Richard Kuöhl auf dem Friedhof Ohlsdorf:
Historische Kriegerdenkmale

Die Hauptinformationsquelle für diesen Teil meiner Website ist der Artikel Helmut Schoenfeld: Die Museumsbereiche des Ohlsdorfer Friedhofs [Zeitschrift für Trauerkultur, Ausgabe 70, August 2000]

Am Nebenzugang zu den deutschen Soldatenfriedhöfen von der Mittelallee aus stehen mehrere historische Kriegerdenkmale und bilden ein kleines Denkmalmuseum. Mir sind aus dieser Sammlung vier Denkmäler besonders aufgefallen.

Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabplatte Das letzte Lied/Am Grabe in Polen
Friedhof Ohlsdorf, Grabplatte Das letzte Lied/Am Grabe in Polen
Diese Gedenkplatte erinnert an den am 4.12.1914 in Polen gefallenen Sohn der Familie Bove-Rode mit dem Gedicht: „Am Grabe in Polen”.

Das letzte Lied hat ausgeklungen
Das Dir der Steppenwind hat gesungen
Und lind und sacht
Hat Dir der Schnee Dein Bett gemacht
Und Dich in tiefste Ruh gewiegt
Mein Kamerad nun magst Du träumen
Wie unter den verschneiten Bäumen
So fern und weit
Zur Weihnachtszeit
Dein Elternhaus in Frieden liegt.

Die Gedenkplatte wurde 1998 von der ehemaligen Familiengrabstätte (Löwengrab) hierher gebracht.


Bild: Friedhof Ohlsdorf, Denkmal für die Gefallenen der Baudeputation
Der Gedenkplatte unmittelbar gegenüber steht dieser große Gedenkstein. Er lagerte fast vergessen auf einem Materialplatz der Tiefbauabteilung in Billstedt. Er ehrt die 168 im Ersten Weltkrieg gefallene Mitarbeiter der Baudeputation. 1993 wurde er hier aufgestellt. Der Entwurf zu diesem Stein ist dem Bildhauer Richard Kuöhl zuzuschreiben.
Bild: Friedhof Ohlsdorf, Denkmal für die Gefallenen der Baudeputation Die auf dem Foto nur schwer lesbare Inschrift lautet:

Einhundert und
achtundsiebenzig
Angehörige der
Baudeputation
liessen ihr Leben
für das
Vaterland
im Weltkriege
1914 – 1918

Der Ehrung ihres
Andenkens ist
dieser Stein
geweiht

Auf der Rückseite des Steins wird weniger aufwändig an den Zweiten Weltkrieg erinnert.


Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Walter Roy, „Ich trage die Fahne”
Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Walter Roy, „Ich trage die Fahne”
Das Grabmal für den Fähnrich Walter Roy stand ursprünglich im Bereich des Millionhügels im Planfeld AD14.[225,Seite 88] Danach lag es fast 30 Jahre lang unbemerkt auf einem Lagerplatz und befindet sich seit 1997 zusammen mit dem teilweise rekonstruierten Sockel hier. Der Entwurf stammt von dem Bildhauer Kunstprofessor Arthur Bock. Es stellt einen aufgebahrten Fahnenträger mit entblößtem Oberkörper dar. In der rechten Hand hält er das Schwert, links die Fahne. Die Inschrift ist dem „Cornet” von Rainer Maria Rilke entnommen. Hier schreibt Rilkes fiktiver Vorfahre Christoph Rilke während des Krieges gegen die Türken 1663 einen Brief an seine Mutter:

Meine gute Mutter,
seid stolz: Ich trage die Fahne,
seid ohne Sorge: Ich trage die Fahne,
habt mich lieb: Ich trage die Fahne.

Er fällt am nächsten Tag in der Schlacht.


