Innen am Zaun um den Friedhof Ohlsdorf:
Mausoleum Höpfner, Mausoleum Jenisch und weitere Mausoleen

Am Westring Das Mausoleum Baron von Schröder am Westring

Mausoleum Höpfner und Mausoleum Jenisch

Friedhof Ohlsdorf, links das Mausoleum Höpfner und rechts das Mausoleum Jenisch am Westring (2004)

Im Westring gibt es eine Stelle mit mehreren Mausoleen, denn wir befinden uns in der Nähe des Friedhofszauns. Am Friedhofszaun war es möglich, die Baumaterialien herbeizuschaffen, ohne durch den ganzen Friedhof fahren zu müssen.

Seit Anfang 2012 gibt es hier erneut einen Friedhofseingang. Er ist allerdings für Fußgänger bestimmt. Er mündet unmittelbar neben dem Mausoleum Höpfner in den Friedhof.

Einige der Mausoleen auf dem Ohlsdorfer Friedhof sind ziemlich verfallen, andere machen einen gut erhaltenen oder frisch renovierten Eindruck. Das gelbe Hinweisschild an der Tür des Mausoleums der Familie des Senators Jenisch im oberen Foto ist eine Warnung vor der Baufälligkeit dieses Gebäudes (Stand: Oktober 2002/September 2011).

Das Schriftband über dem Eingang zu diesem Mausoleum lässt keine Zweifel zu, wer hier beigesetzt wurde: SENATOR JENISCH FAMILIEN-BEGRAEBNISS

Die Angabe des Berufstitels hatte Kritik hervorgerufen — es gehört nicht zur Hamburgischen Bescheidenheit, seinen Titel in der Öffentlichkeit hervorzuheben.

Nach dem Ableben von Martin Johann Jenisch dem Älteren[1] ließ dessen ältester Sohn Martin Johann Jenisch der Jüngere[2] ein Mausoleum errichten. Vorher gab es in Hamburg kein großräumiges Mausoleum! Das 1928 erbaute Mausoleum stand auf dem Katharinenkirchhof östlich der damaligen Fahrstraße (Straßenname ab 1898 Jungiusstraße, aktuell St. Petersburger Straße). Es war so aufgestellt, dass die Inschrift SENATOR JENISCH FAMILIEN-BEGRAEBNISS von der Fahrstraße aus optimal lesbar war. Bei dem Gebäude soll es sich um einen Entwurf des Architekten Franz Gustav Joachim Forsmann[4] handeln. Der Nachweis hierzu scheint jedoch eher mager zu sein.[203, Seite 93]

Das Jenisch-Mausoleum auf dem Katharinenkirchhof wurde 1909 abgerissen. Bereits im Jahre vorher war dessen Nachfolgebau in Ohlsdorf errichtet worden. Als Archiket wird Gustav Berger (leider ohne nähere Angaben) genannt. Die Haupthalle mit ihren knapp 50 m2 Grundfläche war fast identisch zum Vorgängerbau gestaltet. Jedoch waren im alten Mausoleum die Grabkammern im Keller der Halle untergebracht. In Ohlsdorf wurden sie in den Anbauten links und rechts neben der Halle untergebracht.


Besser erhalten ist das dem Mausoleum Jenisch benachbarte Mausoleum Höpfner. So wie im oberen Foto rechts gezeigt, erblickt man es vom Westring aus.

In seinem Inneren sollen zwei Sarkophage und die Statue eines Todesengels mit gesenkter Fackel stehen. Die innere Rückwand soll mit einem farbigen Mosaik geschmückt sein: Christus auf einem Thron und zwei weitere Engel. Ein schüchterner Blick ins Innere am 2.9.2015 ist auf flickr zu sehen.

Das Portal des Mausoleums Höpfner. Christliche und ägyptische Motive bilden den Bauschmuck.

Das Mausoleum Höpfner wurde 1909/1910 errichtet. Entworfen hat es — wie auch das Mausoleum des Barons von Schröder — Edmund Gevert.

Mausoleum Höpfner, Portal
Der Jesuskopf über dem Portal ist eindeutig christlich
Bei diesen beiden Bauschmuckobjekten lässt sich ein altägyptischer Einfluss vermuten

Mausoleum Baron von Schröder

Das Mausoleum Baron von Schröder und die „grausame Gräfin”
Auch wenn es fast so aussieht: Die kräftige Frau hat nicht das Mausoleum des Barons von Schröder zum Ziel. Mehr über diese Statue steht auf der übernächsten Seite! Bereits auf der nächsten Seite wird das Mausoleum des Barons von Schröder beschrieben und in einem kurzen Text dem Mausoleum Jenisch gegenübergestellt.

