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Der entwidmete Kirchhof an der Christianskirche in Hamburg-Ottensen:
Das Familiengrab Klopstock

Grabanlage Victor Ludwig Klopstock
Das folgende Foto zeigt die Grabanlage (ist es ein Familiengrab?) Victor Ludwig Klopstock (*1744; †1811) vor dem größeren Familiengrab des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock. Beide waren Brüder aus einer kinderreichen Familie: Es waren 17 Geschwister. Das älteste Kind war Friedrich Gottlieb Klopstock.
Bild: Kirchhof der Christianskirche, Familiengrab Klopstock (9.4.2017)Die auf dem Foto nicht lesbare Inschrift auf dem Grabmal der Grabanlage Victor Ludwig Klopstock lautet:

Begräbniß-Stelle
von
Victor Ludwig
Klopstock
,
dessen Frau und Sohn
aus Hamburg.
Anno 1811.

Victor Ludwig Klopstock war Herausgeber zweier Zeitungen: Es waren die „Hamburgischen Addreß-Comtoir-Nachrichten” und die „Hamburgische Neue Zeitung”. Beide Blätter haben einen bedeutenden literarischen Teil.[Holger Böning: Wie man Leser glücklich macht, Zeitung „Die Zeit” 16.6.2005, Abruf 17.4.2017]

Friedrich Gottlieb Klopstock
Bild: Kirchhof der Christianskirche, Familiengrab Klopstock (9.4.2017)Foto ganz oben: Die Aufteilung in der größeren Grabanlage der Familie Friedrich Gottlieb Klopstock ist von links nach rechts:
  • Johanna Elisabeth Klopstock (Grabmal in Seitenansicht),
  • Margareta Klopstock und
  • Friedrich Gottlieb Klopstock.
Alle drei Grabmale zeigen im oberen Teil als Relief zwei über Kreuz liegende Weizengvebleibearben. Darunter steht: SAAT VON GOTT GESAET / DEM TAGE DER GARBEN ZU REIFEN.
Foto links: Die Einfriedung der Familiengrabanlage Friedrich Gottlieb Klopstock dürfte aus Grauguss bestehen. Das Foto zeigt einen Teil eines der vier Eckpfosten.
Bild: Kirchhof der Christianskirche, Familiengrab Klopstock (9.4.2017)Die Inschrift auf dem Grab seiner zweiten Frau lautet:
KLOPSTOCK'S ZWEITE GATTIN
JOHANNA ELISABETH
GEB. D. 26. JULY 1747
GEST. D. 19. JANNUAR 1821
SEINE GELIEBTE GEFÄHRTIN
UND TRÖSTERIN AUF DEM
LETZTEN LEBENSWEGE
METAS LIEBLING, AN HERZ
UND GEIST IHR ÄHNLICH.
DA WO DER TOD NICHT IST
FREUET SIE SICH DES
WIEDERSEHENS DERER, DIE
SIE NUN HIMLISCH LIEBEN.
Auch auf dem Grabmal für die erste Frau des Dichters ist viel zu lesen:
MARGARETHA KLOPSTOCK
ERWARTET DA, WO DER TOD NICHT IST,
IHREN FREUND, IHREN GELIEBTEN, IHREN MANN,
DEN SIE SO SEHR LIEBT,
UND VON DEM SIE SO SEHR GELIEBT WIRD.
ABER HIER AUS DIESEM GRABE
WOLLEN WIR MIT EINANDER AUFERSTEHEN,
DU, MEIN KLOPSTOCK UND ICH UND UNSER SOHN
DEN ICH DIR NICHT GEBÄHREN KONNTE.
BETET DEN AN
DER AUCH GESTORBEN, BEGRABEN UND AUFERSTANDEN IST.
SIE WARD GEBOHREN DEN 16. MÄRZ 1728,
VERHEIRATHET DEN 10. JUNIUS 1754
UND STARB DEN 28. NOVEMBER 1758.
IHR SOHN SCHLUMMERT IN IHREM ARME.

Frau Klopstock hatte eine Totgeburt. Auch sie verstarb im Kindbett. Sie wurde zusammen mit ihrem toten Sohn am 4.12.1758 im Familiengrab ihrer Eltern auf dem Kirchhof von St. Nikolai beigesetzt. Durch einen Beauftragten ließ Klopstock am 20.5.1759 die Grabstätte in Ottensen erwerben. Im Kirchenbuch steht dazu: ...dergestalt und dergestalt und also daß sothanes Begräbnis für ihn und seine Erben zu ewigen Tagen verbleibe, auch nach des letzten Tode, solange der Wind wehet und der Hahn krehet uneröffnet bleiben soll.[205, Seite 9] Der Sarg wurde am 14.6.1759 nach Ottensen überführt und am nächsten Tag dort beigesetzt.

