Die Linie U1 der Hamburger Hochbahn:
Klein Borstel

Weshalb heißt die Haltestelle nicht „Struckholt”?
Die Haltestelle „Klein Borstel” liegt an der Einmündung der Straße „Struckholt” in die Wellingsbütteler Landstraße. Es wäre denkbar, dass diese Haltestelle den Namen Struckholt erhalten hätte. Zur Begründung folgt der Anfang eines Gesetzestextes aus dem „Amtsblatt der freien und Hansestadt Hamburg” Nr. 191 vom 24.12.1912.
Gesetz, betreffend den Anschluß einzelner Teile des Landgebiets an die Stadt Hamburg.

Der Senat hat in Übereinstimmung mit der Bürgerschaft beschlossen und verkündet hierdurch als Gesetz, was folgt:

§1. Anschluß von Teilen des Landgebiets an die Stadt.

Die Landgemeinden Groß Borstel, Alsterdorf, Ohlsdorf, Fuhlsbüttel, Langenhorn und Klein Borstel mit Struckholt, sowie der auf dem angehängten Lageplan bezeichnete Teil der Landgemeinde Billwärder an der Bille scheiden aus dem Geltungsbereich der Landgemeindeverordnung aus und werden dergestalt an die Stadt Hamburg angeschlossen, daß sie mit dieser einen Gemeindebezirk bilden.

§2. Einteilung des erweiterten Stadtgebiets.

(1) Die Stadt Hamburg wird in Stadtteile und Vororte eingeteilt. Die Vororte werden aus den durch dieses Gesetz an die Stadt angeschlossenen Gebietsteilen gebildet. Die bisherigen Landgemeinden Groß Borstel, Alsterdorf, Ohlsdorf, Fuhlsbüttel und Langenhorn bilden je eine Vorort unter Beibehaltung ihrer Bezeichnung. Aus der bisherigen Landgemeinde Klein Borstel mit Struckholt wird der Vorort Klein Borstel.

U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel am 2.8.2004 Dies Foto zeigt den Eingangsbereich der Haltestelle Klein Borstel am 2.8.2004. Die Bauhandwerker waren am Werk! Im Dezember 2007 waren sie immer noch am Werk, so dass ich seinerzeit kein weiteres Foto vom Eingang aufgenommen habe. Der Bauzustand dauerte bis Ende 2008 an.
U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel
Im Spätsommer 2008 wurden die Bahnbrücken über die Wellingsbütteler Landstraße erneuert. Die zusätzlichen Pfeiler der alten Brücken vor dem Eingang wurden dabei entfernt.
Dies Foto zeigt den zwischenzeitlich neu gefliesten Eingangsbereich der Haltestelle Klein Borstel am 2.7.2022. Die Glasur der neuen Fliesen zeigt einen Weißton mit einem Stich ins bräunliche ― vielleicht kann man die Farbe als „helles Beige” bezeichnen.
Dies Foto zeigt die kleine Schalterhalle im Erdgeschoss am 27.2.2010. Links an der Wand sind die beiden Fahrkartenautomaten angebracht, rechts oben an der Decke die Videokamera zu deren Überwachung. Vorne rechts am Eingang ist eine halbrund aus der Wand hervortretende Stütze zu bestaunen: Sie ist mit schwarzen und einigen gelben Mosaiksteinen verkleidet. Der Umbauzustand von 1956 ist in dieser Halle weitgehend erhalten.
U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel, Schalterhalle am 6.7.2020. Am 19.6.2020 wurde rechts neben dem Treppenaufgang ein zum Bahnsteig führender Schrägaufzug in Betrieb genommen.
Ein Vergleich zwischen den beiden vorherigen Fotos zeigt den Umfang der Umgestaltungen der Schalterhalle im Zuge des Einbaus des Schrägaufzugs. Die farbenfrohe Gestaltung schlägt um in eine dezente hellgraue Gestaltung.

Auffallend ist, dass der aus rostfreiem Stahlblech bestehende Papierkorb nun näher neben den Fahrkartenautomaten angebracht wurde. Und es fällt auf, dass am 6.7.2020 die mit der Umgestaltung der Haltestelle verbundenen Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren.

U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel: Die renovierte Schalterhalle mit dem nunmehr einzigen Fahrkartenautomaten an dieser Haltestelle am 5.8.2022
Die neue Schalterhalle auf alten Grundriss: Wie aus der Hochbahn-Presseinformation vom 1.8.2022 hervorgeht, wurde bei Sanierungsarbeiten in den 1950ern[genauer 1955/1956] der bisher annähernd ovale Grundriss der Schalterhalle zugebaut. Nun endlich[Anfang August 2022] ist der ursprüngliche runde Grundriss der Schalterhalle von anno 1925 wieder hergestellt.
U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel: Die renovierte Schalterhalle macht einen großzügigen Eindruck und passt farblich gut zu meinem kleinen Rucksack