Mausoleen neben dem Mausoleum Baron von Schröder

Friedhof Ohlsdorf, Mausoleen am Westring
Friedhof Ohlsdorf, Mausoleum Hoefele am Westring Friedhof Ohlsdorf, Mausoleum Hoefele am Westring
Im frischen Glanz erstrahlt das 1910/1911 errichtete Mausoleum
Hoefele (AH20,420-421) nach der Renovierung etwa um 2003/2004

Die Anbauten links und rechts am Mausoleum Hoefele beherbergen die beiden Gruftzellen. Zwei Säulen am Eingang bilden ein eindrucksvolles Portal. Im Inneren des Andachtraums sitzt eine Trauernde aus weißem Marmor. Sie wurde 1911 von Hans Dammann geschaffen. Die Grundfläche dieses Mausoleums beträgt 54,9 m². Der Grundriss des Erdgeschosses ist quadratisch, der Aufbau über dem fast würfelförmigen Unterbau ist rund.

Die Datierung des Mausoleums wird nicht einheitlich angegeben:

Nachtrag Januar 2006: Mittlerweile schmücken vier verspielt wirkende Kinderfiguren das Dach. Der bauliche Eindruck, den das Mausoleum macht, verliert dadurch an Strenge.

Nachtrag 29.11.2012: In der Wochenzeitung „Die Zeit” beschreibt Alexandra Schulz unter der Überschrift „Hoch die Tassen unter Toten” die aktuelle Nutzung des Mausoleums. Herr Werner Carstens hatte vor fast 12 Jahren das Museums für sich entdeckt und daraufhin die Patenschaft übernommen. Er restaurierte das Mausoleum und richtete es wohnlich ein — das Innere wurde mit einigen Möbeln versehen und ein elektrischer Anschluss wurde geschaffen. Das Innere kann nun beleuchtet und beheizt werden, so dass man dort gemütlich beisammensitzen kann. Die Wand hinter der Trauernden aus weißem Marmor ist nun nicht mehr in Blau, sondern sie ist in einem warmen Rot. Über der Eingangstür wurde eine Schrifttafel angebracht: „Alles hat seine Zeit”.


Mausoleum von Puttkamer/Heymann/von Henning
Mausoleum von Puttkamer/Heymann/von Henning Das von 1912 bis 1914 errichtete Mausoleum von Puttkamer/Heymann/von Henning hatte die Architektengemeinschaft Raabe & Wöhlecke aus Altona entworfen. Deren bekanntestes Projekt war der St. Pauli Elbtunnel. Auch beim Bau der Hamburger Hochbahn bis 1912 hatten sie kräftig mitgemischt.
Das linke Halbrelief ist mit dem Wort „Zeit” das rechte mit dem Wort „Ewigkeit” gekennzeichnet. Die Zeit scheint aus dem Portal herauszukommen, die Ewigkeit scheint in das Portal hineinzugehen. Beide Halbreliefs hatte Hanna Elise Freifrau von Puttkamer entworfen.[206, Seite 126]

Unter dem Gebäude ist eine Krypta.

Hinweis: In der mir vorliegenden Literatur wurden folgende Schreibweisen verwendet: Putkamer, Putkammer und Puttkamer. In den Hamburger Adressbüchern von 1911, 1912 und 1913 erscheint lediglich der Eintrag v. Puttkamer, Frau Baronin H., […] Badestr.28.

Welche Schreibweise mag die korrekte sein?


Ein Exkurs: Mausoleum (Mehrzahl: Mausoleen)

Mausoleen sind nach dem Grabmonument des Königs Mausolos II (gestorben je nach Informationsquelle 352 v.Chr. oder 353 v.Chr.) in Halikarnassos, im Südwesten Kleinasiens an der Küste gelegen, benannt. Dies Mausoleum war eines der 7 Weltwunder. Es steht schon lange nicht mehr, denn es gab Erdbeben und später Kreuzritter, denen die Überreste des Mausoleums als Baumaterial für eine Hafenfestung gerade recht waren. Im British Museum zu London sind einige Teile des Mausoleums von Halikarnassos ausgestellt, denn die Stelle, an der das Mausoleum stand, wurde 1857 von dem englischen Orientalisten Sir Charles Newton und seiner Expedition wiedergefunden. Diese Expedition fand im Namen des Museums statt.

Keines der Mausoleen auf dem Ohlsdorfer Friedhof ist auch nur annähernd so groß wie das Mausoleum in Halikarnassos. Es war immerhin 49 Meter hoch. Die Grundfläche der Baugrube soll 39 mal 33 Meter betragen haben.

