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Ohlsdorfer Friedhof • Beim Wasserturm an der Cordesallee:
Die Grabwand für Siegfried Wedells

Die Cholora von 1892 Werden - Sein - Vergehn
Die wohl 5 m breite Grabwand Wedells steht an der Cordesallee bei deren Kreuzung mit Waldstraße und Oberstraße. Vor einigen Jahren war das Denkmal verfallen und hinter Büschen versteckt. Die Büsche wurden entfernt, das Denkmal wurde renoviert. Seitdem kann man es nicht übersehen.

So erblickt man die Grabwand Wedells von der Cordesallee aus:

Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabwand Wedells (26.3.2011)
Links und rechts ein Relief und oben ein Gesims rahmen die versinnbildlichte Mutter Natur ein.
Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabwand Wedells (26.3.2011)
Mutter Natur spielt sichtbar entspannt mit zwei Wassergefäßen. Eines der beiden Gefäße ist umgekippt. Das andere Gefäß könnte jederzeit umkippen, denn es wird nur mit den Fingerspitzen gehalten. An der Schmalseite der Grundplatte am Fußende hat sich der Bildhauer Walther Schmarje mit dem Jahre 1919 vermerkt.

An der Interpretation des Grabmals kann man sich die Zähne ausbeißen. Der Bildhauer Walther Schmarje (*16.8.1872 Flensburg; †6.11.1921 Berlin) hatte es 1913/14 noch zu Lebzeiten von Siegfried Wedells (*17.10.1848 Hamburg; †4.6.1919 Hamburg) geschaffen. Unterstellt wird, dass die mit den Wassergefäßen träumerisch hantierende Mutter Erde oder Mutter Natur symbolisieren soll. Dies wird durch den Spruch an der Grundplatte bekräftigt:
„Aus mir fließt alles * kehrt zu mir zurück * so Tod wie Leben * Menschenleid und Glück”.

Weiterhin wird unterstellt, dass die Statue der Erdenmutter auf einem (wohl symbolischen) Sarkophag steht. Falls das so ist, so handelt es sich hier um einen sehr schlichten Sarkophag. Eher könnte es sich um einen geschmückten Sockel handeln. Die vom Sockel getrennte Grundplatte der Skulptur deutet darauf hin, dass die Skulptur unabhängig vom Sockel und somit wohl auch unabhängig von der Grabwand entstanden ist.

1 Bild: Linkes Relief am Grabmal Wedells (26.3.2011) Bild: Rechtes Relief am Grabmal Wedells (26.3.2011)4
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Unterstellt wird, dass die Reliefdarstellungen Handel und Kultur (gemeint dürfte Kunst sein) betreffen. Somit könnten man versucht sein, die sechs dargestellten tätigen Personen wie folgt zuzuordnen:

links rechts
1. Lagern /Stapeln 4. Kunst sammeln
2. Transport von Gütern
im Nahbereich
5. Fortschaffen der Jagdbeute
3. Administration 6. Lenken eines Frachtschiffes

Nun stellt sich die Frage: Kann man jede Person einzeln betrachten, oder kann man mehrere Personen zu Gruppen zusammenfassen? Falls ja, wie kann man sie zusammenfassen?

Auf den ersten Blick könnte man auf die Idee kommen, dass 1 und 2 einen Maurer und den Transport von Mauersteinen darstellen. Allerdings weist bei 1 nichts darauf hin, dass hier ein Maurer am Werk ist. Die quaderförmigen Gegenstände bei 1 sind deutlich größer als das quaderförmige Tragegut bei 2.

Eine vertikale Gliederung in 1-2-3 und 4-5-6 ergibt kaum einen Sinn.

Für eine horizontale Gruppierung in 1-4, 2-5 und 3-6 spricht die Ausrichtung und der Hund (1-4 zueinander, 5-2 auseinander und mit Hund, 3-6 zueinander). Gruppiert von unten nach oben ergäbe sich:

• 3-6 für Reederei und Seefahrt.
• 2-5 für Warentransport oder Wareneinkauf. Die beiden beteiligten Männer gehen nicht aufeinander zu, so dass die Interpretation „Warenaustausch” entfällt.
• 1-4 für Lagerung und Verwaltung.

Eine möglicher Bezug zur Kultur (im Sinne von Kunst) ist lediglich bei 4 gegeben. Hier sitzt der Mann auf einer Büste und betrachtet das gerahmte Bildnis eines Engels. Aber wird der Kopf der Büste nicht von einem Helm bedeckt? Ist gar der Flügelhelm von Merkur gemeint? Dann würde sich auch diese Darstellung auf den Handel beziehen!

Ich habe meine laienhaften Versuche, die faszinierenden Darstellungen zu interpretieren, eingestellt. Vielleicht stoße ich einmal auf eine Interpretation, mit der ich einig gehen kann!


Hinweise auf weitere Websites:

Die aufgeführten Weblinks enthalten auch bibliografische Informationen. Diese seien hier kurz zusammengefasst:
Siegfried Wedells war materiell als Großhändler mit Gütern des gehobenen Bedarfs erfolgreich. Er hatte keine Nachkommen. Deshalb brachte er seine umfangreiche Gemäldesammlung in die „Stiftung Siegfried Wedells” ein. Er vererbte ein Kapital von 0,4 Mio. Mark (umgerechnet auf 2010 etwa €1,5 Mio.), sein Palais in der Neuen Rabenstraße und die Stiftung an die Freie und Hansestadt Hamburg.

Klaus Mühlfried schreibt in seiner Dissertation Baukunst als Ausdruck politischer Gesinnung – Martin Haller und sein Wirken in Hamburg, Hamburg 2005, Seite 644:
Sieht man davon ab, dass der Bauherr Junggeselle war, so kann man das Haus Wedells als das Bauwerk ansehen, das am stärksten zum Ausdruck bringt, was ein Stadtpalais Hallerscher Prägung ausmacht. Wedells war einer der bedeutendsten Kunstsammler im Hamburg seiner Zeit, und genau so wünschte sich Haller seine Auftraggeber.


Letztes Upload: 12.04.2017 um 07:10:54