Richard Kuöhl auf dem Friedhof Ohlsdorf:
Bathurst, die Ju 90 D-AIVI „Preußen”
und das Grabdenkmal Paul Wilhelm Bäumer (H6)

Hier stehen ein Obelisk und ein stilisiertes Kreuz dicht hintereinander auf einer Wiese in der Bergstraße des Ohlsdorfer Friedhofs. Beide ehren Flieger, die bei Abstürzen umgekommen sind. Der Obelisk erinnert an den Absturz bei Bathurst.
Blick vom Bathurst-Obelisken in Richtung Bäumer-Säule auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf. Die Denkmale der Familiengräber Heinr. Alb. Meyer und Hermann Wittlinger stehen weiter entfernt jenseits der Bergstraße.
Der Bathurst-Obelisk trägt die Inschrift

Sie flogen für Deutschland
Bathurst (Westafrika)
26. November 1938

Die Junkers Ju 90 D-AIVI „Preußen” stürzte am 26. November 1938 in Bathurst (Gambia) ab. 12 Grabplatten sind im Kreis um den Obelisken angeordnet.

Der Obelisk trägt oben an seinen vier Seiten die Symbole von BMW, Junkers (der Flügelmann bzw. „Der fliegende Mensch”, ein stilisierter Ikarus) und Lufthansa sowie den Reichsadler aus dem Luftwaffenhoheitszeichen. Man vermutet, dass dem Reichsadler das Hakenkreuz entfernt wurde. Der Obelisk wurde von Ludwig Kunstmann entworfen — so geht es aus dem Artikel von Helmut Schoenfeld unter dem Titel „Die Grabstätte der Bathurst-Flieger in Ohlsdorf” in der Ausgabe Nr.105 vom Mai 2009 der „Zeitschrift für Trauerkultur” hervor.

Bathurst-Obelisk, die Logos der Lufthansa und der Junkers-Flugzeugwerke
„Der fliegende Mensch”, das Logo der Junkers-Flugzeugwerke AG, wurde 1924 von Friedrich Peter Drömmer (*16.01.1869 Kiel; †22.01.1968 Gräfeling) entworfen. Herr Drömmer war von 1923 bis 1933 Leiter der Werbeabteilung der Junkers-Werke in Dessau.

Der Obelisk besteht aus Muschelkalk und ist 7 Meter hoch. Er wurde Ende 1941 errichtet.

Ein Foto des Flugzeuges wird auf der hier verlinkten Internetseite gezeigt. Im Textteil wird die Entwicklungsgeschichte der Ju 90 beschrieben.

„Der große Dessauer”, Modell im Verkehrsmuseum Dresden

Das Ganzmetall-Großraum-Verkehrsflugzeug Junkers - Ju 90, Spitzname „Der große Dessauer”, konnte 40 Passagiere befördern. Die Ju 90 D-AIVI „Preußen” wurde von vier BMW-Motoren angetrieben. Das Foto zeigt ein Modell dieses Flugzeugtyps im Verkehrsmuseum Dresden, August 2007.

Technische Daten der Junkers Ju 90
Max. Geschwindigkeit:380 km/h
Leistung:4 * 750 PS
Reichweite:2092 km
Dienstgipfelhöhe:5750 m
Baustoff:Duralumin, Ganzmetall, Glattblechbauweise
Bauart:freitragender Tiefdecker mit doppeltem Seitenleitwerk
Höhe:7,50 m
Spannweite:35,00 m
Länge:26,00 m
Fluggewicht:22000 kg
Besatzung:4 bis 7
Fluggäste:40
Verwendungszweck:Viermotoriges Großraum-Schnellverkehrsflugzeug
für Personen und Fracht
Der erste Prototyp mit vier Daimler-Benz Triebwerken wurde im Juni 1937 fertig gestellt. Diese Maschine stürzte am 7.2.1938 ab. Ihr Nachfolgemuster wurde mit BMW 132-Triebwerken ausgestattet. Diese Maschine stürzte bei Ihrer Erprobung bei Bathurst am 26.11.1938 ab.

Von der Ju 90 wurden insgesamt 18 Maschinen überwiegend für die Lufthansa gebaut. Nach Kriegsbeginn trat die Lufthansa ihre Ju 90-Maschinen nach und nach an die Luftwaffe ab. Lediglich die D-AURE „Bayern” blieb bei der Lufthansa. Sie wurde am 9.8.1944 nach einer Zwischenlandung in Stuttgart von amerikanischen Tieffliegern in Brand geschossen.

Die militärische Weiterentwicklung der Ju 90 war die Ju 290.

