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Textauszüge aus Melhop: Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1895 bis 1920.
Mit Nachträgen bis 1923/24
b. Vorort Alsterdorf, Alsterdorfer Anstalten, c. Vorort Ohlsdorf

Band 1/Seite 601

b. Vorort Alsterdorf.

Grenzen:

Die Landesgrenze gegen Steilshoop sowie die Grenzen gegen Ohlsdorf, Fuhlsbüttel, Groß-Borstel, Eppendorf, Winterhude und Barmbeck.

Allgemeines.

Das teils noch recht ländlich anmutende Alsterdorf erfuhr in seinem westlichen Teil durch die 1913–1918 ausgeführte Kanalisierung der Alster eine völlige Umgestaltung. Die dortigen Wiesen- und Weideflächen, die allwinterlich von der Alster mehr oder weniger überschwemmt zu werden pflegten, wurden mit Kanälen und Straßen durchzogen und für die Bebauung vorbereitet.

Die Zunahme der Bevölkerung Alsterdorfs betrug von 1895 bis 1920 (1701–2905) rund 1000 Seelen, gleich 70,8 v.H. Die Bebauung fand größtenteils längs der Alsterdorfer und Ohlsdorfer Straße statt; an neuen Straßenanlagen sind, abgesehen von der Alsterkanalisierung nur drei zu nennen, alle im Osten des Vororts, der Sandbalken, die Bramberg- und Feuerbergstraße. Ausgebaut wurde die Sengelmannstraße, die in Verbindung mit der Flurstraße einen breiten Verkehrsweg zum Stadtpark und nach Barmbek bildet.[1] Östlich davon durchzieht die 1906 vollendete Vorortsbahn nach Ohlsdorf die Feldmark, und hat hier am 1. November 1913 den Haltepunkt Rübenkamp für das, mit seinem nördlichen Geländezipfel auf Alsterdorfer Gebiet liegende neue Barmbeker Krankenhaus erhalten.

In fast seiner gesamten Ausdehnung durchquert den Vorort von Südwest nach Nordost seit 1913 die Hochbahn, hat hier aber vorerst nur eine Haltestelle bei Band 1/Seite 602 der Ohlsdorfer Straße in noch unbebauter Umgebung. Der Staat hat in Alsterdorf, abgesehen von den Flächen der Alsterniederung, die sämtlich in seinem Besitz sind, auch sonst ausgedehnte Ländereien. 1903 wurden hier erworben etwa 0,3 ha für 1,30 Mark das qm, 1904 zusammen 9.5  ha zum Preise von 1,60 Mark und 1906 noch 5 ha, letztere südlich der Brambergstraße zu beiden Seiten der Vorortsbahn, für 2.60 Mark das qm.

Alsterdorf, das im Lauf der Zeit unter Holsteinisch-Gottorpscher, unter dänischer und dann unter klösterlicher Herrschaft stand, kam am 20. Juni 1803 im Austausch gegen Bilsen und einen Teil der Dorfschaft Hoisbüttel an Hamburg. Zum hundertjährigen Gedächtnis dieser Zugehörigkeit wurde 1903 in Alsterdorf ein dreitägiges Fest auf dem hergerichteten Spielplatz am Heubergredder gefeiert, wo Zelte , Schaubuden, Karussells usw, aufgestellt waren; am 21. Juni fand ein historischer Festzug statt.

1910–1912 baute der Staat östlich von den Alsterdorfer Anstalten eine Besserungsanstalt für Mädchen.[2]

Straßen und Wege

Alsterdorfer Damm s. Abschn. V unter Alsterkanalisierung.

Alsterdorfer Straße s. Band 1/Seite 356.

Borgweg s. Band 1/Seite 359.

Brambergstraße wurde 1908 der Weg Nr. 112 im Südosten Alsterdorfs nach einer Flurbezeichnung genannt. Die Straße ist auf dem östlichen Teil 17 m breit und überquert die Vorortsbahn mit 8 m breiter Holzbrücke. Der in unregelmäßiger Gestalt nach Süden zur Fuhlsbüttler Straße verlaufende Feldweg wurde 1912–1913 in gerader Richtung bis dorthin durchgeführt und gepflastert, nachdem man auf der dreieckigen Fläche zwischen Brambergstraße und Sandbalken 1911 Krankenbaracken (s. Band 1/Seite 425) errichtet hatte.

