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Pacific-Lokomotive 4472 der LNER:
1.Seite: Der Modellbaubogen, über die Lokomotive
und über das „Race to the North”


4472
2.Seite

National Railway Museum
The Workshop
Bauanleitung für die 4472 der LNER Die 4472 ist eine Lokomotive mit der Achsfolge 2'C1', eine sogenannte „Pacific”.

Sie zog für die  i London & North Eastern Railway (L.N.E.R.) auf der Strecke von London Kings Cross nach Edinburgh die Expresszüge, die unter dem Namen „Flying Scotsman” bekannt waren. Genau dies war ebenfalls der Name dieser Lokomotive mit der Betriebsnummer 4472.

Die 4472 gehört seit April 2004 dem National Railway Museum (NRM) in York.

Die Lokomotive wurde am 7.Februar 1923 in Dienst gestellt. Wie aus der Website des NRM im November 2004 hervorgeht, hatte sie auf ihren Exkursionsfahrten im Sommer 2004(?) über 5000 Meilen bei einem Zuggewicht von 450 Tonnen zurückgelegt und dabei etwa 100 Tonnen Kohle verbraucht. Umgerechnet ergibt sich ein Verbrauch von gut 12 kg Kohle pro Kilometer. Der Heizer hat Schwerstarbeit geleistet!

Das NRM besitzt außerdem eine stromlinienverkleidete Pacific-Lokomotive einer moderneren Baureihe, die 4468 mit dem Namen „Mallard”.  i Die Mallard hält mit nahezu 203 km/h seit dem 3.Juli 1938 den Geschwindigkeitsweltrekord für Dampflokomotiven.

Die Seiten des Modellbaubogens sind in ein Heft mit dem Format etwas größer als DIN-A4 eingeheftet. Nach Entnahme der Seiten des Modellbaubogens bleibt ein 16-seitiges Heft über, das zwei Seiten Bauanleitung und 14 gut geschriebene Seiten Wissenswertes über die Eisenbahn beinhaltet.

Das Modell zeigt die Lokomotive neben einem Wassertank und einem Stellwerk haltend. Der Maßstab des von Parragon Book Service Ltd. in London 1994 unter der ISBN 1-85813-448-X veröffentlichen Bausatzes „Build your own Steam Locomotive” ist etwa 1:62. Als Modellplanzeichner ist Mr. Graham Osborne angegeben, die englischen Texte in dem 16-seitigen Heft stammen von Karen Farrington und Nick Constable.

Der Bausatz ist etwas knifflig zu bauen. Mir fiel das Zusammensetzen der Räder etwas schwer. Es war eine Nachbearbeitung des Modells mit Farbe an den Bruchkanten erforderlich. Vermisst habe ich in der Anleitung die sonst übliche Erklärung der Bedeutung der unterschiedlichen Linienarten und Hinweise auf erforderliche Bastelwerkzeuge.

Typenbezeichnung auf der Grundplatte des Kartonmodells der 4472 der LNER

Über die Lokomotive 4472 „Flying Scotsman”

Die Lokomotive 4472, später 60103, „Flying Scotsman” ist eine der bekanntesten englischen Dampflokomotiven.

Diese hatte Sir Nigel Gresley kurz vor der englischen Eisenbahnfusion für die Great Northern Railway (GNR) im Werk der LNER in Doncaster/Yorkshire entwickelt. Die erste Lokomotive dieses Typs „Class A1” erschien im Jahre 1922. Die berühmteste von allen, No. 4472 „Flying Scotsman” wurde am 7.Februar 1923 als dritte Lokomotive dieser Baureihe in Dienst gestellt. Die „Flying Scotsman” wurde in der British Empire Exhibition 1924 und 1925 ausgestellt. Dank ihrer beachtlichen Größe, der speziellen 2'C1' (4-6-2 oder Pacific) Radfolge und ihrer frischen apfelgrünen Farbe war sie schon damals nicht zu übersehen.

Die „Flying Scotsman” war die erste Dampflokomotive, die nachweislich schneller als 100 Meilen pro Stunde fuhr. Das war am 30.November 1934 zwischen Leeds und King's Cross. An diesem Tag fuhr die Lok mit 4 Wagons von King's Cross nach Leeds. Sie benötigte für die 185,8  Meilen lange Strecke 152 Minuten. Am gleichen Tag fuhr sie mit 6 Wagons wieder zurück. Dazu benötigte sie 157 Minuten. Auf dieser Rundreise legte sie 250 Meilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 Meilen pro Stunde zurück, 40 Meilen mit 90 Meilen pro Stunde und 600 yards mit über 100 Meilen pro Stunde (und 4 Wagons).

Bemerkung zu „die nachweislich schneller als 100 Meilen pro Stunde fuhr”: 1904 erreichte die 1903 gebaute Lokomotive mit der Achsfolge 2'B „City of Truro” mit 5 Postwagen 165 km/h. Davon gelten jedoch nur 156 km/h als gesichert. Die bayerische S2/6 erreichte 1907 zwischen München und Augsburg mit einem 150 t schweren Zug 157 km/h. Bereits im Mai 1893 soll die 2B-Lok 999 der New York Central Railroad mit ihren fast 2,2 m großen Treibrädern den „Empire State Express” zwischen Rochester und Buffalo auf mehr als 180 km/h gebracht haben. An der Wahrheit des diesbezüglichen Berichtes bestehen jedoch Zweifel.