Ein anderes bekanntes Langstreckenflugzeug aus dieser Zeit ist die Focke Wulf 200 „Condor”. Mit ihr wurde 1938 der erste Nonstopflug von Berlin nach New York durchgeführt. Er dauerte 24 Stunden.

Besat-
zung
Passa-
giere
Geschwin-
digkeit km/h
Verwendung
im 2. Weltkrieg
FW 200 „Condor”426420maritimer Fernaufklärer
und Fernbomber
Ju 904 bis 740350 bis 380Langstreckenaufklärer
und Transportflugzeug


Das Grabdenkmal Paul Wilhelm Bäumer
Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Paul Bäumer am 10.11.2009
Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Paul Bäumer am 10.11.2009
Die Säule für Paul Wilhelm Bäumer (*11.5.1896 in Meiderich; †15.7.1927 bei Kopenhagen) wurde von Richard Kuöhl (Ausführung: Steinbildhauerei Max Rühle, Hamburg-24) geschaffen. Auch sie besteht aus Muschelkalk. Die beiden Adler symbolisieren die Luftfahrt.
Friedhof Ohlsdorf, Grabmal Paul Bäumer und der Bathurst-Obelisk am 31.1.2021
Das Denkmal für Paul Wilhelm Bäumer ist zehn Jahre älter als der Bathurst-Obelisk. Die große Rasenfläche, die beide Gräber vereint, entstand erst später. Eine alte Postkarte vom Grab Bäumers zeigt Bäume sehr nahe am Grabmal. Diese Postkarte zeigt auch, dass in der Zeit zwischen Beisetzung und Aufstellung des Grabmals ein Propeller das Grab markierte.

Es war ein großes Begräbnis mit zehntausenden(!) von Hamburgern.

Paul Wilhelm Bäumer war im Ersten Weltkrieg einer der erfolgreichsten Jagdflieger der Jagdstaffel Boelcke. Er errang 43  Luftsiege. Er war genauso populär wie beispielsweise Manfred Freiherr von Richthofen aus der gleichen Jagdstaffel. Auf www.frontflieger.de befindet sich u.a. ein Foto von ihm.

Nach dem Ersten Weltkrieg gründete Bäumer am 7. November 1922 in Hamburg die Bäumer Aero GmbH. Die Firma hatte ihre Werkstatt am Platz des heutigen Luftfrachtzentrums auf dem Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel. Mitte der 20er Jahre war ihr zweisitziger Tiefdecker „Sausewind” ein erfolgreiches Produkt. Die „Sausewind” war damals eine technische Sensation. Sie war auf Schnelligkeit getrimmt, der Rumpf hatte die aerodynamisch günstige Form eines Torpedos. Die beiden Piloten saßen hintereinander.

Am 15. Juli 1927 stürzte Paul Wilhelm Bäumer mit einer „Rofix”[Wikipedia, Suchbegriff Rohrbach Ro IX, Abruf 24.6.2019] der Berliner Rohrbach-Flugzeugwerke am Rande des Kopenhagener Flughafens Kastrup in den Oeresund. Die Bäumer Aero GmbH wurde am 14. Oktober 1932 aus dem Handelsregister gelöscht.

Vor seiner Kriegskarriere war er Zahntechniker. Nach dem Krieg war er als Zahnarzt tätig. Erich Maria Remarque nennt in seinem Roman „Im Westen nichts Neues” den Protagonisten ebenfalls „Paul Bäumer”. Der Roman erschien 1928. Remarque war einer von Bäumers Patienten.

Im Web findet man einiges über die Bäumer Aero GmbH und die „Sausewind”. Ein Beispiel ist die Seite Bäumer Aero GmbH.

Technische Daten der Bäumer Aero B IV a „Sausewind”
Baujahr:1928
Besatzung:2
Länge:6,25 m
Spannweite:9,00 m
Flügelfläche:11,20 qm
Höchstgeschwindigkeit:230 km/h
Motor:3-Zylinder Wright L4
Leistung:65 PS
Dienstgipfelhöhe:6000 m
Reichweite (max.):2000 km
Direkt gegenüber der Wiese, auf der anderen Straßenseite, stehen in einem Halbrund sehenswerte aufwändige Grabmale. Hier finden sich u.a. Statuen von Arthur Bock und O. E. Ulmer. Hinter der dortigen inneren Reihe, die zur Bergstraße hin angelegt ist, befindet sich ein ebenfalls halbrunder Weg mit weiteren Grabmalen.
Letztes Upload: 08.10.2022 um 15:07:06 • Impressum und Datenschutzerklärung