Feuerbergstraße heißt seit 1900 der bebaute Teil des westlich von der Fuhlsbüttler Straße abzweigenden, je in halber Breite auf Alsterdorfer und Ohlsdorfer Gebiet belegenen Weges nach einer dortigen Flurbezeichnung.

Der Weg ist 1911 in 17 m Breite ausgebaut worden. An der südlichen Verlängerung der Straße zwischen Vorortsbahn und Hochbahn wurde 1909–1911 auf einem 2,59 ha großen Platz eine Besserungsanstalt für Mädchen erbaut. Vordem waren die verwahrlosten, schulentlassenen Minderjährigen in einer Abteilung Band 1/Seite 603 des Werk- und Armenhauses untergebracht. Das neue Gebäude fasste 120 Zöglinge und ist mit einem Krankenhaus sowie einer Waschanstalt verbunden, die getrennt an der Ohlsdorfer Bahn liegen.Die am 20. April 1911 eröffnete Anstalt reichte aber bereits 1913 zur Unterbringung der ihrer bedürftigen weiblichen Zöglinge nicht mehr aus, da der Bestand auf 160 Köpfe angewachsen war. Es wurde deshalb 1914–1915 ein Neubau für weitere 64 Zöglinge errichtet, der den vom Hauptgebäude, Waschhaus und Krankenhaus umgebenen Anstaltshof auf der vierten Seite im Werten schließt. Das Krankenhaus erhielt einen Aufbau, auch das Waschhaus wurde vergrößert.

In der Fuhlsbüttler Straße ersetzte man 1898 die Abweiser durch Kantsteine mit Wasserlauf, pflasterte 1899 den Sommerweg an der Ostseite und stellte beiderseits Reihensteinstreifen für Radfahrer her; des wachsenden Wagenverkehrs wegen verschwand einige Jahre später auch der ungepflasterte Streifen an der Westseite der Straße. Im März 1911 wurde an der, auf preußischem Gebiet belegenen Strecke der Straße neben Schmuckshöhe eine hölzerne Luftschiffhalle nach dem Kieler Vorbild für den „Hansa-Luftverkehr”[Abruf 9.9.2019] erbaut; sie war 85 n lang, 35 m breit , hatte eine Bogenhöhe von 27½ m und wurde am 21. Mai 1911 zur Besichtigung freigegeben. Die Halle beherbergte 1911 ein Parseval-Luftschiff, das als erster Lenkballon seine Fahrten über Hamburg am 12. Juni begann und am 9. Juli nach Essen fuhr.Im November 1911 ward die Halle wieder abgebrochen.

Heiholtkamp (von Heelholt, dem Holunder, dessen Blüten und Beeren heilkräftig sind) nannte man nach einer benachbarten Flurbezeichnung 1900 den, die Ohlsdorfer Straße mit der Sengelmannstraße verbindenden Feldweg, als er in der Nähe der Ohlsdorfer Straße mit Gartenhäusern bebaut worden war.

Der Heubergredder hat seinen Namen von einer Flurbezeichnung. Als 1876 die Alsterdorfer Straße zuerst gepflastert wurde, erhielt er auf seiner südlichen Seite einen 2,3 m breiten Pflasterstreifen; zwischen der Alsterdorfer Straße und der Hochbahnhaltestelle  Alsterdorf” legte man dort 1914 einen Spielplatz an.

Der Lohkoppelweg[3] heißt auf der Flurkarte von Alsterdorf, die der Captain Fr.  Rasch 1774 angefertigt hat, Weg über die Looge (vergl. Band 1/Seite 341 und Band 1/Seite 515).

Dieser Weg und der Alsterdorfer Damm wurden vor ihrem Zusammentreffen durch ein vortretendes kleines Grundstück mit Kate stark eingeengt. Die rund 530 qm große Fläche ward deshalb 1901 gegen ein 820 qm großes Stück vom benachbarten Band 1/Seite 604 Staatsgrund und 4000 Mark zum Wiederaufbau des kleinen Hauses ausgetauscht, der Alsterdorfer Damm an dieser Stelle von 9 auf 17 m verbreitert und der Lohkoppelweg 1901 ebenfalls in dieser Breite durchgeführt. 1904 erbaute der 1899 gegründete Verein „Annaheim”, der unbemittelte Mädchen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses körperlich zu kräftigen sucht und zu Dienstmädchen ausbildet, auf einem staatsseitig überlassenen rund 2000 qm großen Platz an der Westseite des Lohkoppelwegs ein Anstaltshaus für etwa 30„Mädchen (Architekt Alfred Löwengard). 1913 wurde der Platz um weitere 1720 qm Staatsgrundes vergrößert, 1919 unterstellte man diese Dienstbotenlehranstalt der Behörde für das Arbeitsamt als Haushaltungsheim.

