farm eine Bleibe gemietet.

Schuhe repariert er weiterhin. Unter den zu flickenden Schuhen und Stiefeln fällt ihm ein kleines und auffallend reinliches Paar besonders auf. Es gehört dem Dienstmädchen Frances Henderson. Zufällig arbeitet sie in der Farm, in der auch George logiert.

Der Vorname von Fräulein Henderson wird in der Literatur unterschiedlich mit Fanny oder mit Frances angegeben. Ins Deutsche übersetzt wäre es Fanni oder Franziska. Fanny ist der Spitzname zu Frances. Da im britischen Englisch das Hauptwort „Fanny“ zu den unanständigen Worten gehört, bevorzuge ich den Namen Frances.

Frances ist 12 Jahre älter als George.

George erhält das Angebot, die Winde des Schiffsballastplatzes in Willington Quay zu bedienen. Hier entledigen sich die Kohleschiffe ihres Ballastes, bevor sie mit Kohlen beladen nach London segeln. Die neue Arbeit verschafft ihm die Möglichkeit, Frances zu heiraten und in Willington Quay eine Haushalt zu gründen. Am 28.November 1802 heiraten beide in der Kirche zu Newburn. Wie es Brauch ist, reitet das gerade vermählte Paar auf einem einzigen Pferd hintereinandersitzend die 25 km lange Strecke nach Willington.

Auch die Frau von William Hedley hatte den Vornamen Frances. Die Hochzeit von Frances Dodds mit William Hedley fand am 2.Juni 1803 statt - ebenfalls in der Kirche zu Newburn.

In dem neu bezogenen Häuschen kommt es bald darauf zu einem kleineren Schornsteinbrand. Die Nachbarn sind zur Stelle- der Schaden durch das Löschwasser ist höher als der Feuerschaden. Leider funktioniert danach das beste Stück in der Wohnung, die 8-Tage-Uhr, nicht mehr. Eine Reparatur beim Uhrmacher wäre zu teuer. George nimmt die Uhr vollständig auseinander, reinigt das Werk und schafft es sogar, die Uhr wieder zusammenzusetzen. Die Folge ist, dass er jetzt abends mit der Reparatur von Uhren das Familieneinkommen aufbessern kann.

Noch auf eine andere Art bessert George das Familieneinkommen auf: Nach Feierabend als Brakesman entlädt er noch für ein oder zwei Stunden Ballaststeine aus den Kohleschiffen.

Am 16.Oktober 1803 wird der Sohn Robert geboren.

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Letztes Update: 15.3.2013