1928 wurde der „Flying Scotsman” Nonstop Service zwischen London King's Cross und Edinburgh Waverley eingeführt. Es war mit 632 km die längste Nonstop Strecke der Welt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit(!) von 130 km/h. Diese Art des Betriebs wurde nur während der 8- bis 11-wöchigen Hochsaison im Sommer praktiziert. Für diese lange Strecke reichte der Wasservorrat im Tender nicht aus. Deshalb war der Tender war so ausgerüstet, dass er während der Fahrt Wasser aus langen im Gleisbett eingebauten Trögen aufnehmen konnte.

Für diese Strecke benötigte man zwei Lokomotivmannschaften. Dazu wurde der Tender mit einem Tunnel versehen, der den Wechsel der Mannschaft während der Fahrt ermöglichte.

Nigel Gresley (*1876; † 1941) wurde 1936 zum Ritter geschlagen. Angeblich war er einige Jahre vor 1936 bereits wohlbeleibt. Er soll Stühle im Zimmer an die Wand gestellt haben, um die Breite des Tunnels im Tender so zu ermitteln, dass auch er hindurch passen würde.

Ab 1927 wurde eine verbesserte Version, die Class A3 gebaut. Die Class A4 war die stromlinienverkleidete Version.

1963 endete das Arbeitsleben der „Flying Scotsman” bei der British Rail. Ein Herr namens Allan Pegler erwarb die Lok. Er führte damit Oldtimerfahrten durch. Diese Fahrten fanden nicht nur in Großbritannien statt, sondern auch in Amerika und Australien. In Australien hat sie sogar einen neuen Non-Stop-Langstreckenrekord aufgestellt: 679 km. Als aktuellen Eigentümer nennt die Bedienungsanleitung des Microsoft-Train-Simulators von 2001 Dr. Toni Marchington, der mit der Firma „Flying Scotsman Railways” einen historischen Luxuszug betrieb. Seit April 2004 gehört die Lokomotive dem National Railway Museum (NRM) in York.

Race to the North

Zuerst im Juni 1862 fuhr der „Special Scotch Express” um Punkt 10:00 von London King's Cross ins 632 km entfernte Edinburgh ab. Aus dieser Verbindung entwickelte sich der „Flying Scotsman”.

Die anfängliche Fahrzeit betrug 10½ Stunden. 10 Jahre später hatte sie sich auf 9:20 verringert.

Schon damals schlief die Konkurrenz nicht - so kam es zu dem „Race to the North” von 1888.

Die Rivalen waren
  • die London & North Western Railway mit ihrem Partner Caledonian Railway auf ihrer westlichen Route ab London Euston durch das Landesinnere und
  • die Great Northern, die North Eastern und die British Railway ab London King's Cross auf einer Route entlang der Ostküste.

1885 benötigten die Züge auf der westlichen Route 10 Stunden. Die Züge auf der östlichen Küstenstrecke kamen mit 9 Stunden aus. Allerdings war ihr Zug, der "Flying Scotsman" ein Luxuszug, der nur die 1. und 2. Wagenklasse führte. 10 Minuten nach dem Luxuszug fuhr ein weiterer Zug ab, der alle drei Wagenklassen führte. Er benötigte ebenfalls 10 Stunden für die Stecke. Jedoch im November hängte man an der „Flying Scotsman” Wagen der 3. Wagenklasse an. Jetzt konnten die Fahrgäste aller Klassen auf der östlichen Küstenstrecke in nur 9 Stunden nach Edinburgh gelangen.

Die Betreiber der westlichen Strecke zogen gleich. Kurz darauf folgte die Retourkutsche- die Fahrt auf der östlichen Küstenstrecke dauerte nur noch 8½ Stunden.

Die Betreiber der westlichen Strecke bereiteten unter strenger Geheimhaltung die Verkürzung ihrer Fahrzeit auf ebenfalls 8½ Stunden vor. Am 1.August 1888 war es soweit, ihre Fahrzeit war auf 8½ Stunden verkürzt. Allerdings verkürzte sich am gleichen Tag die Fahrzeit entlang der Ostküste auf 8 Stunden- so eine Gemeinheit!

Bereits am 6.August zog man auf der westlichen Strecke erneut gleich.

So ging es weiter, bis man sich einigte: 7¾ Stunden auf der östlichen, 8 h auf der westlichen Strecke. Die schnellste Fahrt in diesem Rennen dauerte 7:26.

Später kehrte man zu einer regulären Fahrzeit von 8½ und noch später zu 8¼ Stunden zurück. Dies änderte sich erst 1932.

Quellen zum „Race to the North”: John R. Day: Trains, London 1969. und Mike's Railway History.


Seite zuletzt geändert am 24.5.2012.