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Stephenson

1844 bis 1846: Die Schlacht
um die Spurweiten

1838/1844 - 1850:
Die Britanniabrücke

Das Leben von George Stephenson -
1838 - 1848: Tapton House

Bild: Tapton HouseAuf dem Hügel: Tapton House[111]
1838 wird George Stephenson 57 Jahre alt. Das ist auch für einen Unternehmer das richtige Alter, sich aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen. Er hat genügend Geld und genießt den Rest seines Lebens als halber Ruheständler. Natürlich arbeitet er noch, aber er widmet sich auch den Dingen im Leben, die wirklich wichtig sind. Hierzu gehören:
  • 1838 Bezug einer angemessenen Wohnung: Tapton House, ein herrschaftlicher Landsitz im gregorianischen Stil bei Chesterfield. „Gregorianisch” bedeutet in diesem Fall: Es ist ein äußerlich schlichtes aber mehrstöckiges riesiges Wohnhaus aus Ziegeln mit Walmdach und vielen Kaminen. Das Haus gehört zu einem von ihm gepachteten Bergwerk.

  • Diversifikation seines Vermögens. Bei Tunnelarbeiten für die North Midland Railway stieß man in Derbyshire auf bisher nicht entdeckte Kohlevorkommen. 1838 pachtet George Stephenson eine Kohlenzeche in Clay Cross südlich von Chesterfield. Er erwartet, dass er die geförderte Kohle gut nach London verkaufen kann. Dabei hatte er übersehen, dass die Midland-Kohle langsam brennt. Die Kunden waren schneller brennende Kohle gewohnt und wollten die Midland-Kohle nicht. Stephenson weiß sich zu helfen: 1841 erwirbt er weitere ausgedehnte Kohlevorkommen bei Clay Cross und investiert in Kalksteinbrüche und in die Eisenverhüttung. Zur Eisenverhüttung benötigt man Kohle und Kalk!

  • Er erwirbt eine kleine Farm. Hier experimentiert er mit Viehzucht, Tierfutter und Dünger. Er entwickelt ein effizientes Mastverfahren für Kücken. Die Tiere werden reichlich gefüttert und dann in dunkle Kästen gesperrt. So nimmt ihr Gewicht doppelt schnell zu.

  • Beschäftigung mit Pflanzen. Auch hier wird gerne eine Beispiel genannt: Versuche zur Begradigung von Gurken. Die dazu verwendeten Röhren aus dickem Glas sind museal erhalten! Als seine wirkliche Leidenschaft wird die Zucht von Südfrüchten in seinen großen Treibhäusern genannt. Bei der Zucht von Südfrüchten war nur der Gärtner des Duke of Devonshire besser als George Stephenson. Erst nach dem Tod dieses Gärtners kann George Stephenson mit seinen Ananas den ersten Preis gewinnen. Na bitte!

George Stephensons zweite Frau Elizabeth Hindmarsh (an einer anderen Stellen wird als Mädchenname „Hindley” oder „Huidmarsh” angegeben) betätigt sich als Imkerin. Bienenstöcke werden aufgestellt, aber die ganze Angelegenheit erweist sich als wenig erfolgreich. Das Ehepaar rätselt recht lange, um die Ursache zu ergründen. George fällt schließlich auf, dass sich die schwer mit Nektar beladenen Bienen beim Aufstieg zu den sich auf dem Haushügel befindlichen Bienenstöcken verausgeben und den Aufstieg zu ihrem Stock nicht schaffen. Fazit: Bienenstöcke gehören in die Ebene oder besser ins Tal, aber nicht auf eine Anhöhe.

Viel Spaß hat George mit einem Mikroskop. Er schafft es fast immer, seine Freunde dazu zu bewegen, sich in den Finger stechen zu lassen. Es ist schon ein Erlebnis, sein eigenes Blut unter dem Mikroskop betrachten zu können!

