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Stephenson

1814: Mylord,
1815: Blücher

1816 - 1820: Robert Stephenson und
zweite Heirat von George Stephenson

George Stephenson -
1815: Die Grubenlampe

Als Grubenwetter wird die Luft und die darin enthaltenen Gase in den Bergwerken bezeichnet. Schlagende Wetter, auch böse oder brandige Wetter genannt, entstehen durch Ansammlung von Grubengas oder Kohlenstaub. Grubengas bildet sich besonders in Kohlengruben. Es besteht zu 90% aus Methan. Hat es sich in größeren Mengen in der Luft angesammelt, kann es nach zufälligem Entzünden sehr heftig explodieren.

Somit sind in Schlagwettergruben Lampen mit offenem Licht nicht verwendbar. Zu Lebzeiten von George Stephenson gab es noch keine elektrischen Lampen.

Auch beim Bau des  i Themsetunnels kam es zu mehreren Explosionen durch Methangas, denn es wurde offenes Licht benutzt. Man versuchte, durch Ventilatoren den Gehalt an schädlichen Gasen an der Baustelle gering zu halten.

1806 starben in der Grube, in der George Stephenson arbeitete, durch die Entzündung schlagender Wetter 10 Bergleute. 1809 forderte eine Schlagwetterexplosion in der Grube 12 Opfer. 1812 starben in einem benachbarten Bergwerk 90 Männer und Knaben durch Ersticken und Verbrennen. George Stephenson entwickelt daraufhin während seiner Freizeit im Oktober und November 1815 eine Grubenlampe, bei der es zu keiner Entzündung der schlagenden Wetter mehr kommen konnte. Mutig wie er ist, probiert er sie sogar persönlich aus!

Die Zechenbetreiber hatten den berühmten Chemiker Sir Humphrey Davy (1778 - 1829) eingeladen, nachdem er sich aus humanitären Gründen zur Entwicklung einer Sicherheitslampe angeboten hatte. Sir Humphrey Davy besucht am 24.August 1815 die Zechen Hebburn Colliery und Wallsend Colliery bei Newcastle. Grubengas von der Hebburn Colliery wird in Weinflaschen abgefüllt und an das Royal Institute in London zur Untersuchung geschickt.

Am 19.Oktober 1815 berichtet Davy in einem Schreiben an Rev. John Hodgson über die gefundene Lösung. Er stellt seine „Davy Lamp” am 9.November 1815 in einem Vortrag in der Royal Society vor. Am 9.Januar 1816 wird die Lampe das erste Mal in der Hebburn Colliery ausprobiert. Anwesend sind Rev. John Hodgson und der Zechenmanager Matthias Dunn.

Das Funktionsprinzip ist einfach: das brennende Licht ist bei der Grubenlampe von Davy mit einem feinen Drahtgewebe umgeben. Das Licht dringt durch die Öffnungen dieser Abschirmung. Bei der Grubenlampe von Stephenson wird die Verbrennungsluft durch dünne Röhrchen zugeführt.

Bei der Davy-Lampe wird die Wärme der Flamme durch das Metall der Abschirmung soweit gekühlt, dass die nach außen dringende Temperatur unterhalb der Entzündungstemperatur des Grubengases bleibt.

Bei der Lampe von Stephenson wird die Verbrennungsluft durch die Röhrchen angesogen. Die dabei entstehende ins Lampeninnere gerichtete Geschwindigkeit der Verbrennungsluft ist größer als die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Flamme im Grubengas, so dass die Flamme in der Lampe nicht nach außen gelangt.

Beim Auftreten von Grubengas verhalten sich die Lampen unterschiedlich. Stephensons „Georgie Lamp” verlischt, die „Davy Lamp” brennt weiter und verlischt erst ab einem höheren Grubengasgehalt. Die von Davy entwickelte Grubenlampe hatte den Nachteil geringer Lichtausbeute, da der Drahtkorb rasch verschmutzte. 1839 verbesserte Dr. William Reid Clanny diese. Er ersetzte den unteren Teil des Drahtkorbs durch einen Glaszylinder. Auch Dr. William Reid Clanny hatte im Oktober und November 1815 die von ihm entwickelte Sicherheitslampen unter Tage erprobt. Seine im November 1815 erprobte Bauart „Steam Lamp” mit einem wesentlich von der „Davy Lamp” und der „Georgie Lamp” abweichenden Funktionsprinzip wurde ab 1816 in mehreren Zechen benutzt.