Die Ohlsdorfer Straße in Alsterdorf und Ohlsdorf wurde 1920 zur Alsterdorfer Straße hinzugezogen, dagegen die noch nicht ausgebaute Verlängerung der Winterhuder Ohlsdorfer Straße vom Baumkamp bis zur Alsterdorfer Straße Ohlsdorfer Straße genannt.

Der Rübenkamp (s. Band 1/Seite 422) entstand 1908 auf Barmbeker Gebiet und wurde 1910 auf Alsterdorfer Gebiet bis zur Brambergstraße durchgeführt, ebenso die Straße Sandbalken, die aber wieder aufgehoben ist.

Sengelmannstraße wurde 1899 der von der Ohlsdorfer Straße (seit 1920 Alsterdorfer Straße) auf der Grenze der Gemeinden Alsterdorf und Ohlsdorf südlich abzweigende, das Gebiet der Alsterdorfer Anstalten durchschneidende Weg Nr. 95 bzw, Nr. 118 genannt, nach dem 1899 verstorbenen Gründer und langjährigen Leiter der Alsterdorfer Anstalten, Pastor Sengelmann Dr. theol. et. phil.; denselben Namen erhielt die südliche Verlängerung dieser Straße, bzw. der, die Fortsetzung der Flurstraße in Barmbek bildende Teil der ehemaligen Alsterdorfer Straße auf Alsterdorfer Gebiet.

1913 bis 1914 verbreiterte man den nördlichen, anfänglich rund 10 m breit gewesenen dann im Osten auf 20 m gebrachten Teil der Sengelmannstraße bis zum Heiholtkamp nach Westen auf 35 m. Von den beiden geplanten 7 m breiten Fahrwegen ward vorerst der östliche gepflastert, nachdem die Sengelmannstraße auf dieser Strecke zur Erreichung eines besseren Gefälles etwa 3 m abgetragen war. 1919 planierte man als Notstandsarbeit die Straßenanlage längs der Hochbahn zwischen Sengelmannstraße und der Haltestelle Alsterdorf, desgl. den Borgweg von da an bis zum Nordring. 1920 erhielt der westliche Fahrdamm der Sengelmannstraße im Gebiet der Alsterkanalisierung bis zur Uferstraße Kleinpflaster.
Band 1/Seite 605

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Die Alsterdorfer Anstalten (s. Tp. II S. 477) liegen teils auf Alsterdorfer, teils auf Ohlsdorfer Gebiet. Seit 1895 sind auf dem Anstaltsgelände im wesentlichen folgende Änderungen vorgenommen:
1896–1897 wurde das Krankenhaus errichtet für 36 körperlich Kranke oder geistig krankhaft erregte Insassen.

1898 entstand das Pfleglingshaus „Im Fichtenhain” für 60 Knaben.

1900 am 3. Oktober fand die Einweihung des Hauses für männliche ältere Pfleglinge „Heinrichshöh” (nach dem Vornamen des Pastors Sengelmann) statt.

Das Verwaltungsgebäude wurde 1901–1902 an der Sengelmannstraße nahe dem Haus „Schönbrunn” errichtet, in dem Pastor Sengelmann am 19. Oktober 1863 die Fürsorge für Schwachsinnige aufnahm.

1904 erbaute man das zweistöckige Haus mit Gartenhalle „zum guten Hirten” für 120 weibliche Pfleglinge.

1905 entstand das Ärztewohnhaus im Garten der Kostanstalt an der Westseite der Sengelmannstraße. Am 13. Januar 1907 fand die Einweihung des 1906 hinter der Kirche erbauten Turn- und Versammlungssaales statt (Architekt Joh. Voth). Der große untere Saal ist 22 m lang und ohne Bühne 13½ m breit, er hat unten 600, auf der Empore 200 Sitzplätze; im Obergeschoss liegt der kleine 14*8 m messende Saal mit 200Sitzplätzen, der durch Aufziehen von Holzrollwänden mit dem großen Saal verbunden werden kann.