Stephensons zweite Frau stirbt 1845. Im selben Jahr reist George Stephenson zusammen mit Sir Joshua Walmsley nach Spanien, um auch hier beim ersten Bahnprojekt Spaniens Untersuchungen durchzuführen und zu beraten. Die Spanier planen eine Bahnstrecke von Madrid an den Golf von Biskaya. (Anmerkung: Die erste Eisenbahn in Spanien wurde 1848 eröffnet.) Von dieser Reise kehrt George Stephenson gesundheitlich angeschlagen mit einer Rippenfellentzündung zurück. So richtig erholt er sich danach nicht mehr.

1848 heiratet George Stephenson ein drittes und letztes Mal: Ellen Gregory.

Im August 1848 wird George Stephenson von Fieberanfällen und Lungenblutungen ergriffen. Am 12. August 1848 stirbt er 67-jährig.

Beigesetzt wird George Stephenson in Chesterfield (Trinity Church).

Man beschrieb George Stephenson als jemanden, der Ruhe und Bescheidenheit ausstrahlte - er war nicht der forsche technische Berater oder gar der beredete Verkäufer. Vielleicht ist gerade dies ein Geheimnis seines Erfolgs.

Sein sozialer Einsatz soll nicht vergessen werden. Jeder seiner Arbeitnehmer in Clay Cross musste alle zwei Wochen 5 bis 12 Pennies in eine Unterstützungskasse einzahlen. Selbstverständlich zahlte George Stephenson besonders großzügig mit in diese Kasse ein. Die Kasse finanzierte freien Schulunterricht für die Kinder, Abendschule für die Mitarbeiter, ärztliche Behandlung, eine Bibliothek und einen Leseraum. Musik- und Kricketvereine wurden gegründet und unterhalten. Alle zwei Wochen erhielten die Mitarbeiter und Angehörige freien Eintritt zur großen Tanzveranstaltung in der Versammlungshalle. Preise für den besten Garten und das beste selbstgezogene Gemüse wurden ausgeschrieben und finanziert. Das Schulgebäude, die Versammlungshalle und die Kirche von Clay Cross wurden ebenfalls aus der Unterstützungskasse finanziert. Damals gab es noch keinen kostenlosen staatlichen Schulunterricht!

Für George Stephenson hatte Königin Victoria in der Westminster-Abtei ein Denkmal neben Nelson, Shakespeare, Watt und Wellington errichten lassen.

Der schottische Physiker und Ingenieur William John Macquorn Rankine (*1820; †1872) hielt bei der Denkmalseinweihung die Laudatio. Er sagte u.a.: „Die Eisenbahn, vollständig und fertig, wie sie uns Stephenson hinterließ, ist ein Produkt der Notwendigkeit und des Geistes ihrer Zeit. Das ungelernte Talent, das gesunde und praktische Denken des Volkes, die schwielige Hand des Arbeiters hat sie allein geschaffen, die Schulweisheit hat keinen Teil an ihr. Keine Formel ist bei der grössten technischen Schöpfung unserer Zeit entwickelt, keine Gleichung dabei gelöst worden!”.[19,Seite 101]

Bild: Five Pounds BanknoteAuf der bis Mitte 2007 gültigen Five Pounds Banknote der Ausgabe 1990 wird George Stephenson zusammen mit der „Rocket” gewürdigt.
Bild: Robert Stephenson, Denkmal am Bahnhof Euston in LondonSein Sohn Robert Stephenson sah sehr ähnlich aus. Ein Porträt[19,Seite 101] zeigt Robert mit breiteren Augenbrauen und mit mehr Backenbart als seinen Vater. Auf dem Portät sind die Ohren von den Haaren zur Hälfte bedeckt.

Foto links: Kopf der Robert-Stephenson-Statue vor dem Bahnhof Euston in London. Anders als auf dem erwähnten Porträt ist er gealtert und die Ohren sind nicht mehr bis zur Hälfte von den Haaren bedeckt.


Robert Stephenson überlebte seine Vater um nur 11 Jahre. Er starb nur 4 Tage vor seinem 56. Geburtstag am 12.10.1859 in London. Beigesetzt wurde er in der Westminster-Abtei.

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Letztes Upload: 06.05.2017 um 10:47:22