Austria Jubiläums-Express 2012:
6. Reisetag: Von Wien über den Semmering nach Linz

Es gibt Tage, die nicht gut beginnen. Am Tag vorher und an diesem Tag begann es mit einem hastig eingenommenen Frühstücksbuffet im Hotel. Das war kein Wunder — bei 90 Gästen, die alle gleichzeitig zum Frühstücksbuffet wollen, lässt sich keine gemütliche Umgebung im Restaurant schaffen. Es wäre besser gewesen, wenn der Reiseveranstalter das überteuerte Hotelfrühstück nicht in den Reisepreis einbezogen hätte. Dann hätte man das Frühstück selbst organisieren können. Und ein im Stehen verzehrtes Käsebrötchen mit einem Becher Kaffee vom Kiosk in der Bahnhofshalle ist bekömmlicher als ein im Sitzen eingenommenes Frühstücksbuffet in einem chaotischen, lauten und überfüllten Hotelrestaurant.

Laut Reiseausschreibung sollten wir mit der Tenderlok 78.618 und der Südbahn-Schnellzuglokomotive 33.132 am Morgen von Wien aus in Richtung Süden über Wiener Neustadt nach Gloggnitz am Fuße der Semmeringbahn fahren. In Gloggnitz sollte der Zug geteilt werden und es sollten auf beiden Streckengleise mit Überholungen und Parallelfahrten nach Semmering gehen.

Aus dem eine Woche vor Reisebeginn verschickten endgültigen Reiseprogramm ging hervor, dass die 78.618 erst in Wiener Neustadt beigestellt werden wird. Außerdem wurde aus der Benutzung des zweiten Streckengleises wegen Bauarbeiten nichts. Insofern erfüllte die Fahrt über den Semmering nicht meine Erwartungen.

Bild: Wien Südbahnhof (Ostbahn) 5047.035-0
Vor der Bereitstellung unseres Sonderzugs in Wien Südbahnhof (Ostbahn) blieb noch etwas Zeit zum Fotografieren. Mir kam der Triebwagen 5047.035-0 bekannt vor. Kein Wunder — diese Baureihe lehnte sich eng an die Baureihe 627 der DB an. Die ÖBB hatte 1983 sechs neue Dieseltriebwagen nach dem Vorbild des 627 bei den Jenbacher Werken in Auftrag gegeben. Insgesamt bestellte die ÖBB 100 Triebwagen 5047 und 5 Garnituren aus je zwei kurzgekuppelten Einzelfahrzeugen mit Übergang als ÖBB 5147.
Bild: Wien Südbahnhof (Ostbahn) 2070 087-7Die Diesellok 2070 087-7 schob unseren Sonderzug in den Sackbahnhof Wien Südbahnhof (Ostbahn).
Bild: Wien Südbahnhof (Ostbahn) 33.132Kurz darauf kam die als Zuglok vorgesehene 33.132 vor den Zug. Sie wurde von den Fotografen bereits erwartet!
Bild: Wien Neustadt Hbf 2070 087-7Wien Neustadt ist kein Stadtteil von Wien. Die Fahrzeit von Wien Südbahnhof (Ostbahn) bis Wien Neustadt Hbf betrug eine ¾ Stunde.
Bild: Wien Neustadt Hbf 78.618 und 33.132In Wien Neustadt Hbf kam die 78.618 als Vorspannlokomotive hinzu. Ans Zugende wurde die E-Lok 1110.522 als zusätzliche Schublok hinzugefügt. Somit kann es auf den Semmering gehen.

Laut dem kurz vor Reisebeginn verschickten endgültigen Reiseprogramm hätten wir zusätzlich die E-Lok 1141.21 als zweite Schublok bekommen sollen. Es ging aber auch ohne diese.



Die 78.618

Bild: Herstellerschild 78.618Die 78.618 wurde 1938 gebaut. Sie ist mit 1800 PSi stärker als
  • die 33.132 (1493 PSi) oder
  • die Kriegsloks der Baureihe 52 (1626 PSi).
Bild: Nur den ersten Blick sieht die 78.618 wie eine Lokomotive der deutschen Baureihe 78 aus
Nur den ersten Blick sieht die 78.618 wie eine Lokomotive der deutschen Baureihe 78 aus
Bild: Die 78.618 hat einen deutlich größeren Tenderbereich als die deutsche BR 78
Die 78.618 hat einen deutlich größeren Tenderbereich als die deutsche BR 78
Auf den ersten Blick sieht die 78.618 wie eine Lokomotive der deutschen Baureihe 78 aus. Auf den zweiten Blick erkennt man Unterschiede: Die 78.618 hat einen deutlich vergrößerten Tenderbereich und — wie am Schornstein erkennbar — es wurde ein Giesl-Ejektor nachgerüstet.

Die ÖBB musterte ihre von 1931 bis 1938 gebauten Lokomotiven der Baureihe 78 bis 1973 aus. Die 78.618 ist eng mit der Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (ÖGEG) verbunden. Das Ausscheiden der Baureihe 78 aus dem Betriebsdienst führte 1974 zur Gründung der ÖGEG. Der Verein hatte das Ziel, eine Lok dieser Baureihe zu erhalten. 1976 wurde die 78.618 die erste in Österreich von einem privaten Verein erworbene Normalspurdampflokomotive.

T18, Preußen, 1912BBÖ Baureihe 729, 1931
Typ: Personenzugtenderlokomotive für den Vorortverkehr in Ballungsgebieten,
auch für Eilzüge und Postzüge verwendet.

Baureihe bei der KPEV: T18
Baureihe bei der DR: 78

Tenderlokomotive für den schweren Schnellzugdienst auf kurzen Strecken ohne Drehscheibe an deren Ende.

Baureihe bei der BBÖ 729
Baureihe bei der DR: 78.6
Baureihe bei der ÖBB: 78

Antrieb:einfache Dampfexpansion, Heißdampf
Zylinder (Ø * Hub):zwei außenliegende,
560*630 mm
zwei außenliegende,
500*720 mm
Kesselüberdruck:12 bar13 bar
gebaute Exemplare:535 oder 536 (?)26
Länge über Puffer:14800 mm14980 mm
Fassungsvermögen Wasser:12 m316,8 m3
Fassungsvermögen Kohle:4,5 t7,5 t
Bauart:2'C2' h2t
Spurweite:1435 mm
Treibraddurchmesser:1650 mm1614 mm
Laufraddurchmesser:1000 mm1034 mm
Höchstgeschwindigkeit:100 km/h105 km/h
Dienstgewicht:105 t113 t
Reibungsgewicht:51,1 t50,4 t
Indizierte Leistung:1140 PSi1800 PSi
Letztes Upload: 07.12.2021 um 18:19:47 • Impressum und Datenschutzerklärung