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Das Hannoversche Straßenbahnmuseum (HSM):
Aufbauwagen, Umbauwagen, Reko-Wagen

In einem so umfangreichen Straßenbahnmuseum lassen sich gut unterschiedliche Straßenbahnbauarten vergleichen. Hier geht es um zweiachsige
  • Aufbauwagen: Nach dem Zweiten Weltkrieg aus Teilen kriegszerstörter Wagen wieder aufgebaute Fahrzeuge.
  • Umbauwagen: Straßenbahnwagen, deren ursprünglicher Zustand verändert wurde. Man kann fast sagen, dass jeder ältere Straßenbahnwagen ein Umbauwagen ist...
  • Neubauwagen: Ein aus Neuteilen gebauter Straßenbahnwagen, der noch nicht umgebaut wurde.
  • Rekonstruktionswagen (Reko-Wagen): Ein Straßenbahnwagen, der weitgehend modernisiert oder an neue Fahrzeugtechnik angepasst wurde. Der Ausdruck „Reko-Wagen” war in der DDR für solcherart ertüchtigte Fahrzeuge gebräuchlich. Die Reko-Wagen wurden dort von 1959 bis 1975 gefertigt. Ab 1969 wurden in die Reko-Wagen keine Altteile mehr eingebaut, so dass auch Neubauwagen unter der Bezeichnung „Reko-Wagen” ausgeliefert wurden.
Bild: UESTRA Straßenbahnwagen 236
Bild: UESTRA Straßenbahnwagen 236Aufbauwagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Es handelt sich um wieder aufgebaute Straßenbahnwagen, für die elektrische und mechanische Baugruppen kriegszerstörter Wagen verwendet wurden. Konzeptionell waren sie an die Einheits- und Kriegsstraßenbahnwagen  i (ESW und KSW) angelehnt. Es wurden aber neu konstruierte Wagenkästen verwendet.

Der hier gezeigte Aufbauwagen 236 der ÜSTRA wurde 1950 auf dem Fahrgestell eines  i Stahlwagens von 1928 aufgebaut. Offenbar konnten auch die alten Motoren weiterverwendet werden. Genau wie bei den Stahlwagen, ist dieser Aufbauwagen mit 92 kW Motorleistung angegeben.

Bild: Rheinische Bahngesellschaft 5288, Verbandstyp 1 Straßenbahnwagen
Dies ist ein Verbandstriebwagen Typ I, gebaut 1951 für die Rheinische Bahngesellschaft. Eigentlich ist es noch ein Aufbauwagen, denn es wurde ein Fahrgestell von 1938 wiederverwendet.

Die Verbandswagen wurden nach Richtlinen des Verbandes öffentlicher Verkehrsbetriebe gebaut. Er ist dem gezeigten Aufbauwagen ÜSTRA 236 ähnlich. Beide unterscheiden sich vom Kriegsstraßenbahnwagen (KSW) durch einen verlängerten Wagenkasten mit 4 statt 3 großen Fenstern auf jeder Seite. Die Plattformen sind entsprechend gekürzt, so dass sich in allen Fällen eine Wagenlänge von 10,40 bis 10,50 über Blech ergibt. Der KSW hatte breite einflügelige Schiebetüren, die beiden neuen Wagen haben zweiflügelige Schiebetüren.

Der Verbandstyptriebwagen hat tief heruntergezogenen Schürzen - das ist sein wesentlicher äußerer Unterschied zum Aufbauwagen der ÜSTRA.

Später wurden Verbandstypwagen gänzlich aus Neuteilen gebaut. Das Nachfolgemodell Verbandstyp II sieht etwas eleganter aus, da die Kanten mehr gerundet sind und weil die Stirnscheiben etwas schräg gestellt sind.

Bild: Gotha-Wagen T57, Arbeitswagen Potsdam 305
Das Foto zeigt den Arbeitswagen 350 aus Potsdam. Gebaut wurde dieser Gotha T57 der Stadtwerke Potsdam 1959. Seit 2004 befindet er sich im HSM.

Die Gotha-Wagen wurde von 1957 bis 1967 als Neubauwagen in Gotha gebaut. Dieser Wagen wurde offensichtlich später zum Arbeitswagen umgebaut.

Es ist interessant, dass man bei den Gotha-Wagen wieder zu den drei Seitenfenstern des ESW/KSW zurückkehrte. Über Blech sind die Gotha-Wagen 10,90 m lang, haben 2,20 m Breite und einen Achsstand von 3,20 m. Der ESW war mit 10,94 m nur unwesentlich länger. Er hatte ebenfalls 2,20 m Breite, aber mit 3,40 m einen größeren Achsstand.

Bild: Reko-Wagen der BVG
Dieser Berliner Straßenbahntriebwagen ist ein „Reko-Wagen”.

Alte Berliner Straßenbahnwagen der Bauarten T24 und B24 wurden ab 1959 im Ausbesserungswerk Schöneweide der Reichsbahn und in Gotha umgebaut. Von den alten Wagen wurden nur die Bodengruppe und die Achshalter weiterverwendet. Ab 1963 wurden auch andere Bauarten erneuert. Ab 1968/69 wurden Neubauwagen als Umbauwagen ausgegeben, um Lieferengpässe in der CSSR zu umgehen (Es bestand seit 1965 ein Vertrag, der besagte, dass die Neubaustraßenbahnwagen für die DDR nur noch in der CSSR gebaut werden durften).

Der Wagen 3011 ist wie folgt angegeben: Hersteller Reichsbahnausbesserungswerk Schöneweide, Typenbezeichnung TZ69, Baujahr 1969, Länge 10,6 m, Gewicht 13,5 t, Leistung 120 kW, Normalspur, im Einsatz bis zum 1.6.1996.

Der Wagenkasten hat eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem des Gotha-Wagens. Die äußeren Unterschiede sind:

WagenartWagenkasten, Fester je SeiteSchiebetür
Reko-Wagen:4einflügelig
Gotha-Wagen3zweiflügelig

Beim Reko-Wagen befindet sich zwischen Plattform und Wageninneren eine 19 cm hohe Stufe. Der Gotha-Wagen kommt ohne eine solche Stufe aus. Die Stufe und die einflügelige Schiebetür bewirken, dass der Fahrgastwechsel beim Reko-Wagen länger dauert als beim Gotha-Wagen.

Der Reko-Wagen besitzt kein Fahrgestell! Die Achshalter sind an den Rahmen des Aufbaus angenietet.

Der fotografierte Wagen 3011 nimmt nach seiner Restaurierung seit dem 13.6.2009 wieder am Museumsstraßenbahnbetrieb teil. Ein Foto auf www.technikmuseum-online.de zeigt ihn im tadellosen Zustand am 3.10.2012.


Letztes Upload: 24.08.2017 um 13:30:04