1909 hat man das Knabenhaus „Hohenzollern”umgebaut und als Pflegingshaus „Im Fichtenhaus” mit einem zweiten Stockwerk versehen.

1909 brachte ein Flächenaustausch mit dem Staat den Anstalten eine Abrundung ihres Gebiets, deren zusammenhängendes Gelände im Norden bis an die Ohlsdorfer Straße, im Osten bis an die Bodelschwinghstraße und im Westen bis an die Sengelmannstraße reicht im Umfang von rund 11,85 ha. Das Gesamtgebiet der Alsterdorfer Anstalten ist 19,65 ha groß, davon liegen 15,01 ha in Alsterdorf und 4,64 ha in Ohlsdorf.

1910 entstand das „Bodelschwinghhaus”, so benannt nach dem 1910 verstorbenen bekannten Vorkämpfer für nützliches Christentum. Es liegt hoch und frei mit der Hauptseite nach der Ohlsdorfer Straße (Architekt Höger), wurde am 19. Februar 1911 eingeweiht und dient zur Aufnahme von 140 siechen männlichen Pfleglingen.

1911 wurde eine vom Krankenhauskollegium leihweise überlassene Schulbaracke als Abschließungsbaracke für ansteckende Kranke aufgestellt, vorerst aber für die Bewohner des Sichenhauses „Karlsruhe”, das am 4. Juni 1911 (1. Pfingsttag) abbrannte, jedoch wieder aufgebaut worden ist.

Das neue Wirtschaftsgebäude Band 1/Seite 606 (Architekt C. Walter Martens) nebst Wasserturm mit zwei Behältern von 42 und 25 cbm Fassung wurde 1911–1912 gebaut; dann brach man das alte Mädchenhaus ab. Maschinen- und Kesselanlage wurden erweitert.

Zur Abrundung ihres Grundbesitzes erwarben die Anstalten 1911 ein an der Ohlsdorfer Straße gelegenes, von ihren Ländereien umschlossenes Fabrikgrundstück. In dem Fabrikgebäude richtete man eine Wohnung und 1914 rund 460 Schlafräume ein.

1912 nahm die Alsterkanalisierung der Anstalt im Norden die besten Wiesen und Weiden, währen die Hochbahn im Süden das Ackerland durchschnitt und neue Straßenanlagen den Landwirtschaftsbetrieb hinderten.

1913 wurde die Petroleumbeleuchtung ersetzt.

Am 19. Oktober 1913 konnten die Alsterdorfer Anstalten auf ein 50-jähriges Bestehen zurückblicken. Zu dieser Jubelfeier bewilligten Senat und Bürgerschaft 150 000 Mark für den Bau eines neuen Schulhauses, das 1913–1914 zwischen dem Bodelschwinghhaus und dem Turn- und Versammlungssaal nach preisgekröntem Entwurf der Architekten Distel und Grubitz errichtet wurde. Am 9. März 1914 erfolgte der Umzug aus der alten Schule „Deutscher Kaiser”, in deren Mauern die Anstaltsschule sich über 30 Jahre befunden hatte. Nach dem Neubau, dessen Einweihung am 31.gen. Mts. stattfand. Nach Ausbruch des Krieges wurde die Schule als Lazarett zur Verfügung gestellt.

1913 legte man eine neuen Fahrweg von der Alsterdorfer Straße aus als zukünftigen Haupteingang der Anstalt an, weil die Sengelmannstraße, wo der bisherige Eingang lag, um 3 m tiefer gelegt wurde, so dass alle Einfahrten fortfielen. Am oberen Ende der neuen Zufahrtsstraße stellte man einen einfachen Zierbrunnen auf.

1917 musste die Anstaltskirche ihre Glocken bis auf eine und die größten Orgelpfeifen den Kriegsbedürfnissen opfern. 1921 wurde wegen Baufälligkeit die alte Kapelle abgebrochen, die von 1867 bis zur Einweihung der Kirche 1889 gottesdienstlichen Zwecken gedient hatte, späterhin als Konfirmandenraum, Bibliothek und zuletzt als Schlafsaal benutzt worden war.

