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Ohlsdorfer Friedhof • Beim Wasserturm an der Cordesallee:
Grabmale Blohm (Q25,28-35) und Voss (T23,33-50)

Bild: Ohlsdorfer Friedhof, Grabmal Familie Hermann Blohm
Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Familie Voss
Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Familie Voss Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Familie Voss
Oberstes Foto: Familiengrab Blohm

Alle weiteren Fotos: Familiengrab Voss. Das Foto links zeigt die Statue im Zustand von Ende November 2002.


Adolph Hermann Blohm und Ernst C. Voss gründen am 5. April 1877 die Schiffswerft und Maschinenfabrik Blohm & Voss als Offene Handelsgesellschaft. Der Standort der Werft war eine Schlachtviehweide auf der Elbinsel Kuhwerder.

Die 1955 daraus hervorgegangene Blohm & Voss AG ist die einzige Großwerft, die in Hamburg das Sterben der Werften überlebt hat.

Das Familiengrab von Adolph Hermann Blohm (*1848; †1930) im Planfeld Q25,28-35 ist geradezu typisch für einen Schiffsbauer: eine einfache, nüchterne, grundsolide Konstruktion, an der nichts beschädigt werden kann.

Man findet das Grab, wenn man dem Gräberpfad, der zwischen den Gräbern Franz Bach und Hertz nach Norden führt, folgt. Das Grabmal der Familie des Werftbesitzers Ernst C.Voss (1842-1920) befindet sich im Planquadrat T23,33-50, etwa 500 m entfernt. Die Marmorstatue ist mit „J. Moser 1907” signiert. Auf dem Kissenstein von Ernst C.Voss steht:

Meinem teuren Gatten
Ernst Voss, 12.Jan.1842-1.Aug.1920

Aus den Anfangsjahren von Blohm & Voss

Am 5. April 1877 ließen der Schiffsbauer Hermann Blohm und der Maschinenbauer Ernst Voss beim Amtsgericht Hamburg ihre „Kuhwärder Schiffswerft” eintragen. Der Doppelname Blohm & Voss wurde ein Gütezeichen für vollendet konstruierte Schiffe. Heute werden dort jedoch keine Frachter mehr gebaut. Man hat sich auf Luxusjachten, Korvetten und Fregatten spezialisiert.

Hermann Blohm und Maschinenbauer Ernst Voss hatten sich 1875 bei der HAPAG getroffen. Sie entschlossen sich, eine Werft für eiserne Schiffe zu errichten. Bis dahin ließen die Hamburger Reeder ihre eisernen Schiffe in England bauen. Beide, Blohm und Voss, waren bereits in England gewesen und hatten sich dort über den Eisenschiffbau informiert.

Hermann Blohm war der Sohn eines wohlhabenden Exportkaufmanns aus Lübeck. Er war studierter Diplom-Ingenieur mit einem dreijährigen Aufenthalt in England nach seinem Studium. Er wollte in Lübeck eine Werft gründen, aber die dortige Verwaltung war davon nicht angetan.

Ernst Voss war der Sohn eines dänischen Dorfschmieds aus Rendsburg. Er hatte als Maschinenbau-Ingenieur in England und später als Lloyds Surveyor in Hamburg gearbeitet.

Beide stiegen groß ein. Sie begannen, auf den sumpfigen und oft überfluteten Wiesen Kuhwerders ihre Werft mit Hellings, Werkstätten, Kesselhaus, sonstigen Gebäuden, Ausrüstungskai und vier Slipways zu errichten. Blohm hatte von seinem Vater ein stolzes Darlehen bzw. vorweg genommenes Erbe von 425000 Goldmark erhalten. Es gelang, Stanzen, Lochmaschinen und Kräne von einer in Sunderland in Konkurs gegangenen Werft zu erwerben. Bereits im Herbst 1877 schob Vater Blohm weitere 500000 Goldmark in das Unternehmen. Allerdings hatte die zukünftige Werft bis dahin keinen einzigen Auftrag an Land ziehen können!

