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Ohlsdorfer Friedhof • Krematorium und Nebenallee:
Oberingenieur Franz Andreas Meyer (U22,56-67,125)

Das Familiengrab Gotthilf Rudolph Bieber Familiengrab Breuer
Vom Familiengrab Lippert aus ist es auch nicht weit zum Familiengrab Meyer. Man geht die Kapellenstraße Richtung Westen wenige Meter und sieht auf der rechten (östlichen) Straßenseite gut versteckt hinter einem Baum in den Rhododendren einen großen Findling. Am Findling ist das große runde Porträtmedaillon eines Herrn mit Vollbart und die Aufschrift „Oberingenieur Franz Andreas Meyer” angebracht. Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Franz Andreas Meyer (2003)
Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Franz Andreas Meyer (2003)
Im Zusammenhang mit dem Ohlsdorfer Friedhof und den Personen, die ihn formten, denkt man immer an die Friedhofsdirektoren Cordes und Linne. Der Oberingenieur Meyer wird dabei leicht vergessen, obwohl er an der Gestaltung des Friedhofs wesentlichen Anteil hat. Ebenso leicht wird der Medizinalinspektor Dr. Kraus vergessen.

Franz Andreas Meyer (*6.12.1837; †17.3.1901) wurde in Hamburg geboren. Er besuchte ab 1854 die polytechnische Schule in Hannover. Ende 1860 wurde er Mitarbeiter der bremischen Eisenbahndeputation. 1862, wieder in Hamburg, war er Kondukteur (damals eine Berufsbezeichnung u.a. für Bauaufseher) der Hamburgischen Schiffahrts- und Hafendeputation. 1868 wurde er Bezirksingenieur der inneren Stadt, 1872 Oberingenieur der Baudeputation. 1876 wurde er zweiter, 1885 bis 1891 war er erster Vorsitzender des Architekten- und Ingenieurvereins.

Als Oberingenieur, und somit als Nachfolger von William Lindley, war er verantwortlich für das Bauwesen im technischen Bereich und für den Städtebau. Die Bauleitung lag zu dieser Zeit bei den Architekten Wilhelm Emil Meerwein, Bernhard Hanssen, Hugo Stammann und Gustav Zinnow.

Oberingenieur Meyer hatte die Planung des Friedhofs übernommen. Er hatte den Waldgürtel geplant, in dem sich die meisten der großen Grabstätten befinden. Die ersten Beisetzungen (ab dem 1.Juli 1877) fanden bereits statt, bevor Wilhelm Cordes Mitte 1879 als Friedhofsverwalter eingesetzt wurde. Auch das Koordinatensystem mit den Planfeldern wurde von Meyer angeregt. Er hatte es vom Londoner Stadtfriedhof bei Little Ilford, im Londoner Westen bei Ilford, übernommen.

Über den Ausbau des Ohlsdorfer Friedhofs hatten Cordes und Meyer sehr unterschiedliche Vorstellungen. Beide dürften sich ziemlich gekappelt haben. Cordes hatte sich hier durchgesetzt. Vermutlich konnte sich Meyer nicht sehr intensiv um den Friedhof kümmern, denn in diese Zeit fällt die Errichtung der Speicherstadt. Als Oberingenieur war er in diese involviert.

Meyers Plan sah vor, dass die Pferdebahn auf das Friedhofsgelände fährt. Wenn er den heutigen Friedhof sehen würde, so würde er stolz auf seine Planung sein, denn zwei öffentliche Buslinien wickeln den Nahverkehr auf dem Friedhof ab.

Naturgemäß hatte er in vielen anderen Projekten mitgewirkt. Sein größtes Projekt war die Speicherstadt. Meyer war ein Verfechter der Hannoverschen Schule, die neugotische Elemente auf Backsteinbauten übertrug. Man erkennt es noch heute an den alten (historischen) Gebäuden der Speicherstadt.

Seit 1873 hatten Medizinalinspektor Dr. Kraus und Oberingenieur Franz Andreas Meyer in verschiedenen Denkschriften wiederholt auf die Notwendigkeit einer Sandfiltration für das Trinkwasser in Hamburg hingewiesen und eine solche gefordert. Noch im Juni 1888 scheiterte ein von der Bürgerschaft bereits gebilligter Ausbau der Sandfiltration am Senat.

1892 herrschte die  i Cholera-Epidemie in Hamburg. Man machte dem Medizinalinspektor Dr. Kraus und dem Oberingenieur Meyer schwere Versäumnisse zum Vorwurf. Politisch geopfert wurde lediglich der Medizinalinspektor, denn er habe „die Epidemie zu spät bekannt gegeben und die Zahl der Erkrankungen bzw. Todesfälle in den täglich von ihm herausgegebenen statistischen Berichten zu niedrig gehalten”. Tatsächlich jedoch hatte Dr. Kraus die Epidemie amtlich am 22.8.1892 gemeldet. Dr. Kraus verlangte angesichts der gegen ihn erhobenen Vorwürfe am 7.September 1892 seine Entlassung. Dem Gesuch wurde stattgegeben. Dr. Kraus verstarb nur zwei Wochen später.

Oberingenieur Meyer blieb wohlweislich ungeschoren. Man befürchtete, das sonst herauskommen könnte, dass tatsächlich Bürgerschaft und Senat für die Verzögerung der einwandfreien Wasserversorgungen verantwortlich seien.

1891/1893 empfahl Oberingenieur Meyer den Bau einer mit Dampf betriebenen Vorort-Ringbahn nach Londoner Vorbild. Seine Baudeputation entwickelte 1898 den Plan eines Vorort-Ringbahnnetzes.

Anläßlich des Kaisergeburtstages 1895 konnte er mit Entwürfen für schwimmende Alsterinseln seine Kreativität zeigen.

Sein Name taucht in nicht weniger als drei Hamburger Straßennamen auf: Es sind in Billbrook seit 1967 die Andreas-Meyer-Brücke und seit 1924 die Andreas-Meyer-Straße. Bereits 1866 benannte Adolph Sierich die Andreasstraße nach seinem Freund und Ratgeber Franz Andreas Meyer.


Letztes Upload: 15.05.2017 um 17:05:33