Band 1/Seite 607

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b. Vorort Ohlsdorf.

Grenzen:

Die Landesgrenze gegen Steilshoop und Bramfeld, die Grenzen gegen Klein Borstel, Fuhlsbüttel und Alsterdorf.

Allgemeines.

Ohlsdorf wurde mit den übrigen Landgemeinden im Norden der Stadt am 1. Januar 1913 zum Vorort erhoben, gleichzeitig ward die achtklassige Gemeindeschule zur Volksschule. Die Wasserversorgung ist bis 1915 fertig geworden, die Entwässerung erfolgt durch das im Zusammenhang mit der Alsterkanalisierung gebaute linksseitige Alstersiel. Gasbeleuchtung erhielt Ohlsdorf bereits 1889. An Einwohner hat Ohlsdorf von 1896 bis 1920 insgesamt um nur 650 (847–1499) zugenommen, das ist = 77 v.H. Die im Dezember 1906 stattgehabte Eröffnung der Vorortsbahn nach Ohlsdorf brachte eine erhebliche Steigerung des Personenverkehrs, jedoch zogen die benachbarten Vororte von dieser Eisenbahnverbindung ebenso viele Vorteile als Ohlsdorf selbst; die Hochbahn dorthin wurde am 1. Dezember 1914 in Betrieb genommen. Die Alsterkanalisierung gestaltete den westlichen Teil des Vororts um und schaffte hier mehrere Wohnstraßen; im übrigen sind seit 1895 nur zwei Straßen neu hinzugekommen, die Feuerberstraße und der Fohrenbergweg. Der Ohlsdorfer Friedhof hat sich nach Norden auf Klein Borsteler Gebiet und in den letzten Jahren bedeutend nach Osten auf die Bramfelder Feldmark ausgedehnt.

Straßen und Wege

Alsterdorfer Straße s. Ohlsdorfer Straße Band 1/Seite 604.

Bodelschwinghstraße wurde 1908 der Weg Nr. 10 (über den Namen s. Band 1/Seite 605) genannt, der von der Alsterdorfer Straße zu den Alsterdorfer Anstalten abzweigt und 1898 von 4–5 m auf 17 m verbreitert und geebnet worden ist.

Feuerbergstraße s. Band 1/Seite 602. Band 1/Seite 608

Forenbergstraße wurde nach einer Flurbezeichnung 1911 die zwischen Feuerbergstraße und Sommerkamp 1910 in 17 m Breite angelegte Straße genannt.[4] Hier und an der Nordseite der Feuerbergstraße erwarb die Eisenbahndirektion Altona 1909 einen rund4200 qm großen Platz vom Hamburger Staat für 6 Mark das qm außer Straßenbeitrag und erbaute dort eine Reihe Häuser für ihre Beamten und Arbeiter, je vier Wohnungen in einem Doppelhaus.

Fuhlsbüttler Straße. 1898 erhielt die Verlängerung dieser Straße in Ohlsdorf westwärts bis zur Schleuse in Fuhlsbüttel ebenfalls den Namen Fuhlsbüttelerstraße, der aber 1910 in Rathsmühlendamm ( Band 1/Seite 630) abgeändert worden ist. Nachdem 1898 in der Fuhlsbüttler Straße die Abweiser durch Kantsteine ersetzt waren, hat man daselbst in den folgenden Jahren beide sog. Sommerwege bis zur Wellingsbütteler Landstraße ausgestattet. 1901 ward das Nordende der Straße zur Herstellung einer geräumigen Endhaltestelle der Straßenbahn durch Abnahme eines Streifens von 23 m auf 30 m verbreitert. Bei der Einmündung der Wellingsbütteler Landstraße blieb das alte Maß von 23 m erhalten. Die nördlich vom zweiten Eingang zum Friedhof hochgelegene Reihe kleiner Häuser, genannt „Grauer Esel”, fiel in die Straßenverbreiterung und wurde abgebrochen. Über die Anlagen der Straßenbahn siehe Band 2/Seite 446 Abschn. VII 4.