Rainer Maria Rilkes Jugenddichtung „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke” aus dem Jahre 1899 war zwischen 1912 und 1945 eine der in Deutschland meistgelesenen Dichtungen. Es ist Heldenliteratur in Reinkultur. Wie mein altes Lexikon besagt, war der„Kornett” der jüngste Offizier einer Eskadron. Er trug die Standarte (französisch: Cornette). Im 16. und 17. Jahrhundert gab es in einer Reiterkompanie den Kornettreiter, denn jede Reiterkompanie führte eine Standarte. Wer Rainer Maria Rilkes kurze Jugenddichtung nachlesen möchte: In der Wikisource findet man die gesamte Erzählung.
Bild: Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Leutnant Julius Krause Der Leutnant Julius Krause starb 21jährig fürs Vaterland – eine lateinische Inschrift auf der Innenseite des Schildes lässt hier nicht den geringsten Zweifel aufkommen (Die Inschrift ist auf dem Bild nicht erkennbar). Am Sockel steht: Für das Vaterland sterben heißt im Andenken der Menschen ewig leben.

Nach dem antiken Vorbild des sterbenden Achill ließ die Mutter dem geliebten Sohn ein heroisierendes Denkmal nach dem Entwurf des Bildhauers Roland Engelhard setzten. Nach Ablauf der Grabstätte schenkte sie es dem Friedhof. Das Grabmal stand ursprünglich im Planfeld U32,196.[202,Katalognr. 8 und 733]


Ein kleine Ruhezone
Bild: Zwei historische Kriegerdenkmale und eine Sitzbank bilden einen Ruhebereich
Zwei historische Kriegerdenkmale und eine Sitzbank bilden einen Ruhebereich
Zu Mittelallee hin, also am Südende des Weges durch die historischen Kriegerdenkmale, wurde eine Ruhezone eingerichtet. Das am südlichsten stehende Denkmal ist gleichzeitig das älteste Denkmal hier. Es stand ursprünglich auf einem der alten Hamburger Kirchhöfe des Friedhofsclusters an der Karolinenstraße. Es ist älter als der 1877 eröffnete Ohlsdorfer Friedhof, denn es bezieht sich auf den Krieg 1870/71.[Zeitschrift für Trauerkultur, Ausgabe 70, August 2000] Der damals gegen Frankreich gewonnene Krieg wird einer der Auslöser des Vorhaben zum Bau des Friedhofs Ohlsdorf gewesen sein, denn der Verlierer entschädigt den Kriegsgewinner durch Zahlung von sogenannten Reparationszahlungen.
Bild: Das linke Denkmal: Krieg 1870/71
Das linke Denkmal: Krieg 1870/71
Bild: Das rechte Denkmal: 1914, Erster Weltkrieg
Das rechte Denkmal: 1914, Erster Weltkrieg
Zum linken Denkmal:
Bild: Detail der Inschriften des Kriegerdenkmals 1871/72
Detail der Inschriften des Kriegerdenkmals 1871/72
Die Widmung am Sockel des Grabmals lautet:

Den Braven
Die vereinigten Comités für die Verwundeten
in Hamburg.

Den Text oberhalb der Schrifttafel habe ich nicht vollständig entziffern können:

10 … Krieger
gestorben 1870 … Hamburger Lazarethen.

Deren Namen, Dienstgrad und Truppenzugehörigkeit sind nach Dienstgrad vom Unteroffizier zum Gemeinen absteigend sortiert auf der Schriftplatte dokumentiert.


Zum rechten Denkmal:
Laut Grabmalinschrift ist der am 21.11.1883 geborene Leutnant Johann Ludolf Henry Oelkers am 2.11.1914 bei Wytschaete gefallen. Dazu ein Zitat: Der Frontbogen bildete sich bei der Ersten Flandernschlacht 1914 durch das Vorrücken deutscher Truppen nach Westen hin. Sie nahmen Ende Oktober / Anfang November 1914 den strategisch wichtigen Bergrücken zwischen Messines und Wytschaete ein, und setzten sich darauf fest.[Wikipedia, Suchbegriff Wytschaete-Bogen, Abruf 9.5.2022]

Das Gebilde oben auf dem Grabmal stellt ein Kissen mit daraufliegendem Schwert, Helm und Lorbeerkranz dar. Die ehemalige Grabnummer war AF29,211–218.[202, Katalognr. 753]

Letztes Upload: 15.05.2022 um 08:09:08 • Impressum und Datenschutzerklärung