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Ohlsdorf bis in die 1920er:
Ein wenig Heimatkunde

Was es in Ohlsdorf gibt und was es nicht in Ohlsdorf gibt
Der heutige Mittelpunkt des Stadtteil Ohlsdorf ist der Nahverkehrsbahnhof Ohlsdorf. Er wird von der S-Bahn und der U-Bahn gemeinsam genutzt. Die Hamburger S-Bahn betreibt in Ohlsdorf ihr Bahnbetriebswerk und ihr Instandhaltungswerk.

Die gefühlte Stadtteilgrenze zwischen Fuhlsbüttel und Ohlsdorf bzw. Alsterdorf bildet die Alster. Verwaltungsmäßig gehört jedoch ein Teil des gefühlten Fuhlsbüttels zu Ohlsdorf. Somit können auch das zum niederländischen Konzern Philips gehörende Unternehmen Philips Medical Systems DMC GmbH an der Röntgenstraße und die von der Stadt Hamburg betriebene Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel (Spitzname „Santa Fu”) Ohlsdorf zugeordnet werden.

Bereits zu Alsterdorf gehört der Kinder- und Jugendnotdienst Hamburg an der Feuerbergstraße: Die S-Bahn-Trasse bildet hier die Stadtteilgrenze zwischen Alsterdorf und Ohlsdorf.

Noch zu Ohlsdorf gehört das Famila-Kaufhaus am Eichenlohweg. Der Eichenlohweg bildet hier die Statdtteilgtenze zwischen Ohlsdorf und Steilshoop.

Vor allem ist Ohlsdorf der Stadteil der Friedhöfe. Ohlsdorf beherbergt den weltweit größten Parkfriedhof (d.h., nicht den weltweit größten Friedhof). Die jüdischen Gemeinde Hamburg hat ihren Friedhof an der Straße Ilandkoppel. Es ist der Jüdische Friedhof Ilandkoppel.

Wenn ein Hamburger sagt: „Heute fahren wir nach Ohlsdorf”, dann meint er zumeist: „Heute fahren wir zum Friedhof Ohlsdorf”.

Einschließlich der beiden Friedhöfe ist Ohlsdorf 7,2 km² groß. Davon werden allerdings knapp über 4 km² von den beiden Friedhöfen belegt. Per 31.12.2015 waren 15471 Bewohner in Ohlsdorf gemeldet. Somit ergeben sich durchschnittlich 2149 Einwohner pro km² bzw. 465 m² pro Einwohner. Allerdings wohnen die Lebenden nicht auf den Friedhöfen. Bereinigt ergibt dies 4819 Einwohner pro km² bzw. 203,3 m² pro Einwohner.



Vom Dorf Odelverstorpe zur Landgemeinde Ohlsdorf und weiter bis zur Friedhofseröffnung
Der Name Ohlsdorf wird auf „Odelverstorpe” zurückgeführt. Ein Mann namens Odulf soll das Dorf gegründet haben. Die älteste bekannte Urkunde ist vom 8.9.1303: Der Graf Adolf V. von Holstein bestätigt der Familie vom Berge die hohe und niedere Gerichtsbarkeit in Odelverstorpe. Die Familie vom Berge besaß außerdem Rechte in Farmsen, Schmachthagen, Steilshoop und Winterhude.

Das spätere Ohlsdorf wurde im 14. Jahrhundert einige Male verkauft bis es 1366 vom Kloster Herwardeshude (Harvestehude) erworben wurde. Die Zisterzienserinnen nannten ihr Kloster „In valle virginum” – Jungfrauenthal.

Ab 1525 setzte sich die Reformation in Hamburg durch. Johannes Bugenhagen wurde nach Hamburg berufen. Hier wirkte er dass er von Oktober 1528 bis Mai 1529. Er erarbeitete eine neue Kirchenordnung. Die Zisterzienserinnen widerstzten sich jedoch. Sie wurden aus Harvestehude vertrieben. Die Klostergebäude wurden auf Weisung des Hamburger Rats und der Bürgerschaft zerstört und abgebrochen. Ohlsdorf ging 1530 in den Besitz der Stiftung St. Johannis über.

