Die Ringlinie der Hamburger Hochbahn:
Mönckebergstraße

U-Bahn Barkhof (nun Mönckebergstraße) in Melhop: Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1895 bis 1920. Mit Nachträgen bis 1923/24
Die Haltestelle Mönckebergstraße wurde nach umfangreichen Umbauten am 31.5.2022 wieder in Betrieb genommen. Die Umbauten umfassten ein zusätzliches Zugangspaar mit Personenaufzügen (sogenannte „Durchlader”) am östlichen Ende der beiden Richtungsbahnsteige. In der Bahnsteighalle herrscht nun die Farbe Blau vor. Mit den Umbauten ist die Haltestelle barrierefrei geworden. Vollständig abgeschlossen waren am 2.6.2022 die Bauarbeiten jedoch noch nicht.

Die folgende Beschreibung zeigt den Zustand der Haltestelle vor und nach den Umbauten.


Hamburger Hochbahn, beide Eingänge zur Haltestelle Mönckebergstraße am 28.3.2003
Die Haltestelle Mönckebergstraße begann ihr Dasein unter dem Namen „Barkhof”. Damals befand sich über dem Eingang kein Dach. Einen Kioskanbau gab es bereits. Damals wurde dort nicht Fast Food an hungrige Passanten verkauft, sondern es handelte sich um Fahrkarten!

Das Gebäude mit dem Balkon ist das Kontorhaus „Barkhof”. Unmittelbar links daneben ragt das Kontorhaus „Seeburg” an der spitzen Ecke aus Spitalerstraße mit Lilienstraße empor.

Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Haltestelle schwer beschädigt. Erst am 1.6.1950 konnte sie wieder in Betrieb genommen werden.[5,Seite 152] Laut „Hamburger Abendblatt” vom 19.7.1950 war vorgesehen, sie am 21.7.1950 in „Mönckebergstraße” umzubenennen.

Ein abweichendes Datum der Umbenennung ergibt sich aus der letzten Ausgabe der Kundenzeitschrift „Fahr mit uns: Die gesamte Ringlinie ging aber erst am 1.Juli 1950 wieder in Betrieb. Gleichzeitig wurde die Station „Barkhof” in „Mönckebergstraße” umbenannt.[99, Ausgabe 2/3 1998]

Hamburger Hochbahn, der Eingang zur Haltestelle Barkhof (1912)
Das erste Foto auf dieser Seite zeigt den gleichen Eingang im Vordergrund. Allerdings wurden beide Eingänge 1993 nach Plänen der Architekten von Herkan, Marg & Partner neu gebaut.[99, Ausgabe 2/3 1998]
7.4.2005: Auf dem gegenüberliegenden Richtungsbahnsteig fallen einige rosarote Geräte in einer vorspringenden Edelstahlwand auf. Hier befand sich früher die Wärterbude von der aus die Züge abgefertigt wurden. Jeder der beiden Richtungsbahnsteige hatte eine solche Bude. Bei den Geräten handelt es sich um einen Feuerlöscher, einen Nothalteschalter und eine Sprechstelle.

Bahnsteighalle der Haltestelle Mönckebergstraße am 2.6.2022
Ab der Wiedereroffnung am 31.5.2022 zeigt sich eine wirklich krasse Farbgebung der Bahnsteigwände. Sie wird durch die nunmehr spiegelnden Wände noch verstärkt.
Mönckebergstraße, Blick zum Nachbarbahnsteig
Stand 2003: Nur in der Haltestelle Mönckebergstraße wurde eine Sprinkleranlage über den Gleisen nachgerüstet. Auch 2022 sind unter der Decke die unverkleideten Rohre der Sprinkleranlage sichtbar.
Mönckebergstraße: Sitzbank ohne Rückenlehne, also nicht für einen längeren Aufenthalt geeignet
Mönckebergstraße, das neues Haltestellenschild am 2.6.2022

Die Aufzugseinhausungen oben auf der Mönckebergstraße sind eher unaufällig gestaltet.
Der Aufzug auf Straßenebene für die U-Bahn Haltestelle Mönckebergstraße in Fahrtrichtung Hauptbahnhof Süd am 29.6.2022 Foto links: Der Aufzug auf Straßenebene für die U-Bahn Haltestelle Mönckebergstraße in Fahrtrichtung Hauptbahnhof Süd
Der Aufzug auf Straßenebene für die U-Bahn Haltestelle Mönckebergstraße in Fahrtrichtung Rathaus am 29.6.2022 Foto links: Der Aufzug auf Straßenebene für die U-Bahn Haltestelle Mönckebergstraße in Fahrtrichtung Rathaus


Verlängerung der Bahnsteige: Im Zeitraum 1924/1927 wurden die Bahnsteige der Ringlinie von etwa 67 auf 90 m verlängert. Dies lässt sich bei der Haltestelle Mönckebergstraße besonders gut erkennen. Am ehemals zugangslosen (östlichen) Bahnsteigende ist die Decke niedriger. Auch die Anordnung und die Bauform der Säulen sowie der Unterbau der Bahnsteige ändert sich hier.

