Bildhauer Richard Kuöhl:
Der Brunnen in der Grundbuchhalle

Bild: Das Justizforum am Sievekingplatz in Hamburg Der unter der Open-Database-Lizenz verfügbare Kartenausschnitt(© OpenStreetMap-Mitwirkende zeigt den Sievekingplatz in Hamburg mit den drei Gerichtsgebäuden. Es sind in
  • der Ecke rechts oben das Strafgericht (angeschnitten),
  • links vom Strafgericht das Hanseatische Oberlandesgericht und
  • links unten das Ziviljustizgebäude (Land- und Amtsgericht).
In der linken unteren Ecke des Kartenausschnitts ist die bogenförmige Erweiterung des Ziviljustizgebäudes sichtbar. Ihre Nase nach innen beinhaltet die zugehörige dreistöckige Grundbuchhalle mit einem bemerkenswerten Brunnen. Der äußere „Gebäudebogen” ist übrigens knapp 100 m breit.
Tatsächlich ist es kein „Gebäudebogen”, sondern der Grundriss des Gebäudes bildet eher ein Polynom (Vieleck).[Vergleiche Luftaufnahme bei Google Maps]
Bild: Blick durch das geschlossene Gittertor in den Innenhof zwischen dem Ziviljustizgebäude und seinem Anbau
Blick durch das geschlossene Gittertor in den Innenhof zwischen dem Ziviljustizgebäude und seinem Anbau
Die Nase auf der Karte gehört zu der dreistöckigen Grundbuchhalle. Auf dem Foto ist nur ein Teil ihrer gekrümmten Fassade und darin ihr Zugang vom bzw. zum Hof sichtbar.

Über die Architekten des Erweiterungsgebäudes habe ich zwei nicht ganz identische Angaben gefunden:

Bild: Hamburger Wappen an der Gebäudewand zu den Wallanlagen hin Als Bauzeitraum für das Erweiterungsgebäude werden die Jahre 1928 bis 1930 angegeben. Somit verwundert die Jahresangabe 1928 auf dem Großen Staatswappen an der Nordwestfassade nicht. Gefertigt hat es Richard Kuöhl.[239, Seite 279] Dies gilt auch für weitere außen angebrachte Bauschmuckelemente und die Uhr.[239, Seite 162]
Bild: Die Grundbuchhalle Bild: Der Brunnen in der Grundbuchhalle: Anblick von oben
Die mit einem großen Oberlichtfenster ausgestattete Grundbuchhalle umkleidet das zentrale Treppenhaus. Dessen Beleuchtung, seine Umgänge und Treppen sowie die sichtbaren Betonpfeiler bilden gemeinsam eine eindrucksvolle Gestaltung.
Bild: Der Brunnen in der Grundbuchhalle: Anblick von oben Zur Gestaltung schrieb Fritz Schumacher:[Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau 14 (1930), Seite 235f, Selbstgespräche ― Erinnerungen und Betrachtungen]

… wozu ich mich nicht nur aus formalen Gründen entschloß, sondern vor allem, um die künstlerische Baukeramik wieder etwas zu beleben, deren ganze Blüte im Kriege zum Erliegen gekommen war. Deshalb ließ ich auch am Äußeren des Gebäudes die edelste Form dieser Baukeramik in bescheidener Weise anklingen: das durch farbige Emailflüsse veredelte, wetterfeste Steinzeug. An drei meiner Vorkriegsbauten hatte ich diese Technik, auf die ich für den Backsteinbau besondere Hoffnungen setzte, als erster zu entwickeln begonnen, und ich mußte fürchten, daß das Errungene verlorgenginge, wenn man nicht wieder dahinterfaßte.
… Ich benutzte diese Technik der sparsamen aber leuchtenden farbigen Belebung bei einem zweiten großen Bau, dessen Äußeres hierfür keinen Anlaß bot, auch im Inneren einer beherrschenden Halle; es war das neue Justizgebäude, das zwischen den Abteilungen für Amtsgericht und Zivilgericht das Grundbuchamt aufnimmt. Dieses ist mit seinen vierzehn Abteilungen um eine Mittelhalle angeordnet, die, mit Oberlicht gedeckt, durch drei Geschosse geht und wie ein großer Beleuchtungskörper wirkt, der helle Korridore und eine helle Haupttreppenanlage schafft, ohne dafür Gebäudefront in Anspruch zu nehmen.

Bild: Der Brunnen in der Grundbuchhalle im Erdgeschoss Bild: Der Brunnen in der Grundbuchhalle: die Statue vom Erdgeschoss aus gesehen
Die Statue einer Wasserträgerin krönt den Brunnen
Bild: Der Brunnen in der Grundbuchhalle: spielende Kinder Bild: Der Brunnen in der Grundbuchhalle: spielende Kinder
Ringelreihen spielende Kinder, seine expressionistische Gestaltung und die leuchtende Farbgebung des Inneren der Wasserbecken beleben den Brunnen.

Die Figuren bestehen aus unglasierter schwarzer Klinkermasse.[239, Seite 158] Der 5 m hohe Fayence- bzw. Majolikabrunnen wurde 1929 von Richard Kuöhl geschaffen. Als Beleg sei hier ein archivierter Artikel des Denkmalvereins Hamburg (Abruf 19.9.2021) angegeben.


Aus dem Nachlass Fritz Schumachers werden etliche Fotos der Gebrüder Dransfeld in Wikipedia Commons veröffentlicht: Erweiterungsbau des Ziviljustizgebäudes: Außen- und Innenfotos der Gebrüder Dransfeld (Abruf 19.9.2021)

Der Fotograf der hier gezeigten Fotos vom Brunnen möchte nicht genannt werden.

Letztes Upload: 15.05.2022 um 11:52:04 • Impressum und Datenschutzerklärung