Im Zuge der Reorganisation des Landbesitzes wurde 1830 Ohlsdorf der Landherrenschaft der Geestlande unterstellt. Die Landherrenschaft der Geestlande war ein Verwaltungsbezirk im früheren Hamburger Landgebiet. Sie wurde 1830 gebildet und entstand aus der Zusammenlegung der vormaligen Landherrenschaft Hamm und Horn mit derjenigen der Walddörfer und ehemals geistlichen Gebieten.[Zitiert aus der Deutschen Wikipedia, Suchbegriff &bdquo:Landherrenschaft der Geestlande” Abruf 2.4.2017]

1831 bestand Ohlsdorf aus drei größeren Hofstellen an der heutigen Alsterdorfer Straße. Die Baumbestände waren im Laufe der vorhergehenden Jahrhunderte abgeholzt worden. Als Folge war das Land verödet und nur noch als Viehweide nutzbar. 1831 wurden 193 Einwohner in Ohlsdorf gezählt. 1860 waren es 204 Einwohner. Aber dann explodierten die Einwohnerzahlen:

JahrAnzahl Einwohner
1880258
1885493
1890729
1895847
19001499

Der Grund für den Aufschwung war die Entscheidung, in Hamburg einen großemn staatlichen Zentralfriedhof weit außerhalb der (damaligen) Statdt zu bauen. 1873 wurde aus drei Mitgliedern des Senats und drei Mitgliedern der Bürgerschaft die „Commission für die Verlegung der Begräbnisplätze” ins Leben gerufen. In der Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 15.6.1874 sind 12 in Betracht genommenen Flächen aufgeführt.[200, Seite 7] Zwei Flächen in Ohlsdorf wiesen den geringsten Preis pro Scheffel Land aus und waren zudem noch geeignet:

Lageungefähre Weglänge vom DammthorGröße (Scheffel)Preis (Courant)Bemerkungen
Kilo-
meter
Fußgesamtdavon für Begräbnis-
zwecke brauchbar
pro Scheffelgesamt
Ohlsdorf30000299191durchschn.
933
ca. 279000Sandboden und genügend sandhaltiger Lehmboden.
Klein-Borstel9330008031durchschn.
1500
120000Sandboden, zur Vergößerung des Ohlsdorf Terrains angebboten.
In Hamburg wurde der Scheffel Landes mit 4204,7 m² gerechnet. Somit ergeben 2,3783 Schefffel 10000 m² bzw. 1 ha. 1 Courant entsprach 1,20 Mark.

1875 erwarb die Finanzdeputation 264 Geestscheffel von den Vollhufnern E.L.J. Möllert und H.A. Behrmann nebst Gebäuden und noch 35 weitere Scheffel.

Das auserkorene Gelände wies allerdings auch muldenförmige undurchlässige Schichten auf. Deshalb wurde die Anlage eines Entwässerungssystem erforderlich. Die dafür notwendigen Teiche tragen seither wesentlich zur reizvollen Friedhofslandschaft bei.

Fast schon heimlich fanden die ersten drei Beisetzungen auf dem neuen Zentralfriedhof Ohlsdorf am 1.7.1877 statt. Die eingeladenen Gäste versammelten sich an diesem späten Sonntagvormittag um 11°° auf dem Pferdemarkt (heute Gerhart-Hauptmann-Platz) und wurden mit vier offenen Pferdeomibussen über Uhlenhorst, Sierichstraße, Winterhude, und Alsterdorf in nur 45 Minuten nach Ohlsdorf zur Friedhofskapelle gefahren. Hier warteten bereits der Senat fast vollzählig, die Mitglieder der gemischen Commission für die Verlegung der Begräbnißplätze, zahlreiche Mitglieder der Bürgerschaft, die Vertreter der Geistlichkeit und Behörden, der Prediger des Allgemeinen Krankenhauses, Herr Pastor Kühn in Amtsornat, die Angehörigen der Verstorbenen, die Vertreter der öffentlichen Anstalten (wie die Irrenanstalt, das Allgem. Krankenhaus etc.). Begleitet von Orgelmusik wurde die Kapelle betreten. Drei reich geschmückte Särge waren aufgebahrt. Nachdem der Senat in den Bänken rechts vorm Eingang, ihm gegenüber die Bürgerschaftsmitglieder und sonstige Honoratioren und die Leidtragenden in der Mitte der Capewlle Aufstellung genommen hatten, wurde zunächst der Choral „Die wir bienieden wollen etc.” gesungen.[Hamburgischer Corrospondent, 3.7.1877]