Nachtrag am 2.7.2013: Neuere Forschungsergebnisse besagen, dass das Grabmonument des Königs Mausolos nur rund 40 Meter hoch gewesen sein soll. Genaueres steht in Barbara Möller: So sah die Mutter aller Mausoleen aus, Zeitung „Die Welt” vom 2.7.2013.


Unterhalb folgen angepasste Auszüge aus Wikipedia, ausgehend von Martin Johann Jenisch der Ältere (Abruf 27.11.2022)

Fußnoten
Das Anklicken der Fußnotennummer führt in den Text zurück.
  • [1] Martin Johann Jenisch der Ältere (*22.06.1760 Hamburg; †29.01.1827 ebenda) war ein deutscher Kaufmann und Senator in Hamburg.

  • [2] Martin Johann Jenisch der Jüngere (*12.04.1793 Hamburg; †07.03.1857 Vevey/Schweiz) war Kaufmann und ein einflussreicher Senator in Hamburg. Er ließ das Jenisch-Haus errichten. Bauzeit: 1831 – 1884.

    Martin Johann Jenisch der Jüngere wurde nur wenige Tage nach dem Tod seines Vaters am 5.02.1827 als Mitglied der Erbgesessenen Bürgerschaft in den „Rath“ gewählt und begann seine Arbeit in der Deputation für den Marstall und als Thor- und Baumherr.

    1828 erwarb er den umfangreichen Grundbesitz von Caspar Voght in Klein Flottbek, damals eine Landgemeinde westlich der Stadt Altona, ferner die holsteinischen Güter Blumendorf und Fresenburg bei Bad Oldesloe und die Herrschaft Kalø in Jütland.

    Er wünschte die Errichtung eines klassizistischen Landhauses auf seinem neu erworbenen Grundstück in Klein Flottbek. Deshalb beauftragte er den Architekten Franz Gustav Joachim Forsmann. Dessen ursprünglichen Entwürfe für das Landhaus legte Jenisch dem Architekten Karl Friedrich Schinkel vor. Dieser entwarf eigenständig ein großes Landhaus, das mit den Plänen Forsmanns nichts mehr gemein hatte. Forsmann überarbeitete daraufhin seinerseits die Pläne Schinkels. Die Änderungen sind so gravierend, dass der bestehende Bau, das heutige „Jenisch-Haus”, nicht mehr als Schinkelbau bezeichnet werden kann.

    In den Jahren von 1831 bis 1934 wurde auf seinem elbnahen Besitz in Klein Flottbek, heute der „Jenischpark”, wurde das Landhaus errichtet. Es ist das heutige „Jenisch-Haus” und nun eine Außenstelle des Altonaer Museums.

  • Karl Friedrich Schinkel (* 13. März 1781 in Neuruppin; † 9. Oktober 1841 in Berlin) war ein preußischer Baubeamter, Baumeister, Architekt, Stadtplaner, Maler, Grafiker, Medailleur und Bühnenbildner, der den Klassizismus und den Historismus entscheidend mitgestaltete. Als Leiter der Oberbaudeputation unterstand ihm eine Abteilung, die fast alle staatlichen Bauvorhaben für das Königreich Preußen in ökonomischer, funktionaler und ästhetischer Hinsicht überprüfte. Schinkel war Oberlandesbaudirektor und Architekt des Königs. Seine Bauwerke prägen heute noch das Stadtbild der Mitte Berlins und weiterer Orte.

  • [3] Caspar Voght (*17.11.1752 Hamburg; †20.03.1839 ebenda), ab 2.05,1802 Caspar Reichsfreiherr von Voght (zeitgenössisch zumeist Baron Caspar von Voght), war ein deutscher Kaufmann, Hanseat und Sozialreformer.

    Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner und Freund Georg Heinrich Sieveking führte er eines der größten Handelshäuser Hamburgs in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auf zahlreichen Reisen durchquerte er ganz Europa. Zu seinen größten Leistungen zählt die Reform des hamburgischen Armen- und Gefängniswesens im Jahre 1788. Ab 1785 widmete er sich verstärkt landwirtschaftlichen und landschaftsgärtnerischen Projekten und baute in Flottbek vor den Toren Hamburgs ein landwirtschaftliches Mustergut auf.

  • [4] Franz Gustav Joachim Forsmann (*19.04.1795 Hamburg; †17.03.1878 ebenda) war ein deutscher Architekt, Baumeister und Mitarbeiter der Baudeputation, der den Klassizismus in Hamburg entscheidend mitgestaltete.
Letztes Upload: 27.11.2022 um 20:26:52 • Impressum und Datenschutzerklärung