1902 erhielt auch die Ostseite der Fuhlsbüttler Straße einen durchgehenden Fußweg zwischen Ihlandstraße und Redderplatz. Gegenüber dieser Strecke wurden 1905 vier Staatsgrundplätze, groß zusammen3915 qm,für 9,22 Mark das qm einschließlich Rente öffentlich verkauft; desgleichen 1909 eine 1000 qm große Fläche für 16,04 Mark, 1910 ein rund 3130 qm großes Grundstück gegenüber der Ihlandstraße für 18,02 Mark das qm einschließlich Rente.

1914–1915 erfolgten durch Überführung der Langenhorner und der Alstertalbahn Veränderungen der Straße beim zweiten Friedhofseingang. Die vormalige platzartige Erweiterung wurde hier mittels hoher Brückenwiderlager auf 23 m Straßenbreite eingeschränkt; auf der Friedhofsseite fiel die Fußweginsel und das beiderseitige Doppelgleis fort; die Mauer rückte bis dicht an das Tor des zweiten Eingangs heran und bis rund 25 m in die Straße vor; an der gegenüberliegenden Seite südlich der Einmündung der Straße „Im grünen Grunde” errichtete man die Mauer in der bestehenden Straßengrenze; auf den beiden je rund 90 m langen Widerlagemauern und den Zwischenpfeilern in den Gehwegen sind je vier Eisenbahnbrücken gelagert. Band 1/Seite 609

Im grünen Grunde wurde wegen seiner Lage neben den Alsterwiesen 1908 der Weg Nr. 27 genannt, welcher an der Westseite des Ohlsdorfer Bahnhofes von der Straße[5] nordwärts zur Fuhlsbüttler Straße führt. Ausgebaut wurde die Straße in 17 m Breite im Zusammenhang mit der Alsterkanalisierung und nach Vollendung des Sielbaus 1920–1921 mit Kleinsteinen gepflastert.

Badeanstalt Ohlsdorf. 1896 hat man an der Südseite der Männerbadeanstalt auch eine kleine Frauenbadeanstalt in der Alster angelegt und im September eröffnet. Das Becken maß 33 m zu 17 m;: die Baul ichkeiten bestanden aus drei Einzelkammern und einer 10 m zu 3½ m messenden offenen Halle.

Benutzung der Badeanstalt 1913: 55350 männliche, 21700 weibliche Besucher. Während des Krieges fand keine ordentliche Zählung statt. Infolge der Alsterkanalisierungsarbeiten wurde die Badeanstalt 1916 abgebrochen, um sie ungefähr an gleicher Stelle im erheblich größeren Umfange neu zu bauen; sie war 1922 so weit fertig gestellt, dass sie am 25. Mai vorläufig in Benutzung genommen werden konnte, In dem Tannengehölz zwischen der Alsterdorfer Straße und der Badeanstalt wurde 1903 ein Kinderspielplatz hergestellt, der 1913 in staatsseitige Unterhaltung kam.

Ihlandstraße nannte man 1903 nach einem Flurnamen den von der Fuhlsbüttler Straße zum Israelitischen Friedhof führenden Weg NR. 55. 1899 wurde der Weg bis zum neu erbauten Calcinierofen auf dem Central-Friedhof gepflastert. 1907 baute man die Straße bis zur Ostgrenze des Israelitischen Friedhofes aus, hob aber 1913 das östlich davon nach Steilshoop führende Stück auf (s. Band 1/Seite 613).

Die Ohlsdorfer Straße erstreckte sich von Winterhude über Alsterdorf und Ohlsdorf bis zur Fuhlsbüttler Straße. Der Alsterdorf–Ohlsdorfer Teil ist 1881 amtlich benannt worden, aber 1920 zur Alsterdorfer Straße (Winterh.) hinzugezogen, während der erstere Name dem noch nicht ausgebauten Teil der Ohlsdorfer Straße zwischen Baumkamp und Alsterdorfer Straße beigelegt wurde bzw. verblieb.

1897 ward dem Verein Alsterdorfer Anwohner an der Ohlsdorfer Straße neben der Ohlsdorf-Alsterdorfer Gemeindeschule Ecke Sengelmannstraße ein 5100 qm großer Platz zur Abhaltung von Jugend- und Volksspielen überlassen. Dieser Spielplatz ging 1913 in staatliche Unterhaltung über.