Siehe hierzu:  i Die Kapelle 1 und der Gedenkstein zur Friedhofseröffnung



Nach der Friedhofseröffnung bis in die 1920er
Die nachfolgend abgebildete linke obere Ecke der Vermessungskarte der Baudeutation, Hamburg 1895, Blatt Barmbek zeigt die Fuhlsbüttler Straße im Bereich des Friedhofs Ohlsdorf. Die voillständige Karte ist auf www.archiv-hhnv.de abrufbar.
Bild: Ohlsdorf-Ausschnitt aus der Vermessungkarte Hamburg-Barmbek von 1895
Die Lage der meisten 1895 vorhandenen Straßen hat sich bis heute (2017) wenig verändert. Jedoch wurden einige Straßen verlängert, es sind Straßen hinzugekommen und einige Straßen gibt es nicht mehr.

Die auf der Karte weißen Bereiche werden mittlerweile alle genutzt. Dies betrifft auch den auf der Karte in hellgrau dargestellten Bereich auf dem Friedhofsgelände östlich der Fuhlsbüttler Straße.

Die folgende Tabelle gibt einige Hinweise zur Karte:

LageBezeichnung
Straßen außerhalb des Friedhofs Ohlsdorf
A7-Y12:Fuhlsbüttler Straße
C7-M5:Im Grünen Grunde (Diese Straße liegt heute etwas
weiter westlich)
Q1-M5-L9:Ohlsdorfer Straße (jetzt Alsterdorfer Straße)
M6-R10:Sommerkamp
S11-S14:Redderplatz
W12-W15-X21:Ilandkoppel
X11-X12:Feuerbergstraße
Markante Stellen außerhalb der Friedhöfe
A3-F2-J3-J5-M2:Alster, damals noch nicht kanalisiert
B8-E8:Endhaltestelle der Straßenbahn
H8: i Haus Fuhlsbüttler Straße 775 mit Wandrosette für die
Fahrleitung der Straßenbahn
J3-K4:Vogelschutzinsel im Ringkanal
J6-J8:Bahnhof Ohlsdorf (damals noch nicht gebaut)
Straßen auf dem Friedhof Ohlsdorf (heutiger Name)
L15-L21: Cordesallee
A10-J10: Talstraße
K10-21: (gekrümmt) Kapellenstraße
Markante Orte auf den Friedhöfen (jetzige Bezeichnung)
D9:Nebeneingang Fuhlsbüttler Straße
L10:Haupteingang Fuhlsbüttler Straße
C10:Bestattungsforum Ohlsdorf
C11:KZ-Opfer Mahnmal
D13:„Geheimnisvolle Kuhle an der Nebenallee”
F16:Kapelle 1
M10:schloßartiges Verwaltungsgebäude (noch nicht gebaut)
M14-M17-O16:Südteich
O15-O17-P16:Rosengarten
N1-P2:Krematorium mit zugehörigem Urnenfriedhof an der
Alsterdorfer Straße
T19:freigehaltener Platz für Kapelle 4
X20:Aussegnungshalle auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel

Die Entwicklung des Friedhofs:

Der gewählte Kartenausschnitt zeigt nicht, dass damals die Ausdehnung des Friedhofs ab der Fuhlsbüttler Straße nach Osten bereits auf der Höhe des Wasserturms an der Cordeallee abschloss.

Die Friedhofsfläche wurde von anfänglich 136 ha (1877) bis 1912 auf 195 ha allmählich vergrößert. Damals war abzusehen, dass die Belegungskapazität des Ohlsdorfer Friedhofs in einigen Jahren erschöpft sein würde. Deshalb wurde 1913/1914 von der Gemeinde Bramfeld ein im Osten an das bestehende Friedhofsgelände angrenzendes Gelände von 180 ha Größe erworben. Ende August 1917 waren von dem gesamten bisher erworbenen Friedhofsgelände 193 ha hergerichtet und acht Kapellen erbaut worden.[200, Seite 20]

Anlässlich der Verhandlungen 1913 zwischen Hamburg und Bramfeld über die Erweiterung des Ohlsdorfer Friedhofs auf das Bramfelder Gebiet wurde den Bramfeldern eine Straßenbahnlinie zum Bramfelder Dorfplatz zugesagt. Die Hamburger ließen sich mit dem Bau sehr viel Zeit, denn ein Straßenbahnanschluss Bramfelds an Hamburg hätte den Wohnwert des preußischen Bramfelds aufgewertet. Die zugesagte Straßenbahn nach Bramfeld, allerdings nicht zum Bamfelder Dorfplatz - wurde erst 1948 realisiert (Linie 9, „Rhabarberexpress”).

