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Richard Kuöhl - Kriegerdenkmale in Hamburg:
Das Kriegerdenkmal „Am Licentiatenberg”

Hinweis: Diese Seite entstand im Frühjahr 2003. Mir fiel im Januar 2007 auf, dass dies hier beschriebene Denkmal und dessen Gegendenkmal beseitigt worden sind. Der Inhalt dieser Seite ist entsprechend angepasst.
Bild: Richard Kuöhl, Kriegerdenkmal Am Licentiatenberg
Kriegerdenkmal am Licentiatenberg. Ob das Grabmal für Fritz Stavenhagen als Vorbild diente?
Bild: Richard Kuöhl, Kriegerdenkmal Am LicentiatenbergIn Groß Borstel, bei der Straße „Am Licentiatenberg”, stand von 1922 bis März 2006 ein Klinkerkubus mit einem Grauguss-Adler auf einer übergroßen halben Kanonenkugel. Baurat Max Schmidt aus Hamburg war der Architekt. Der Adler mitsamt der halben Kanonenkugel stammt von Richard Kuöhl. Der Adler symbolisiert die ungebrochene Kraft - Dr. Rudolf Schmidt schrieb dazu: ... darauf steht eine Kugel und auf dieser das Symbol der ungebrochenen Kraft, der festgefügten, tiefinnerlich verankerten Hoffnung auf die Zukunft unseres Volkes, der Trauer um das Verlorene und die Zuversicht auf neue Blüte.
Bild: Richard Kuöhl, Kriegerdenkmal Am Licentiatenberg (16.2.2003)Die Inschrift auf der großen Graugussplakette mit dem Stahlhelm lautete:
Aus unserer Gemeinde
Gross Borstel starben
im Weltkrieg 1914-1918
72 Soldaten
den Heldentod für das
Vaterland

Niemand hat grössere
Liebe denn die dass er
sein Leben lässet für
seine Freunde
Der zweite Teil der Inschrift erinnert an Joh.15,13. Dort steht etwas abweichend:
Eine größere Liebe hat niemand
als dass er sein Leben hingibt für seine Freunde.
Die Vorgeschichte dieses Denkmals ist fast unbekannt. Es wurde während der Inflation mit Spenden aus Amerika finanziert (diese Information stammt aus der Webseite www.grossborstel.de/kvgeschichte.html in der 2003 verfügbaren Version). Vermutlich ist somit der „Kommunalverein Groß Borstel von 1889” der Auftraggeber für dies Denkmal. Man weiß nicht einmal wirklich genau, wessen hier gedacht werden soll:

Der Adler deutet auf eine Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg 1870/71 hin, aber die (möglicherweise nachträglich angebrachtem ???) Plaketten erinnern an 72 Groß Borsteler Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Jedoch bezieht sich der Text „Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässet für seine Freunde” auf den Zweiten Weltkrieg.

1997 (in einer anderen Quelle habe ich 1999 gefunden) wurde ein Gegendenkmal „Schützengraben - Soldatengrab” nach einem Entwurf des Hamburger Künstlers Gerd Stange errichtet. Nun konnte man das alte Denkmal aus einem Schützengraben am Rande des Berges mit Blick durch ein Periskop bewundern. Allerdings funktionierte im Februar 2003 das Periskop nicht mehr, und die Erklärungstafel am Gegendenkmal machte einen ungepflegten Eindruck.

Dem Grauguss-Adler ging es im Februar 2003 besser, denn jemand hat ihn - wie auf dem Foto weiter oben zu erkennen ist - mit einem Weihnachtsbaum geschmückt! So richtig ernst werden Heldendenkmäler wohl nicht mehr genommen. Eine sehr erfreuliche Entwicklung!

Es ist fast schon eine Ironie: Mit dem hinzugefügten Schützengraben entstand eine Denkmaltrilogie, denn der Groß Borsteler Licentiatenberg ist ein aufgeworfener Grabhügel aus der Bronzezeit.

Im Oktober 2005 wurde festgestellt, dass das Denkmal durch Verwitterung und Vandalen so stark beschädigt war, dass ein Abtrag nicht zu umgehen sei. Die zuständigen Behörden und Interessengruppen machten sich Gedanken über eine Lösung. Seit März 2006 ist der Sockel samt Denkmal wegen Renovierungsarbeiten abgetragen. Der Kulturausschuss empfahl, bei der Bezirksversammlung zu beantragen:

  • das abgetragene Kriegerdenkmal „Am Licentiatenberg” in Groß Borstel wird nicht wieder errichtet
  • das Nachdenkmal „Schützengraben – Soldatengrab” wird zurückgebaut
  • die erhaltenen Elemente des Kriegerdenkmals werden dem Museum für Hamburgische Geschichte übergeben

Informationsquellen u.a.: Drei Artikel der „TAZ-Hamburg” aus den Jahren 1996 bis 1999, die Erklärungstafel am Gegendenkmal, das Hamburger Abendblatt vom 14.Oktober 2005. Die Angaben zum Architekten und das Zitat finden sich in dem Artikel Dr. Rudolf Schmidt: Großplastiken Richard Kuöhls, Hamburg, Deutsche Bauzeitung Nr. 25 vom 27.März 1929, Seite 225 ff.

Letztes Upload: 07.12.2018 um 05:28:39