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Ohlsdorfer Friedhof • Links und rechts der Cordesallee:
Grabmal Wichmann und Grabsymbole

Friedrich Jasper & Hein Köllisch Der Galvanoengel auf dem Familiengrab Waldbauer ex Wehrhahn
Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Wichmann (6.1.2003)
Das Grab der Familie Wichmann steht seit 1907 an dem hochgelegenen Verbindungsweg zwischen der Christusstatue und dem Cordesbrunnen. Es eignet sich gut zur Beschreibung der Grabsymbole, die man an vielen Grabmalen findet- allerdings nicht immer in dieser Fülle.

Der Engel trägt, wie es das Faltblatt „Ohlsdorfer Engel” der Friedhofsverwaltung (Hamburger Friedhöfe - AöR) besagt, einen germanischen Flügelhelm und ist in seiner Art auf dem Friedhof einzigartig. Ich glaube, es ist der einzige Friedhofsengel in Ohlsdorf, der überhaupt eine Kopfbedeckung trägt! Die Flügel am Helm sollen wohl auf seine Funktion als göttlicher bzw. himmlischer Bote hinweisen (der Götterbote Hermes trägt ebenfalls eine mit Flügeln versehene Kopfbedeckung). Der Engel ist männlich, und in Verbindung mit einer Sanduhr (oder Stundenglas) und einer Rose dargestellt. Die Verbindung männlicher Engel und Sanduhr besagt: Dieser Engel ist ein Todesengel. Die Rose bedeutet: Liebe und Treue über den Tod hinaus. Diese Bedeutung der Rose entspringt aus der griechischen Götterlehre.

Rosen und Anemonen:

Laut der griechischen Götterlehre entstanden die Rosen aus dem Blut der Göttin der Liebe, der Schönheit, des Frühlings, des Meeres und des Seeverkehrs. Die Anemonen entstanden aus dem Blut des schönen Königsohnes Adonis, in den sie sich verliebt hatte. Sie ahnte sein Schicksal voraus, und bat ihn, nicht mehr auf die Jagd zu gehen. Er tat es aber doch und wurde dabei von einem Eber getötet.

Aphrodite suchte seinen Leichnam. Dabei verletzte sie sich an den dornigen Sträuchern im Wald. Aus ihren Blutstropfen, die zur Erde fielen, wurden Rosen.

Aus dem Blut des toten Adonis ließ sie Anemonen sprießen.

Sie erreichte beim Göttervater Zeus, dass Adonis nur einen Teil des Jahres in der Unterwelt weilen musste. Die übrige Zeit durfte er sich in der Oberwelt der Liebe Aphrodites erfreuen.

In dieser Sage erblickte man in den Anemonen ein Sinnbild des Absterbens und Wiedererwachens der Natur. Die Rose gilt als Zeichen der Liebe und ewiger Treue, denn sie blüht immer wieder neu.

Informationsquelle: Gustav Schwab: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums, Stuttgart, 1953

Diese Geschichte gibt es in einer weiteren, aber ähnlichen Darstellung. Demnach entsprangen die Anemonen den Tränen, die Aphrodite um Adonis weinte. Die Rosen entstanden aus dem Blut des Frühlingsgottes Adonis.

Fazit: Die Rosen entstanden auf jeden Fall aus Blut, die Anemonen entstanden entweder aus Blut oder aus Tränen.

Obwohl sich Aphrodite an dornigen Sträuchern verletzt hatte, haben Rosen keine Dornen. Rosen haben Stacheln!

Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grab Wichmann, Mohnkapseln und Sanduhr (6.1.2003)

Sanduhr, Obelisk und Mohnkapseln:

Die Uhr erinnert an das Verrinnen der Lebenszeit- dies wird besonders deutlich in der Sanduhr zum Ausdruck gebracht. Ein männlicher Engel, der im Zusammenhang mit einer Sanduhr gezeigt wird, ist ein Todesengel.

Auch der Obelisk hat etwas mit der Zeit zu tun. Ein Obelisk ist ein vierkantiger, säulenartiger, an der Spitze pyramidenartig zugespitzer Stein. Er stand ursprünglich vor ägyptischen Tempeln als Sonnensymbol und er eignete sich als Schattengeber für den Schattenzeiger der Sonnenuhr.

Der Obelisk trägt als Sonnensymbol die Hoffnung in sich: Jeden Morgen, mit dem Sonnenaufgang, entsteht das Leben neu.

In der linken Hand hält der Todesengel drei Mohnkapseln. Mohn bringt den Schlaf. Das Symbol drückt Hoffnung aus, denn auch dem tiefstmöglichen Schlaf, dem Todesschlaf, folgt ein Erwachen.

Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grab Wichmann, sich verzehrende Schlange (6.1.2003)

Sich verzehrende Schlange und Kranz:

Die sich selbst verzehrende Schlange oberhalb des Todesengels symbolisiert in augenscheinlicher Form den Kreislauf des Lebens. Es ist ein ägyptisches Motiv. Wichtig für das Kreuzworträtsel: Der Fachausdruck lautet Ouroboros. In meinen Lexika steht dies Wort nicht drin.

Der Kranz -ich habe an dem Grab Wichmann keine Darstellung eines Kranzes gefunden- drückt durch seinen Kreis (Aufstieg, Höhe- oder Scheitelpunkt, Abstieg) das Gleiche aus, wie „Werden- Sein- Vergehn”. Der Kranz ist in sich geschlossen: Das Leben beginnt neu, es ist ein Kreislauf.

Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grab Wichmann, Rose und Sanduhr (6.1.2003)

Schmetterling:

Die Schmetterlinge befinden sich an den Pfeilern vor dem Grab.

Der Werdegang des Schmetterlings symbolisiert den Übergang, nicht das Ende. Denn die verpuppte Raupe, deren leere Körperhülle im Kokon verbleibt, entsteht als Schmetterling neu. Oder: Die Seele entflieht dem Körper als Schmetterling, vergleichbar als Biene oder als Vogel.


Letztes Upload: 24.08.2017 um 13:29:22