Ein weiteres Problem war die Rekrutierung von Fachpersonal. In der damaligen Gründerzeit war es in Hamburg nicht zu bekommen. Blohm holte die Zimmerer aus Rostock, die Spantenbieger, Winkelschmieder und Nieter aus England. Auch Voss holte aus seiner Heimat bei Rendsburg Arbeiter nach Hamburg,

Ende 1877 war die Werft produktionsbereit, aber es gab immer noch keinen Auftrag. Man baute auf eigene Rechnung ein eisernes Segelschiff. Es wurde nach Fertigstellung vom Reeder Amsinck für 240000 Goldmark gekauft. Der Verlust für die Werft betrug 53000 Goldmark.

Endlich, Ende 1878 kam der erste Auftrag. Die „Stader-Altländer Dampfschiffahrt- und Reederei-Gesellschaft” bestellte einen 43,65 m langen Raddampfer. Er wurde ein Jahr später mit der Baunummer 2 als „Elbe” abgeliefert und war bis 1929 in Betrieb. Es folgte ein 700-Tonnen-Frachter für einen Danziger Reeder, 14 kleine Baggerschuten für die Stadt Hamburg und zwei 530-Tonnen Frachter für die Bremer Reederei Neptun.

Es gelang jedoch zunächst nicht, einen Auftrag von einer Hamburger Reederei zu ergattern. Man baute erneut ein Schiff auf eigene Rechnung: Es war ein Kombifrachter für 1800 Tonnen Ladung und 320 Passagiere. Mit viel Mühe gelang es, dies Schiff im Frühjahr 1881 wiederum an Amsinck zu verkaufen.

Mitte der 1880er Jahre hatte die Werft Fuß gefasst. Es waren sogar Aufträge Hamburger Reeder ausgeführt worden!

Blohm und Voss baute so berühmte Passagierschiffe wie die

  • Vaterland, 1913, 54282 BRT
  • Bismarck, Stapellauf 1914, Fertigstellung 1922 als „Majestic” für die White Star Line, ca. 56000 BRT
  • Cap Arcona, 1927, 27560 BRT
  • Europa, 1930, 49746 BRT
  • Pretoria und Windhuk, 1936 und 1937, 16662 BRT
  •  i Wilhelm Gustloff, 1938, 25484 BRT
  • Wappen von Hamburg III, 1955. Dies Seebäderschiff war für die Werft der erste Auftrag für ein Seeschiff nach dem zweiten Weltkrieg. Es existiert noch immer. Im Mai 2004 lag es in Los Angeles, hatte den Namen „Xanadu 2” (am Bug stand jedoch „Faithful”) und stand zum Verkauf. 2010 hieß das Schiff „Aurora” und wurde von Privatleuten in San Francisco restauriert (siehe http://maritimematters.com/2011/08/lady-in-a-jam-the-latest-in-the-aurora-saga/)
Aber auch das Schlachtschiff „Bismarck” (Inbetriebnahme und Versenkung 1941) und das jetzige Segelschulschiff der Bundesmarine „Gorch Fock” (1958) entstanden auf dieser Werft.

Noch 2010 gehört die Werft Blohm und Voss zum Thyssen-Krupp-Konzern. Mitte September 2011 äußerten sowohl die in Bremen-Vegesack ansässige Lürssen-Werft als auch der britische Private-Equity-Fonds Star Capital Partners Interesse an einer teilweisen Übernahme. Im Dezember 2011 stimmte ThyssenKrupp dem Verkauf des zivilen Teil der Werft mit knapp 1500 Beschäftigte an den britische Private-Equity-Fonds Star Capital Partners zu. Der Verkauf wurde am 27. Februar 2012 abgeschlossen. Anfang 2013 verkaufte Star Capital ihre Erwerbung an die SKF-Gruppe.

Der Marineschiffbau blieb bei Thyssen Krupp. Zum Jahresbeginn 2013 wurde der militärisch ausgerichtete Teil der ehemaligen Werft Blohm und Voss ein Teil der ThyssenKrupp Marine Systems GmbH (TKMS). Beschäftigt waren Anfang 2913 etwa 3900 Mitarbeiter: in Kiel 2180, in Hamburg 320, in Emden 300 und in Schweden 1100.[Artikel „Firmenname HDW ist Geschichte – jetzt ThyssenKrupp”, Hamburger Abendblatt, Schleswig-Holstein-Ausgabe, 2.1.2013]


Letztes Upload: 18.05.2017 um 06:49:20