Am 6.12.1759 pflanzten Frau Klopstocks Schwestern Elisabeth Schmidt (*1722; †1788) und Catharina Margaretha Dimpfel geb. Moller (*5.4.1724; †18.12.1773) am Kopfende des Grabes zwei Linden. Ende der beiden Linden ist schon bald eingegangen.[203, Seite 28] Die andere Linde steht noch immer - ihr Stamm ist im dem obersten Foto auf dieser Seite deutlich sichtbar (Stand 9.4.2017).

Erst 1791 heiratete Friedrich Gottlieb Klopstock erneut. Seine zweite Frau war eine Nichte seine ersten Frau und 23 Jahre jünger als er: Es war die Hamburgerin Johanna Elisabeth Dimpfel verw. von Winthem.

Ein Jahr nach der Beisetzung seiner ersten Frau veröffentlichte Friedrich Gottlieb Klopstock die „Hinterlaßne Schriften von Margaretha Klopstock”. Die Schreibweise ihres Vornamens war leicht modifiziert.

Die Einleitung dazu textete Friedrich Gottlieb Klopstock und datierte sie auf den 10.4.1759:

Sie ist noch nicht an der Stelle begraben, wo ich einmal bey ihr zu ruhen wünsche. Ich will unser Grab in Ottensen, oder auf einem anderen Dorfkirchhofe weiter an der Elbe hinauf, machen lassen. Ich werde eine schöne Gegend um derer willen aussuchen, die sich im Frühlinge der Auferstehung freuen mögen. Aus eben dieser Absicht, und nicht aus Eitelkeit, ein sehr simples Grabmal auszuschmücken, habe ich Ihre beyden Schwestern, und Ihre liebste Freundinn gebeten, die ersten, zwo Bäume bey das Grab zu setzen, und die letzte, Feldblümchen darauf zu unterhalten. Auf den in die Höhe gerichteten Grabstein sollen zwo unordentlich über einander liegende Weizengarben gemacht werden. Unter diesen steht: »Saat, von Gott gesät, dem Tag der Garben zu reifen!« In der Mitte des Grabsteins: »Margaretha Klopstock erwartet da, wo der Tod nicht ist ....

010 Fuß im Quadrat und 2 Fuß vor die beeden Lindenbäume steht in dem Grabbrief über die Größe des Grabes und die Stelle für die beiden Lindenbäume.

Es existiert ein auf 1803 datiertes Foto von der Grabanlage. Es zeigt die Grabanlage noch ohne das sie umfassende Gitter.

Benutzte Quelle: 203, Seite 28

Friedrich Gottlieb Klopstock hat sich demnach intensiv mit der Lage und Gestaltung des Grabes beschäftigt.

Bild: Kirchhof der Christianskirche, Familiengrab Klopstock (9.4.2017) Bild: Kirchhof der Christianskirche, Familiengrab Klopstock (9.4.2017)
Das mittlerweile renovierungsbedürftige Relief auf dem Grabmal für Friedrich Gottlieb Klopstock wurde von Philipp Jacob Scheffauer geschaffen.[Franziska Gevert, Dirk Meyhöfer: Reclams Städteführer Hamburg, Stuttgart 2015]

Das sich auf die Urne stützende Mädchen verkörpert die trauernden Religion.

Der lange Text auf der Schrifttafel lautet:

BEY SEINER META UND BEY SEINEM KINDE RUHET
FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK
ER WARD GEBOREN D: 2. JULY 1724.
ER STARB D: 14. MÄRZ 1803.
DEUTSCHE, NAHET MIT EHRFURCHT UND MIT LIEBE
DER HÜLLE EURES GRÖSTEN DICHTERS
NAHET, IHR CHRISTEN, MIT WEHMUTH UND MIT WONNE
DER RUHESTÄTTE DES HEILIGEN SÄNGERS,
DESSEN GESANG, LEBEN UND TOD JESUM CHRISTUM PRIESS
ER SANG DEN MENSCHEN MENSCHLICH DEN EWIGEN,
DEN MITTLER GOTTES. UNTEN AM THRONE LIEGT
SEIN GROSSER LOHN IHM, EINE GOLDNE
HEILIGE SCHALE VOLL CHRISTENTHRÄNEN.
SEINE ZWEITE LIEBENDE UND GELIEBTE GATTIN
JOHANNA ELISABETH, SETZTE DIESEN STEIN,
ANBETEND DEN, DER FÜR UNS LEBTE, STARB,
BEGRABEN WARD UND AUFERSTAND.

Letztes Upload: 19.04.2017 um 19:47:37