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„Rocket” und Rainhill

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Museumsbahnen

Science Museum in London:
„Puffing Billy” und „Locomotion”

Bei wirklich alten Dampfloks ist das Science Museum führend — es besitzt die berühmte Lokomotive „Puffing Billy” des Erbauers William Hedley von 1813 und die noch berühmtere „Rocket” von 1829.

Die „Locomotion” steht nicht im Science Museum. Sie wurde 1957 als Denkmal im Bahnhof North-Road in Darlington aufgestellt.

„Puffing Billy”

Bild: Von Hedley gebautes Modell des Versuchwagens zur Ermittlung der Reibung zwischen Rad und Schiene (Science Museum)
Von Hedley gebautes Modell des Versuchwagens zur Ermittlung der Reibung zwischen Rad und Schiene (Science Museum)
1812 war es noch fraglich, ob eine Lokomotive mit glatten Rädern genügend Reibung auf glatten Schienen hätte, um beladene Wagons ziehen zu können. William Hedley baute dies vielleicht 20 cm lange Modell unter Verwendung von bei einem Uhrmacher gekauften Zahnrädern. Danach baute er einen Testwagen in voller Größe und konnte nachweisen, dass auch glatte Räder auf glatten Schienen genügend Reibung haben, um beladene Wagons zu ziehen.

Damit war die Entscheidung gefallen: glatte Rädern auf glatten Schienen.

Bild: Lokomotive Puffing Billy (Science Museum)
Bild: Lokomotive Puffing Billy (Science Museum)Bilder oben und links: Der Schmied Timothy Hackworth (*1786; †1850) und der Grubenaufseher William Hedley konnten 1813 oder 1814 ihre 4-rädrige „Puffing Billy” in Betrieb nehmen. Die Lok wog 8 Tonnen, der Tender weitere 4 Tonnen. Da sie Schienenbrüche verursachte, wurde sie 1815 auf 8 Räder gesetzt. Eine zweite Lok dieser Bauart erhielt den Namen „Wylam Dilly”.

Als Untergestell wurde ein Kohlenwagen verwendet. Der Kessel gleicht in der Bauart den Kesseln von Trevithick. Durch ihn führt ein einziges Flammrohr.

Die Übertragung der Kraft von den beiden senkrechten Zylindern auf die 2 bzw. 4 Antriebswellen erfolgte mit Zahnrädern. Später wurde die Radanzahl wieder auf 4 reduziert. Die Lok konnte rund 50 Tonnen Last, also etwa 10 Kohlenwagen, mit rund 8 km/h ziehen. Sie war halb so zugstark wie eine Zahnradlokomotive von Blenkinsop.

Die Lokomotive hat zwei Enden. Am Ende mit dem Schornstein war der Tender angehängt. Hier werkte der Heizer. Am anderen Ende werkte der Lokomotivführer. Er befand sich somit in der Nähe der beiden Antriebszylinder.

„Puffing Billy” war bis 1862 in Betrieb! Sie ist die älteste Lokomotive im Science Museum.

Bild: Puffing Billy, HolzschnittDer Holzschnitt[111] zeigt die Lokomotive im Bauzustand mit 8 Treibrädern. Deutlich ist zu sehen, dass man bei diesem Umbau einen zusätzlichen Rahmen unter den ursprüngliche Lokomotivrahmen gesetzt hatte. Der runde Dom auf dem Kessel in der Nähe des Schornsteins wurde ebenfalls nachträglich angebracht. Es ist ein Schalldämpfer. In ihm wurde der austretende Abdampf gepuffert — dies reduzierte die Pufflaute von Puffing Billy. Bei einem späteren Umbau wurde dieser Schalldämpfer wieder entfernt.
Wo mag der Spitzname „Puffing Billy” herkommen ?
Ein „billy” oder „billy-can” ist ein Kochtopf. Ihren Namen verdankt „Puffing Billy” dem Auspuffgräusch. Bei jedem Kolbenhub stieß sie deutlich hörbar Dampf und Rauch aus — so, wie man es bei einer richtige Dampflokomotive erwarten würde!

„Billy” ist jedoch auch die vertrauliche Kurzform für „William”. Vielleicht wurde die Lokomotive nach William Hedley benannt. Laut Website des Deutschen Museums in München erhielt die Lokomotive ihren Spitznamen erst, als man sich entschloss, sie als Museumslokomotive zu erhalten. Das Deutsche Museum in München besitzt einen Nachbau dieser Lokomotive. Er wird in Halle 3 des Verkehrszentrums ausgestellt. (Stand Mai 2013)

Technische Daten der „Puffing Billy”
Typ:Güterzuglokomotive
Hersteller:Timothy Hackworth, William Hedley
Bauart/Achsfolge:Nassdampf /B, zeitweise Achsfolge D
Zylinder (Ø * Hub):zwei außenliegende, 229 * 914 mm
Kesseldruck:3,3 bar
Baujahr:1813
Treibraddurchmesser:991 mm
Spurweite:5 Fuß (1524 mm)
Länge über Puffer, ohne Tender:3,85 m
Geschwindigkeit:ca. 8 km/h

„Locomotion”

Bild: Modell der Locomotion (Science Museum)
Bild: Modell der Locomotion (Science Museum)Bilder oben und links: Dies Modell der „Locomotion” steht in der Nähe der „Puffing Billy” und der „Rocket” in einer Vitrine.

Die originale „Locomotion” blieb bis 1841 im Dienst. Danach wurde sie 7 Jahre stationär genutzt. 1857 wurde sie am North Road Bahnhof in Darlington als Denkmal aufgestellt.

Das allerletzte Mal unter Dampf gesetzt wurde die „Locomotion” 1875 zum 50-jährigen Jubiläum der Eisenbahn. Dazu wurde sie auf ihrem Sockel soweit angehoben, dass das Triebwerk frei stand. Von außen wurde Dampf zugeführt, die Besucher konnten das sich drehende Triebwerk sehen und hören.

Bei der großen Parade 1925 zum 100-jährigen Jubiläum war ebenfalls eine „Locomotion” zu sehen. Allerdings war es nur ein Nachbau. Diese Locomotion führte den letzten Zug in der Parade. Angetrieben wurde die Lokomotive durch einen Benzinmotor (petrol engine) im Tender. Trotzdem blieb das Feuerrost der Lokomotive nicht kalt. Ölgetränkte Lumpen sorgten für anschaulichen Qualm.


Ein wenig mehr über die erste „Lokomotive” steht in den Seiten über George Stephenson.
Letztes Upload: 23.05.2020 um 05:09:06. Dieser Abruf erfolgte am 08.07.2020 um 00:34:02 Uhr.