Bild: Grubenlampen nach Davy und StephensonGrubenlampen[111]

Links die Davy-Lamp, in der Mitte die Abdeckung der Georgie-Lamp und rechts das Innere der Georgie-Lamp. Statt „Georgie” wird gelegentlich „Georgy” geschrieben.

Sir Humphrey Davy und George Stephenson wissen nichts voneinander. Stephenson ist am 30.November 1815 bereits mit der Erprobung seiner dritten Grubenlampe beschäftigt. Es erhebt sich ein Streit zwischen Davy und Stephenson um das Erstrecht an der Erfindung.

Den Streit um das Erstrecht an der Erfindung gewinnt Sir Humphrey Davy. Er wird im September 1817 von der Association of Coal Owners fürstlich belohnt. Genannt wird eine Anerkennung in Form eines silbernen Tischgedecks im unvorstellbaren Wert von 2500 £. Eine andere Quelle schreibt „Finally it was decided to present Sir Humphrey Davy with the sum of £2000”.

George Stephenson erhält eine Anerkennung von 100 Guineen. Etwas wohl Einmaliges geschieht: Die dankbaren Bergwerksbesitzer in Northumberland veranstalten eine Sammlung zu Gunsten Stephensons. Die Sammlung erbringt im November 1817 volle 1000 £, nach heutiger (2006) Kaufkraft etwa 400000 €. Für 1000 £ hätte man damals zwei zeitgemäße Dampflokomotiven bauen können! Die Summe wird in Form eines silbernen Bierkrugs und in Geld an George gegeben. Er erhält weiterhin eine silberne „Watch”. Diese Taschenuhr soll er mehr geschätzt haben, als jedes andere Anerkennungsgeschenk: Sie wurde von den vielen kleinen Spenden finanziert, welche die Bergleute sich von ihrem spärlichen Lohn abgeknappst hatten.

Die gravierte Inschrift im Bierkrug lautet:
This piece of plate, purchased with a part of the sum of 1000 £, a subscription raised for the remuneration of Mr. George Stephenson for having discovered the fact that inflamed fire-damp will not pass through tubes and aparatures of small dimensions, and having been the first to apply that principle in the construction of a safety-lamp calculated for the preservation of human life in situations formerly of the greatest danger, was presented to him at a general meeting of the subscribers, Charles John Brandling, Esq., in the Chair. January 12th, 1818.

Die Bergleute bevorzugten die Georgie Lamp. Die Davy Lamp ist einfacher und preiswerter zu produzieren. Sie wurde von den Zechenbetreibern bevorzugt.

Nach Einführung dieser Grubenlampen nahmen die Bergwerksunfälle zu, denn jetzt konnte man auch die Schächte ausbeuten, an die man sich vorher wegen der Explosionsgefahr nicht herangetraut hatte. Aus der gleichen Zeche konnte wesentlich mehr Kohle abgebaut werden als vorher!

Böse Zungen sagen, dass diese Grubenlampe das Einzige sei, was George Stephenson wirklich selbst erfunden habe.

Besonders verdient hervorgehoben zu werden, dass weder Dr. W. R Clanny noch Sir Humphrey Davy noch George Stephenson ein Patent für ihre Sicherheitslampe angemeldet haben. Alle taten es aus rein humanitären Gründen.

„Georgie” ist eine Herkunftsbezeichnung. Ein „Georgie” stammt aus der Nähe des Flusses Tyne. Es wird angenommen, dass diese Bezeichnung vom Taufnamen George Stephensons abgeleitet wurde.

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Letztes Upload: 11.02.2017 um 22:14:07