U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel am 6.7.2020: Der Blick von der damaligen Schalterhalle zur Straße
Die Haltestelle Klein Borstel der Hamburger Hochbahn hat lediglich einen Ausgang. Er geht zur Wellingsbütteler Landstraße hin. Viele Fahrgäste werden hier wohl nicht aus- und einsteigen![Fahrgastzahlen 2016, Platz 82 von 91]
Am oberen Ende des Treppenaufgangs ist ein kleiner Warteraum eingerichtet. Die Kacheln waren ähnlich farbenfroh gestaltet wie seinerzeit im Treppenhaus. Die Sitzflächen der seitlichen Bänke bestanden aus Holz, als Lehnen dienten die abgeschrägten Kachelwände unterhalb der Fenster. Dies Foto ist vom 3.6.2017.
U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel: Im fast fertig umgestalteten Warteraum am 6.7.2020. Links im Hintergrund ist der Fahrstuhl sichtbar.
Am 6.7.2020 waren die Sitzmöbel noch nicht eingebaut. Für mich sieht so aus, als ob hier die üblichen Drahtgittersitzbänke für den Einbau vorgesehen sind. Die farbenfrohe Kachelung wurde ebenfalls ersetzt.
U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel am 4.7.2022 Tatsächlich! Dies Foto vom 4.7.2022 zeugt, dass die üblichen Drahtgittersitzbänke eingebaut worden sind. Durch Armlehnen entlang der Sitzflächen wird wirksam verhindert, dass sich Leute auf die Bank legen.
Am 6.7.2020: Die Gestaltung des Zugangs zum Treppenhaus auf dem Bahnsteig blieb beim Umbau fast unverändert. Die Türen öffnen bei Annäherung automatisch.

Der Bahnsteig der U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel liegt in einer Krümmung. Foto vom 6.7.2020.
Der Bahnsteig der U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel liegt in einer Krümmung. Foto vom 3.6.2017.
U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel: Blick vom Bahnsteig zum Ausgang am 3.6.2017.

Die U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel wurde vermutlich am 1.7.1921 eröffnet und blieb bis 1924 geöffnet. Da sie von zu wenig Fahrgästen genutzt wurde, schloss man sie wieder.[50, Seite 44]

Die Haltestelle wurde wieder am 23. oder 25.Mai 1925[50, Seite 44][63, Seite 30 vs. Seite 34] als letzte der sonstigen, bereits 1917 fertiggestellten, Stationen der Langenhorner Bahn in Betrieb genommen. Das Zugangsgebäude wurde 1956 erneuert.

Klein Borstel ― eine U-Bahn-Haltestelle im Grünen!
U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel
U-Bahn Klein Borstel, Brücke über die Oberalster am 28.1.2008
Am anderen Ende der U-Bahn-Haltestelle Klein Borstel überquert die Strecke auf ihrem Weg nach Fuhlsbüttel die Oberalster. Für Kinder und Verliebte ist dies eine reizvolle Brücke, denn sie besitzt ein perfektes Echogewölbe (na, wie heißt der Bürgermeister von Wesel?).

Die Brücke ist eine Stahlbetonkonstruktion. Die Seitenwände sind mit roten Backsteinen verblendet. Die lichte Weite des Brückengewölbes beträgt etwa 35 m, die lichte Höhe rund 7 m.

Der Expressionist Ernst Eitner (*30.8.1867; †28.8.1955) hat diese Brücke in einem Gemälde festgehalten.

Über die Brücke führen (Stand August 2004) drei Gleise. Zwei sind für die Hochbahn, das dritte unbenutzte und überwucherte Gleis ist für die Güterstrecke. Sie führte parallel zur Hochbahnstrecke bis Ochsenzoll zu dem damaligen Güterbahnhof Ochsenzoll.
U-Bahn Klein Borstel, Brücke über die Oberalster
Von den vier prächtigen Granitfigurengruppen an den Brückenbrüstungen sieht man vom Alsterwanderweg aus nur in der blattlosen Jahreszeit etwas. Sonst werden sie von der Vegetation verdeckt. Die Fahrgäste sehen unabhängig von der Jahreszeit nur wenig davon, denn im Nu ist der Zug dran vorbei!
Die Brücke wurde 1914 gebaut. Damals hatten die Figuren einen freien Blick auf das schöne Alstertal.

Es ist nicht wirklich sicher, welcher Bildhauer die Figuren geschaffen hat. Vermutlich war es Johann Michael Bossard.[228, Eintrag 548]

Die beiden Personen, die je eine Gruppe bilden, dürften Pan und Syrinx sein. Pan war ein Berg- und Walddämon. Dargestellt wird er als bärtiger Mann mit struppigem Kopfhaar, Ziegenfüßen und Hörnern. Am Tage durchstreift er mit den Nymphen Berg und Tal, mittags hält er sein Nickerchen und abends bläst er vor der Grotte der Syrinx die von ihm erfundene Hirtenflöte mit 7 bzw. 9 Rohrpfeifen. Besonders gut hat es sich wohl nicht angehört, denn ein unerwartetes Geräusch in der Stille versetzt uns in panischen Schrecken. Pan ist auch der Gott des Schreckens!

Syrinx war eine berühmte und hübsche Baumnymphe. Pan hatte sich in sie verliebt und stellte ihr nach. Syrinx wollte jedoch nicht, und floh vor ihm. Sie bat ihre Schutzgöttin Artemis, sie zu verwandeln, ehe sie in die Hände von Pan fiel.

Als Pan endlich zum Zugriff kam, hielt er infolgedessen statt der hübschen Syrinx ein Schilfrohr in seinen kräftigen Armen. Um dennoch mit ihr verbunden zu sein, schnitt er dies Schilfrohr in Stücke und bastelte daraus seine Hirtenflöte.

Letztes Upload: 26.09.2022 um 07:35:44 • Impressum und Datenschutzerklärung