Zugabfertigung mit Fernseher: Mitte September 1958 wurden erstmalig in Hamburg ― und damit weltweit ― eine Fernsehkamera (Videokamera) zur Abfertigung von U-Bahnen eingesetzt. Das war genau in dieser Haltestelle. Vorher war auf jedem der beiden Richtungsbahnsteige ein Abfertigungsbeamter im Einsatz. Dank der Fernsehkamera kam man nun mit einem einzigen diensthabenden Abfertigungsbeamten aus.[99,Heft 4/1959] Als nächste Haltestelle war die Umstellung der Haltestelle Berliner Tor auf Zugabfertigung mit Fernseher vorgesehen. Dort wären zwei Kameras erforderlich, da der Bahnsteig damals gekrümmt war.

Gewölbetunnel: Auf dem Teilstück zwischen der Haltestelle Mönckebergstraße und dem westlichen Rand des Hamburger Hauptbahnhofs geht der Tunnel um 4,40 m weiter in die Tiefe, damit die Gleise der Deutschen Bahn unterfahren werden können. Die Gefällstrecke ist 242 m lang – dies entspricht einer Steigung von 18,2‰. Auf den gleichen Teilstück steigt die Mönckebergstraße um 1,5 m an. Somit war die Überdeckung der Tunnelstrecke ausreichend groß, um den Tunnel als Gewölbetunnel zu bauen. Alle anderen Streckentunnel der Ringstrecke haben einen rechteckigen Querschnitt.


Eröffnungsfahrt 15.Februar 1912 (Auszug): Gekürzter und an die heutige Rechtschreibung angepasster Auszug aus dem von der Bauverwaltung für die Hochbahn (Siemens & Halske AG und Allgemeine Elektricitätsgesellschaft) herausgegebenen Programm zur Eröffnungsfahrt. Dieser Abschnitt beschreibt die Fahrt von der Haltestelle Mönckebergstraße zur jetzigen Haltestelle Hauptbahnhof Süd auf der U3. Die Jahresangabe 1901 ist vermutlich verkehrt. Die zugrundeliegenden Verträge sind vom 15./17. Juni 1901, die Bauarbeiten für den Hauptbahnhof begannen im Oktober 1902.
Die Bahn senkt sich und die Bauart des Tunnels ändert sich. Anstelle der flachen Decke erblicken wir eine hochgewölbte Decke ohne Mittelstützen. Plötzlich treten die Mittelstützen wieder auf, Eisenkonstruktion wird sichtbar. Wir befinden uns unter dem Hauptbahnhof in einem schon 1901 beim Bau des Hauptbahnhofs hergestellten Tunnel. Wieder ein hohes Gewölbe, von neuem Eisenkonstruktion, eine Ablenkung nach rechts.

Die „Mönckebergstraße” ist nach dem Hamburger Bürgermeister Dr. Johann Georg Mönckeberg (1839-1908) benannt. Er wurde 1876 in den Senat berufen und war ab 1889 14-mal Erster Bürgermeister.

1892, während seiner Amtszeit, wurde Hamburg von der Cholera heimgesucht. Die Cholera hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die weitere städtebauliche Entwicklung Hamburgs. Hierzu gehörte neben der Errichtung der ersten Müllverbrennungsanlage Deutschlands an der Straße Bullerdeich die großflächige Sanierung (Abriss und Neuaufbau) der Hamburger Innenstadt im Bereich der Mönckebergstraße und des Kontorhausviertels südlich der Steinstraße.

Die 30 m breite Mönckebergstraße wurde so breit angelegt, dass unter ihr der Hochbahntunnel und auf ihr die Straßenbahngleise verlaufen konnten. Sie wurde am 26.Oktober 1909 dem Verkehr übergeben; am 18.März 1910 fuhren die Linien 1 und 4 als erste Straßenbahnlinien durch die Mönckebergstraße.


Der Name „Barkhof” hat nichts mit der Schifffahrt zu tun. Er wurde 1909 als Straßenname vergeben. Er erinnert an die Familie von dem Berge. Die Familie besaß hier zwei Gehöfte.
Letztes Upload: 31.10.2022 um 11:24:39 • Impressum und Datenschutzerklärung