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Ohlsdorfer Friedhof • Nordteich und Stiller Weg:
Grabplatte des „Seeteufels” Felix Graf Luckner

Grabmal Harry Gondi (AB13,95-98) Das Familiengrab Friedrich Matthaei
Bild: Grabplatte Felix Graf LucknerMan findet die Grabplatte für Felix Graf Luckner, wenn man auf der Straßenseite (am Kreisverkehr) um den Nordteich herum geht und dann in den Fußweg unmittelbar westlich neben dem See einbiegt. Man folgt dann dem Fußweg in der Richtung, die sich vom Nordteich entfernt.

Die Grabplatte auf dem Grab des „Seeteufels” Felix Graf Luckner befindet sich nur wenige Schritte neben dem Grab des Schauspielers Harry Gondi.

Bild: S.M.Hilfskreuzer „Seeadler”Im oberen Teil der Grabplatte ist sein Schiff, S.M. Hilfskreuzer „Seeadler”, dargestellt. Leider ist es aufgrund der Vermosung der Grabplatte Mitte April 2003 kaum erkennbar.

Nachtrag Frühjahr 2013: Mittlerweile verläuft eine gut 40 cm hohe Zierhecke um die Grabplatte - das Grab sieht dadurch wesentlich anders aus als auf dem im Aril 2003 entstandenen Foto von der Grabplatte.

Über den bekannten Seehelden des Ersten Weltkriegs ist viel geschrieben worden. Der Offizier der Hamburg-Amerika-Linie kam bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Kapitänleutnant auf das Linienschiff „Kronprinz”. Auf diesem Schiff nahm er an der Skagerrakseeschlacht teil. Danach wurde Luckner Kapitän des zum Hilfskreuzers umgebauten erbeuteten eisernen Dreimastvollschiffs „Seeadler” und betrieb Kaperkrieg. Die „Seeadler” wurde am 3.12.1916 als Hilfskreuzer in Dienst gestellt.

Ihm fielen 23 Schiffe (davon versenkte er 14) mit etwa 40.000 BRT zum Opfer. (Je nach Quelle gibt es hierzu unterschiedliche Angaben). Dann strandete sein Schiff im August 1917 an einem Korallenriff der Insel Mopelia in der Südsee. Die Besatzung und er gerieten in neuseeländische Gefangenschaft. Erstaunlich ist: Nur ein einziger feindlicher Seemann kam bei Luckners Kaperkrieg ums Leben.

Am 3.März 1917 um 15 Uhr sichtete die „Seeadler” im Südatlantik den Frachtdampfer „Horngarth” aus Cardiff. Er stoppte erst nach Granatbeschuss. Die vierte Granate zerriss ein Dampfrohr und verbrühte vier Männer des Maschinenpersonals. Einer dieser Männer starb am nächsten Tag an den Verbrühungen.

Nach Ende des ersten Weltkriegs ging Luckner in die Reichsmarine zur Marineschule Flensburg-Mürwig. Er führte das Segelschulschiff „Niobe”. Er nahm 1922 oder 1923 als Korvettenkapitän den Abschied von der Marine und berichtete auf Vortragsreisen von seinen Kaperabenteuern. Insbesondere sein Buch „Seeteufel, Abenteuer aus meinem Leben” (1921) machte ihn berühmt. Allerdings soll das Buch einiges an Seemansgarn enthalten, und er soll nicht der einzige Autor des Buches gewesen sein. Nur ein Sechstel des Buches soll wirklich von ihm geschrieben worden sein.

1940/1945 wohnte er mit seiner Frau im Hause seiner Mutter in Halle. Er muss ein mutiger Mann gewesen sein, denn er verhandelte Mitte April 1945 mit den Amerikanern und trug zusammen mit dem Arzt Dr. Weins und/oder dem Major a.D. Huhold dazu bei, dass Halle nicht durch Luftangriffe zerstört, sondern kampflos übergeben wurde.

Luckner wurde daraufhin von der deutschen Reichsregierung zum Tode verurteilt. Prompt ernannte ihn die 104. amerikanischen Infanterie-Division „TIMBERWÖLFE” zum Ehrenoberst.

Er wurde am 9.Juni 1881 in Dresden geboren und starb am 13.April 1966 in Malmö. In meinem alten Brockhaus von 1923 ist der 9.Juni 1884 als Geburtsdatum angegeben; das scheint jedoch verkehrt zu sein.

Ebenso abenteuerlich liest sich die Vorgeschichte des 1600 t großen amerikanischen Vollschiffs. Die 1878 in Dienst gestellte „Pass of Balmaha” wurde im Juli 1915 auf der Fahrt nach Murmansk von einem britischen Kreuzer gestoppt. Mit einem Prisenkommando des Kreuzers an Bord sollte sie nach Großbritannien zur Inspektion gebracht werden. Das Prisenkommando bestand aus einem Offizier und sechs Soldaten.

Jedoch wurde sie am 24.Juli 1915 von dem deutschen U-Boot U36 gestoppt. Zwar waren die USA zu diesem Zeitpunkt noch neutral, aber aus den Schiffspapieren ging hervor, dass sie zu Kriegsbeginn in britischem Besitz gewesen war. Sicherheitshalber hatte sich das britische Prisenkommando im Laderaum versteckt.

Das deutsche Prisenkommando war erheblich kleiner- es bestand aus einem einzigen Steuermannsmaat. Er führte das Schiff zur Inspektion der Ladung nach Cuxhaven. Groß war die Überraschung, als man erst dort die 7 unversehrten britischen Soldaten im Laderaum entdeckte!

Die „Pass of Balmaha” wurde zum Hilfskreuzer umgebaut. Dazu erhielt sie einen 1000 PS starken Dieselmotor und wurde wie ein norwegisches Schiff ausgerüstet- einschließlich der Bilder an den Wänden und der Privatpost der Besatzung. Auch die meisten der 64 Mitglieder der Kriegsbesatzung sprachen die norwegische Sprache.

Der Erste Offizier der „Seeadler” war Leutnant zur See Kling. Er hatte die Idee mit dem als Segler getarnten Hilfskreuzers gehabt und den Umbau des Seglers geleitet.

Quelle: Deutsche Seestreitkräfte in Erfahrungsberichten, Seeteufel und Skagerrak, Verlagsunion Pabel Moewig KG, Rastatt, keine Verfasserangabe, keine Jahresangabe.


Letztes Upload: 06.06.2017 um 11:50:21