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Architekturströmungen

Die Ringlinie der Hamburger Hochbahn:
Mundsburg

Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle Mundsburg
Ein Hauch von New York kommt auf, wenn man das Stationsgebäude von der Rückseite aus fotografiert. Wenn man es von der Vorderseite aus fotografiert, fehlen die Hochhäuser des Einkaufszentrums Hamburger Straße auf dem Foto!
Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle Mundsburg
Die Vorderseite der U-Bahn-Haltestelle Mundsburg gibt auch in der Nacht ein eindrucksvolles Bild
Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle MundsburgZwei Bilder links und Bild unterhalb: Die Rückseite des Zugangsgebäudes der U-Bahn-Haltestelle Mundsburg ist genauso eindrucksvoll wie ihre Vorderseite.
Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle Mundsburg
Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle Mundsburg
Die Haltestelle Mundsburg steht auf dem Gelände des ehemaligen Betriebsbahnhofs Schürbeck der 1880 gegründeten „Großen Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft (SEG)”. Sie ist die wohl eindrucksvollste Haltestelle der ehemaligen Ringlinie. Wie auch die benachbarte Station Hamburger Straße hat sie den Zugang in der Mitte der Bahnsteige. Bei den übrigen Stationen des ehemaligen Ringes ist er am Bahnsteigende angeordnet.

Die Haltestelle wurde bis 1985 in den alten Zustand zurückgebaut, so dass der Bauschmuck gut zur Geltung kommt. Einen Kritikpunkt hätte ich jedoch (Stand 2003): Bis vor kurzem war das öffentliche WC gebührenfrei. Jetzt kostet es! Dies ist ein echter Rückschritt!

Mundsburg: Der Weinhändler Johann Hinrich Mund erwarb am 13.5.1721 einen der beiden sich in diesem Gebiet befindlichen „Immenhöfe”. Durch Pacht erweiterte er seinen Besitz auf 13 Hektar. Auf seinem Hof wurde Gemüseanbau und Viehzucht betrieben. Seine Nachfolger ließen sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine neues Gebäude errichten. Es stand auf der Höhe der jetzigen Straße Immenhof zwischen dem jetzigen Mundsburger Damm und der jetzigen Schürbeker Straße. Es war ein von breiten Gräben umgebenes Gebäude. 1813/14 wurde auch dies Gebäude von der französischen Besatzung zerstört - man wollte ein freies Schussfeld haben.

Nach Abzug der Franzosen wurde der Mundshof wieder landwirtschaftlich genutzt. 1866 kaufte die Stadt Hamburg das Land zurück.

Mund nannte seinen Besitz nach sich selbst: „Mundtsburg”. Der Name bürgerte sich ein und wurde auf die gesamten Ländereien der näheren Umgebung übertragen. Ein Damm durchzog das tiefliegende Wiesen- und Weidengelände der Mundtsburg; daher die Straßennamen Immenhof und Mundsburger Damm.

Hier sind die historischen Hintergründe sehr vereinfacht dargestellt. Insgesamt ist es jedoch eine ziemlich verwirrende Angelegenheit. Matthias Schmoock stellte sie verständlich unter der Überschrift „Vor 250 Jahren: So kam Hamburg zur Mundsburg - Krieg um die Barmbeker Heide” dar.[147, 25.4.1994 auf Seite 14]

Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle Mundsburg
Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle MundsburgEs ist schon mühsam, ein schweres Dach tragen zu müssen. Ist Kinderarbeit nicht verboten?

Der Baustil, mit dem die Architekten Ludwig Raabe und Otto Wöhlecke die Ringstrecke prägten, wird auch „Hamburger Reformarchitektur” genannt. Er lässt eine deutliche Abkehr vom Jugendstil (z.B. der Dammtorbahnhof ist im Jugendstil gebaut) erkennen, denn er greift norddeutsche Bauformen auf. Trotzdem ist das Haltestellengebäude Mundsburg mit zahlreichen Sandsteinreliefs versehen - vielleicht ist doch ein klein wenig Jugendstil dabei?

Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle MundsburgIn den Bögen über den Eingängen sind Mosaikmuster eingelassen. Sie haben die Größe eines Ziegels.
Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle Mundsburg
Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle MundsburgNoch vorhanden: Wärterbude in der Haltestelle Mundsburg am Bahnsteig.
Bild: Hamburger Hochbahn, Haltestelle Mundsburg
Dies Foto zeigt die Haltestelle Mundsburg im Januar 2008 von der Straße Finkenau aus gesehen. Fußgänger können von der Finkenau aus unmittelbar neben den Kasematten zur Haltestelle Mundsburg gehen. Der verlängerte Richtungsbahnsteig nach Barmbek ragt seitlich heraus.
Die folgenden drei Bilder sind Beispiele für die Ausschmückungen des Steinviadukts zwischen der Schürbeker Straße und der Straße Ulmenau.

Das Viadukt wurde von den Architekten Raabe & Wöhlecke reich mit Back- und Sandstein ausgestaltet. Es enthält im Anklang an den Jugendstil Relieffelder mit Masken, Vögeln und Drachen. Mit den Ornamenten sollte die Barrierewirkung des Viaduktes abgemildert werden und das Bauwerk der gehobenen Wohnbebauung der Umgebung angepasst werden.

Bild: Schmuck am Steinviadukt Schürbeker Straße Bild: Schmuck am Steinviadukt Schürbeker Straße
Bild: Schmuck am Steinviadukt Schürbeker Straße
Bild: Hochbahnbrücke über die Schürbeker StraßeDie Stahlbrücke führt über die Schürbeker Straße.

Eine „Fälschung”
Das Steinviadukt zwischen Schürbeker Straße und Ulmenau wird auf einer alten Postkarte (Verlag Wilhelm Flohe, Hamburg 3) gezeigt. Sie ist unter Sammlern gut bekannt, da es sich um eine Fotomontage, und somit um eine „Fälschung” handelt. Links auf jener Postkarte bei den 6 Brückenpfeilern befindet sich die Straße Birkenau, am rechten Rand die Straße Immenhof.
Bild: Postkarte Viadukt Ulmenau (Zeitrahmen 1909 - 1911)
Das Viadukt wurde 1908 gebaut. Die Straße Ulmenau wurde 1909 gebaut.

Der U-Bahn-Zug auf der Postkarte sieht nicht echt aus. Er zeigt 5 Seitenfenster zwischen den Türen. Die T-Wagen der Hamburger Hochbahn hatten jedoch nur 4 Seitenfenster zwischen den Türen.

Weiterhin überrascht es, dass im Hintergrund der Postkarte nichts von der Station Mundsburg zu sehen ist. An ihrer Stelle unterbrechen Bäume das Viadukt. Offenbar ist der „echte” Teil des zugrundeliegenden Fotos nach Fertigstellung der Straße Ulmenau und vor Baubeginn der Station Mundsburg entstanden: Dies ergibt einen Zeitrahmen von 1909 bis wahrscheinlich 1910, spätestens aber 1911. Die Postkarte stellt eine Situation dar, die es so nie gegeben hat. In Achilles/Focken/Heimann/Schwanke: Verkehrsgeschichtliches aus Barmbek-Uhlenhorst, Hamburg 1991 wird dies Postkartenmotiv gezeigt und mit „Der Zeit voraus waren einige Postkartenhersteller” kommentiert. Der Zug wird als Berliner U-Bahn entlarvt.

Die auf der Postkarte noch offenen Kasematten wurden später geschlossen und als Gewerberäume genutzt.

Letztes Upload: 10.08.2019 um 15:03:06