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Ohlsdorfer Friedhof • Krematorium und Nebenallee:
Grabmal Lippert (U23,21-35)

Das Grabmal Bonne/Reye Der Lippertplatz
Bild: Ohlsdorfer Friedhof, Familiengrab Lippert (16.3.2003)
Bild: Ohlsdorfer Friedhof, Familiengrab Lippert (16.3.2003)
Bild: Ohlsdorfer Friedhof, Familiengrab Lippert (16.3.2003)
Bild: Ohlsdorfer Friedhof, Familiengrab Lippert (16.3.2003)
Bild: Ohlsdorfer Friedhof, Familiengrab Lippert (16.3.2003)
Die Nebenallee kreuzt die Waldstraße. An dieser Kreuzung sollten wir uns ein wenig von der Nebenallee nach rechts (nach Süden) in Richtung auf den freien Platz mit der großen Grünfläche hin bewegen: Genau dort steht das wohl schönste Grabmal des gesamten Ohlsdorfer Friedhofs. Es ist das Familiengrab Lippert in Planfeld U23,21-35.

Hier ruhen Eduard Amandus Lippert (*1844; †1925, Kaufmann und Philantrop) und Marie Anne Lippert (*1854; †1897, Gutsherrin und Stifterin).

Das Grabmal mit der kaum noch zu identifizierbaren Schrift wirkt durch sein Material (weißer Marmor) und durch die herrlichen Reliefdarstellungen des Lebens der Marie Anne Lippert in Afrika und in Hamburg. Der Bildhauer war Johannes Schilling (*1828; †1910), die Architekten waren Martin Haller und Hermann Geißler(*1859; †1939).

Das Wort Philantrop ist griechisch und bedeutet Menschenfreund. Im 18.Jahrhundert war es die Bezeichnung von Pädagogen, die als Grundsatz der Erziehung freie naturgemäße Entwicklung und als Triebfeder die Menschenliebe annahmen. Mit diesem Wissen lassen sich die Reliefdarstellungen besser verstehen.

Bild: Ohlsdorfer Friedhof, Familiengrab Lippert (23.5.2009)
Im Mittelteil des Denkmals nehmen Marie Anna Lippert und ihr Gatte Eduard Lippert voneinander Abschied. Auch der Altersunterschied von 10 Jahren ist in der Darstellung zu erkennen.

Das linke Seitenteil des Denkmals zeigt Frau Lippert im südlichen Afrika. Offensichtlich schreibt sie gerade in ihrem „Tagebuch aus dem Matabeneland”. Das Matabeleland ist eine Region im Süden der heutigen Republik Simbabwe.

Im rechten Seitenteil wird das wohltätige Wirken von Frau Lippert und das von ihr gestifteten Waisenhaus in der Poppenbüttler Hauptstraße 25 dargestellt (das Haus steht noch).

Ebenfalls an der Poppenbüttler Landstraße, in einem großen Park zur Alster hin gelegen, befindet sich das Gut Hohenbuchen. Eduard Lippert erwarb es 1896. Das Ehepaar richtete es als Genesungsheim für Kinder bis zum 6. Lebensjahr ein.

Nach dem Tod seiner Frau führte Eduard Lippert das wohltätige Werk fort. Außerdem nutzte er bis 1914 die Anlagen des Gutes Hohenbuchen zur Karpfenzucht, als Fischbrutanstalt für Forelleneier und zur Produktion der keimfreien und fettreichen Kindermilch „Kontroll-Kindermilch Hohenbuchen”. Der Gutshof umfasste zunächst 65 ha Gesamtfläche, davon 40 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Er erweiterte die Landwirtschaftsfläche bis auf 147 ha. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg besaß er 142 Milchkühe.[Biografie Marie Anne Lippert]


Literaturhinweis: Henning Albrecht: Alfred Beit, Hamburger und Diamantenkönig, Hamburg 2011. Der Link verweist auf den kostenfreien Download im PDF-Format. Hinsichtlich der Familie Lippert sind die Seiten 61 bis 65 besonders interessant. Sie beschreiben das Verhältnis zwischen Cecil Rhodes und Eduard Lippert. Auf Seite 62 ist ein Foto von Eduard Lippert zu finden. Eduard Lippert war ein Cousin von Alfred Beit (*15.2.1853 Hamburg; †16.7.1906 Landsitz Tewin Waters, Grafschaft Hertfordshire).
Eduard Lippert und die Hamburger Sternwarte
Eduard Lippert war von der Astronomie begeistert. Auf seinem Landgut Hohenbuchen im damals preußischen Poppenbüttel bei Hamburg wollte er sich eingehend mit Astronomie befassen.

1899 suchte er die Hamburger Sternwarte auf und ließ sich beraten. Daraufhin beschloss er, seine bereits geplante Anschaffung eines größeren Fernrohrs und den Bau eines besonderen Kuppelgebäudes in Hohenbuchen noch zu verschieben. Statt dessen erwarb er einen Steinheilschen Kometensucher von 136 mm Öffnung. Von der Firma A. Repsold & Söhne ließ er dafür einen geeigneten Drehstuhl bauen. Den so ausgestatteten Kometensucher stellte Lippert auf den Turm seines Hauses in Hohenbuchen. Der Turm war mit einem abfahrbaren Dach versehenen. Lippert führte von hier aus fortlaufend astronomische Beobachtungen durch.

Die Hamburger Sternwarte sollte vom Holstenwall in Hamburg nach Bergedorf verlegt werden. Lippert erbot sich 1903, der geplanten neuen Sternwarte ein größeres fotografisches Fernrohr zu stiften: Ich bin der Überzeugung, dass dieses Instrument für die astronomische Wissenschaft mehr leisten wird, wenn es auf der neuen Sternwarte in Bergedorf und nicht bei mir in Hohenbuchen zur Aufstellung gelangt.

So kam die Bergedorfer Sternwarte zu einem von Carl Zeiß erbaute fotografischen Fernrohr bestehend aus Normalrefraktor mit UV-Triplet (340/3438 mm, Inbetriebnahme 1911) und zwei kurzbrennweitigen Rohren (300/1500 mm, Inbetriebnahme 1914) mit Objektivprisma. Es erhielt den Namen „Lippert-Astrograph”.

Der erste mit dem Lippert-Astrographen entdeckten Zwergplanet wurde „Lipperta” benannt. Er wurde am 26.11.1916 vom russischen Astronomen K. Gyllenberg entdeckt. Lipperta hat 52 km Durchmesser, umläuft unsere Sonne etwa alle 5½ Jahre und hat eine Umlaufgeschwindigkeit von 16,86 km/s.

1914 gab Lippert seinen Landsitz in Hohenbuchen auf und siedelte nach Hamburg um. Den vorhandenen Kometensucher schenkte er der Sternwarte. Den Sternenhimmel betrachtete er nun mit einem Zeißschen Dreizöller vom Balkon seiner Stadtwohnung aus.


Quellen: Nachruf nach Eduard Lipperts Tod im Anhang zum Jahresbericht der Hamburger Sternwarte 1925 und Stichwort „Hamburger Sternwarte” bei Wikipedia.

Letztes Upload: 12.04.2017 um 12:30:10