JahrBeisetzungenJahrBeisetzungenJahrBeisetzungen
187747318922313090712715
18781163189311394190812715
18792032189410510190913575
18804624189511458191013282
18815401189610704191114267
18825864189710937191213567
18837180189811607191313151
18848734189911841191413856
188510061190012218191513149
188612299190112281191612240
188711658190212003191714772
188811342190312465191815969
188911410190412180191913182
189011297190512652192012784
189112706190612691192112169
192213414
Die Tabelle zeigt die Anzahl der jährllichen Beisetzungen ab der Inbetriebnahme des Friedhofs Ohlsdorf bis einschließlich 1922.[Dr. Friedrich Hermann Lorenz: Die Grundwasserverhältnisse des Ohlsdorfer Friedhofs in Hamburg. Techn. Gemeindebl. 26, Seite 83f (1923)]

In diesem Zeitraum erfolgten über 500000 Beisetzungen. Der Artikel führt aus, dass es zu keiner Beeinträchtigung der Qualität des Grundwassers durch die Verwesung der Leichname gekommen sei. Dies wird auf die Bodenbeschaffenheit (Sand in wechselnder Mischung mit Ton) in Verbindung mit der Drainierung und den großzügigen Parkanlagen zurückgeführt.

Zur Anzahl der jährlichen Beisetzungen sei angemerkt:

  • 1877 war der Friedhof erst ab der Jahresmitte in Betrieb,
  • 1892 war das Jahr der Cholera,
  • Der leichte Anstieg der Beisetzungszahlen 1917 und 1918 ist auf den Ersten Weltkrieg zurückzuführen.

Die Entwicklung des Nahverkehrs in Ohlsdorf:

Über die Entwicklung des Nahverkehrs zum und auf dem Friedhofs Ohlsdorf ist in  i Der Ohlsdorfer Friedhof und der Nahverkehr eine Zusammenstellung vorhanden. Der Friedhof entwickelte sich zu einem Ausflugsziel - der Verkehr zum Friedhof an Sonn-und Feiertagen war erheblich stärker als an den Werktage.

Speziell mit der S-Bahn in Hamburg-Ohlsdorf beschäftigt sich der  i Ohlsdorfer Vertrag vom 10./12.12.1904.

In Zeitraum von 1917 bis 1924 erfolgte die recht gestückelt realisierte Inbetriebnahme der S-Bahn zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel. Deren Ablauf ist in  i Die Alstertalbahn zusammengefasst.


Die Kanalisation der Unteralster:

Bild: Fuhlsbüttler Schleuse (18.5.2003)
Die 1914 gebaute Fuhlsbüttler Schleuse am 18.5.2003
Die auf dem Foto gezeigte Fuhlsbüttler Schleuse besaß eine 28 m lange Schleusenkammer. Im Spätsommer 2011 wurde die Schleuse weitgehend abgerissen. Die alte Schleuse wurde durch eine 2013 fertiggestellte Stauschleuse ersetzt.
Bild: Hasenbergbrücke und St. Marien (12.5.2003
Die evangelische Kirche St. Marien bei der Hasenbergbrücke an der Alster am 18.5.2003
Auf dem Kartenausschnitt von 1895 (weiter oben) schlängelt sich die Alster durch ihr naturbelassenes Flussbett. Jedoch wurde der Alsterlauf zwischen Hudtwalckerstraße und Fuhlsbüttler Schleuse ab 1913 bis 1926(?) begradigt und kanalisiert. Der markante 47 m hohe Kirchturm gehört zur 1960 geweihten evangelischen Kirche St. Marien. Die Brücke ist der 1999/2000 errichtete Ersatz für die 1913 gebaute Haenbergbrücke. Sie sieht genauso aus wie ihr Vorgänger. Die Brücke führt unmittelbar unterhalb der Fühlsbüttler Schleuse über die Alster.

Die Wasserfläche ist die kanalisierte Unteralster.


Letztes Upload: 15.05.2017 um 17:05:33