1903–1904 wurde der von der Ohlsdorfer Straße nordwestlich über die Alster in Verlängerung der Nesselstraße zum Maienweg führende Fußweg unter Verbreiterung der 1882 gebauten Band 1/Seite 610 Fußgängerbrücke über die Alster von 2 auf 5 m als Radfahr- und Reitweg ausgebaut. Statt der etwa 1,5 m hohen Treppe an der Nordwestseite legte man eine rund 60 m lange Rampe an. Durch die Alsterkanalisierung fiel dieser Übergang fort.

Über das Crematorium s.Band 1/Seite 616

Die Erziehungs- und Besserungsanstalt.[6] Hier wurde 1898 ein 100 qm großer Schuppen mit Arbeitsräumen für Zöglinge und um sie auch im Winter mit landwirtschaftlichen und gärtnerischen Arbeiten beschäftigen zu können, aufgestellt. 1905 baute man innerhalb der Anstalt ein Aufseherhaus mit vier Wohnungen.Infolge Inkrafttretens der Gesetze vom 11. September 1907 über die Zwangserziehung Minderjähriger und über die öffentliche Fürsorge für Minderjährige wurde die Anstalt seitens der Behörde für Zwangserziehung am 29. Februar 1908 dem Waisenhauskollegium übergeben. Die am 1. Oktober 1884 in Benutzung genommene Anstalt besteht aus einer Knaben- und davon völlig getrennt, einer Mädchenabteilung; es können 250 Zöglinge (175 Knaben, 75 Mädchen) aufgenommen werden. Das neue Gesetz brachte einen sehr erheblichen Zuwachs an älteren, der Schule entwachsenen Zöglingen, der 1908 die Erbauung zweier Wohnräume für ältere Zöglinge bedingte. 1913–1914 ward neben dem vorhandenen ein zweites Wohnhaus für vier Aufseher hergestellt.

Redderplatz nannte man nach einer dortigen Flurbezeichnung den nördlich der Ihlandstraße von der Fuhlsbüttler Straße neben dem Central-Friedhof abzweigenden, etwa 150 m langen Weg Nr. 73, der am Ostende keinen Ausgang hat.

Sommerkamp heißt seit 1903 nach einem Flurnamen der die Fuhlsbüttler Straße mit der Ohlsdorfer Straße verbindende Weg Nr. 32, dessen Ausmündung dahin 1905 wegen Baues der Vorortsbahn verlegt worden ist.

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Fußnoten
Das Anklicken der Fußnotennummer führt in den Text zurück.
  • [1] Der Sandbalken verlief auf dem Gelände des Allgemeinen Krankenhauses Barmbek in Nordost-Südwest-Richtung und stieß etwa in Höhe Elligersweg auf die Fuhlsbüttler Straße (Angabe ohne Gewähr). Die Brambergstraße ist jetzt ein Teil Hebebrandstraße. Sie verlief zwischen Fuhlsbüttler Straße und der heutigen Sengelmannstraße. Die Ohlsdorfer Straße war zweigeteilt. Ihr nördlichen Teil entspricht der jetzigen Alsterdorfer Straße zwischen Hindenburgstraße und Fuhlsbüttler Straße. Ihr südlicher Teil begann und beginnt auch gegenwärtig am Winterhuder Marktplatz. Bevor die Polizeikaserne in Alsterdorf entstand, endete sie fast unmittelbar an der U-Bahn-Haltestelle Alsterdorf. Die Flurstraße heißt seit 1935 Saarlandstraße.

  • [2] Jetzt (September 2019) Landesbetrieb Erziehung und Beratung — Kinder- und Jugendnotdienst, Feuerbergstraße 43, 22337 Hamburg

  • [3] Umbenennung 1929 und 1949 in Carl-Cohn Straße nach Senator Carl Cohn (1957–1931).[26,Suchbegriff Carl-Cohn-Straße]

  • [4] 1928 erhielt der Fohrenbergweg den neuen Namen Rübenkamp.

  • [5] Im Buch steht an dieser Stelle nur von der Straße. Gemeint sein dürfte von der Alsterdorfer Straße.

  • [6] Laut dem Orfix-Stadtplan von 1929 lag eine (die?) Erziehungsanstalt für Knaben im Bereich zwischen der jetzigen (Stand 2019) Bugenhagenschule Alsterdorf und dem Einschnitt der U-Bahn. Bei der von der Alsterdorfer Straße 502 abgehenden Zufahrtsstraße ist kein Straßenname vermerkt.

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